KM Malta Airlines (Foto: Jan Gruber).
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Auf Kollegen im Urlaub gewartet: KM Malta Airlines in der Kritik nach Pilotenvorfall

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Ein Vorfall an Bord eines Fluges der KM Malta Airlines von Rom nach Malta im späten April hat eine interne Untersuchung ausgelöst und die Diskussion über die Verhaltensrichtlinien der Fluggesellschaft neu entfacht. Ein Flug, der vom Flughafen Fiumicino nach Malta zurückkehren sollte, wurde um fast eine Stunde verspätet, um einem Piloten, der sich mit seiner Familie im Urlaub befand, die pünktliche Anreise zum Flughafen zu ermöglichen.

Der Vorfall, der sich am Morgen der Beerdigung von Papst Franziskus ereignete, hat zu disziplinarischen Maßnahmen gegen die beteiligten Piloten geführt und wirft ein Schlaglicht auf die Balance zwischen den Interessen der Mitarbeiter, den Richtlinien des Unternehmens und der Einhaltung des Flugplans.

Ein ungewöhnlicher Vorfall: Der verspätete Start in Rom

Die Geschehnisse ereigneten sich Ende April, am Tag der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan. Ein Flug der KM Malta Airlines sollte nach der Beförderung von Regierungsvertretern, darunter der Präsident und der Premierminister Maltas, von Rom nach Malta zurückkehren. Der planmäßige Abflug war für 9.50 Uhr Ortszeit angesetzt. Doch kurz vor dem geplanten Start wurde der kommandierende Pilot des Fluges von einem anderen Piloten, George Frank Mizzi, kontaktiert. Mizzi, der früher der Chef der Pilotenvereinigung war, befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie im Urlaub in Rom. Er bat den Piloten, den Abflug zu verzögern, um ihm und seiner Familie Zeit zu geben, den Flughafen zu erreichen.

Die Bitte wurde erfüllt. Infolgedessen hob der Flug erst um 10.36 Uhr ab, 46 Minuten hinter dem Zeitplan, und landete schließlich 45 Minuten verspätet in Malta. Nach dem Vorfall leitete die Fluggesellschaft eine interne Untersuchung ein, deren Ergebnisse nun an die Öffentlichkeit gelangt sind. Laut Quellen der Times of Malta kam die Untersuchung zu dem Schluß, daß Mizzi gegen die Unternehmensrichtlinien verstoßen hat. Die Richtlinien von KM Malta Airlines verbieten es Mitarbeitern, spezielle Reisearrangements zu verlangen. Zusätzlich hat Mizzi die Vorschriften verletzt, indem er den Piloten direkt kontaktierte, anstatt sich an das Operations-Team des Unternehmens in Luqa zu wenden.

Laut den Quellen begründete Mizzi seinen Antrag gegenüber den Unternehmensvertretern damit, daß ein Familienmitglied, das mit ihm reiste, unwohl war und dringend nach Hause zurückkehren mußte. Mizzi wurde daraufhin diszipliniert. Seine Reisevergünstigungen wurden für drei Monate ausgesetzt, und er erhielt eine Verwarnung, die ein Jahr lang in seiner Akte verbleiben wird. Auch der Pilot, der Mizzi’s Wunsch entsprach, wurde diszipliniert und erhielt eine Verwarnung wegen des Vorfalls.

Gewerkschaftliche Verteidigung: „Vorbildliche Fachleute“

Die maltesische Pilotenvereinigung ALPA (Airline Pilots‘ Association Malta) hat sich in dieser Angelegenheit schützend vor die beiden betroffenen Piloten gestellt. Ein Sprecher der Gewerkschaft bezeichnete beide als „vorbildliche Fachleute, die ihre Position niemals mißbrauchen würden“. Obwohl die Gewerkschaft eine genaue Auseinandersetzung mit den Details des Falles ablehnte, betonte der Sprecher, daß Mizzi zum Zeitpunkt des Vorfalls dienstfrei gewesen sei und er und seine Familie somit als normale Passagiere zu betrachten wären.

