ATR72 (Foto: Adrian Pingstone).
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Aurigny Air Services holt sich Wetleases zur Stabilisierung

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Aurigny Air Services sieht sich derzeit mit einer Reihe von betrieblichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre Fähigkeit beeinträchtigen, die für die Kanalinseln lebenswichtige Luftverkehrsanbindung sicherzustellen.

Diese Probleme haben zu Flugausfällen, Verzögerungen und einer intensiven Überprüfung der Unternehmensstrategie geführt. Insbesondere die Verzögerungen bei der Auslieferung der neuen ATR72-600 Flugzeuge und die daraus resultierenden Maßnahmen, wie das Leasing von Ersatzflugzeugen, stehen im Zentrum der aktuellen Situation.

Die Rolle der ATR72-600 in der Flottenstrategie

Aurigny Air Services hatte geplant, seine Flotte durch die Einführung von neuen ATR72-600 Flugzeugen zu modernisieren und gleichzeitig den letzten verbleibenden Jet, eine Embraer E195, aus dem Betrieb zu nehmen. Diese Entscheidung sollte sowohl die Betriebskosten senken als auch die Effizienz der Fluggesellschaft steigern. Ursprünglich war die Auslieferung der beiden neuen ATR72-600 für Juli 2024 vorgesehen, jedoch verzögerten sich die Lieferungen erheblich. Die erste der beiden Maschinen wurde erst im August 2024 übernommen, während die zweite erst Mitte Oktober erwartet wird.

Die Verzögerungen hatten unmittelbare betriebliche Konsequenzen. Die geplante Ausmusterung der Embraer E195 konnte nicht wie vorgesehen durchgeführt werden, wodurch Aurigny gezwungen war, kurzfristige Lösungen zu finden, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.

Leasing als kurzfristige Lösung

Um den operativen Herausforderungen entgegenzuwirken, hat Aurigny eine ATR72-500 von Swiftair geleast. Dieses Flugzeug, registriert als EC-KKQ, wurde am 27. August 2024 nach Guernsey überführt und führte bereits am selben Tag den ersten Linienflug nach Nottingham East Midlands durch. Dieser Wet-Lease-Vertrag, der bis Mitte Oktober 2024 laufen soll, stellt eine kurzfristige Lösung dar, um die durch die Verzögerungen entstandenen Kapazitätsengpässe zu überbrücken.

Das Wet-Leasing von Flugzeugen ist für Aurigny nicht neu. Bereits in den Monaten vor der Übernahme der vierten ATR72-600 war die Fluggesellschaft gezwungen, auf verschiedene Wet-Lease-Vereinbarungen zurückzugreifen, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass es zu Flugannullierungen kam, was die öffentliche Kritik und die laufende Überprüfung der betrieblichen und strategischen Ausrichtung verstärkte.

Strategische Überprüfung durch die Regierung von Guernsey

Angesichts der betrieblichen Schwierigkeiten und der anhaltenden Kritik an der Flottenstrategie hat die Regierung von Guernsey eine umfassende Überprüfung des Betriebs von Aurigny Air Services eingeleitet. Diese Überprüfung, die in Zusammenarbeit mit einem externen Beratungsunternehmen durchgeführt wird, soll unter anderem die Entscheidung hinterfragen, die Embraer E195 aus dem Betrieb zu nehmen und vollständig auf die ATR72-600-Flotte zu setzen.

Peter Roffey, der Präsident des State‘ Trading Supervisory Board (STSB), betonte gegenüber der BBC die Notwendigkeit, sicherzustellen, dass Aurigny in der Lage ist, auch in Zukunft eine zuverlässige und effiziente Luftverkehrsanbindung für die Insel Guernsey zu gewährleisten. Die Überprüfung wird auch die langfristige Fähigkeit der Fluggesellschaft untersuchen, auf unvorhergesehene betriebliche Herausforderungen zu reagieren und gleichzeitig die Kosten und Effizienz zu optimieren.

Die Luftverkehrsanbindung ist für die Kanalinseln von entscheidender Bedeutung, da sie eine lebenswichtige Verbindung zum britischen Festland und zu anderen europäischen Zielen darstellt. Aurigny Air Services spielt dabei eine Schlüsselrolle, insbesondere auf den Strecken nach Alderney und Southampton, die mit den beiden Do228-212(NG) bedient werden. Diese Flugzeuge sind für den regionalen Verkehr auf den Kanalinseln unverzichtbar und unterstreichen die Bedeutung einer stabilen und gut gewarteten Flotte für die Region.

Zukunftsaussichten und Herausforderungen

Die kommenden Monate werden für Aurigny Air Services entscheidend sein. Die Fluggesellschaft muss nicht nur die Übernahme der verbleibenden ATR72-600 erfolgreich abschließen, sondern auch die Ergebnisse der laufenden Überprüfung in ihre zukünftige Strategie integrieren. Dabei wird es entscheidend sein, sowohl die betriebliche Stabilität als auch die finanzielle Gesundheit des Unternehmens sicherzustellen, um langfristig als zuverlässiger Anbieter im regionalen Luftverkehr bestehen zu können.

Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob die Entscheidung, die Embraer E195 aus dem Betrieb zu nehmen, tatsächlich die beste langfristige Lösung war. Die Ergebnisse der strategischen Überprüfung werden hier Klarheit schaffen und könnten zu einer Anpassung der Flottenstrategie führen.

Aurigny Air Services steht vor der Herausforderung, ihre Flotte und ihre betrieblichen Prozesse zu stabilisieren, um die zentrale Rolle, die sie für die Kanalinseln spielt, auch in Zukunft erfolgreich ausfüllen zu können. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um die aktuellen Schwierigkeiten zu überwinden und das Vertrauen der Regierung und der Bevölkerung von Guernsey zurückzugewinnen.

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