Der Sprecher verteidigte das Verhalten des kommandierenden Piloten, indem er anführte, dieser habe „dem Ethos des Unternehmens gefolgt“, einen fürsorglichen Dienst an allen Passagieren zu leisten. Der Pilot habe abgewartet, nachdem er eine medizinische Begründung für die Verspätung erhalten habe, bewertet habe, daß es keine operativen Konsequenzen geben würde, und sich mit der Betriebskontrolle der KMMA beraten habe. Diese Darstellung steht im Widerspruch zu der Untersuchung der Fluggesellschaft, die eine direkte Kontaktaufnahme Mizzi’s mit dem Piloten als Verstoß gewertet hat.

Der Sprecher der Gewerkschaft äußerte zudem Bedenken, daß Details zu internen Vorgängen der KMMA an die Öffentlichkeit gelangt seien. Er argumentierte, daß dieser Verstoß schwerwiegende Folgen für die Flugsicherheit, das Wohlbefinden der Piloten und letztendlich den Erfolg von KM Malta Airlines haben könnte. Die Veröffentlichung interner Informationen ist oft ein Zeichen für tiefgreifende Spannungen zwischen der Unternehmensleitung und den Mitarbeitervertretern.

Ein wiederkehrendes Muster: Frühere Vorfälle und die Rolle hochrangiger Piloten

Der nun aufgedeckte Vorfall ist nicht der erste seiner Art in der maltesischen Luftfahrtgeschichte, bei dem hochrangige Piloten verwickelt sind. Im Jahre 2012 wurde der damalige ALPA-Chef Dominic Azzopardi verdächtigt, eine dreißigminütige Verspätung auf einem Air Malta-Flug von Mailand verursacht zu haben. Er soll mit seiner Familie zu spät zum Boarding erschienen sein und daraufhin unautorisierte Anweisungen erteilt haben, den Check-in erneut zu öffnen. Eine damals von der Fluggesellschaft eingeleitete Untersuchung dauerte über 14 Monate, ohne daß das Ergebnis jemals öffentlich bekanntgegeben wurde.

Die Parallelen zwischen den beiden Vorfällen sind offensichtlich: In beiden Fällen sind hochrangige Piloten in eine Situation verwickelt, in der die Verspätung eines Fluges im Zusammenhang mit ihren eigenen Reiseplänen steht. Die unterschiedliche Reaktion der Fluggesellschaften – im Fall von 2012 keine öffentliche Bekanntgabe, im aktuellen Fall disziplinarische Maßnahmen – könnte auf einen Wandel in der Unternehmenskultur hindeuten. Die Fluggesellschaften stehen unter dem Druck, die Betriebsabläufe zu straffen und die Pünktlichkeit zu verbessern.

KM Malta Airlines, die aus der früheren Air Malta hervorgegangen ist, hat sich das Ziel gesetzt, sich als effizienter und zuverlässiger Carrier zu etablieren. Vorkommnisse wie der nun bekanntgewordene Vorfall sind nicht nur schädlich für den Ruf des Unternehmens, sondern können auch die operative Effizienz beeinträchtigen. Die Verzögerung eines Fluges kann eine Kettenreaktion nach sich ziehen, die zu weiteren Verspätungen im Flugplan führt.

Die Grenzen der Unternehmenskultur

Der Vorfall bei KM Malta Airlines ist ein Lehrstück über die Grenzen der Unternehmenskultur und der Loyalität. Er verdeutlicht die Herausforderungen, die sich ergeben, wenn Mitarbeiter mit besonderen Privilegien oder hohem Rang ihre Position in einer Grauzone nutzen. Während die Pilotenvereinigung die Humanität des Handelns in den Vordergrund stellt und auf die angebliche medizinische Notwendigkeit verweist, muß die Unternehmensleitung die Einhaltung der betrieblichen Richtlinien sicherstellen.

Der Fall wird voraussichtlich weiterhin für Diskussionen sorgen, insbesondere im Kontext der geplanten Neuausrichtung von KM Malta Airlines. Die Fluggesellschaft muß nun eine klare Haltung einnehmen, um zu signalisieren, daß interne Regeln für alle Mitarbeiter gleichermaßen gelten. Ein Kompromiss zwischen Flexibilität für Notfälle und der strikten Einhaltung der Vorschriften wird für die langfristige Stabilität und den Erfolg des Unternehmens entscheidend sein.

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