Die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hat den erfolgreichen Abschluss ihres ersten vollständigen „Strip-and-Paint“-Programms für den Airbus A350-900 auf dem afrikanischen Kontinent bekannt gegeben. Im Rahmen dieses technischen Großprojekts wurden zwei Maschinen dieses Typs in den eigenen Wartungshangars in Addis Abeba komplett entlackt und mit einer neuen Oberflächenbeschichtung versehen. Dieser Schritt markiert eine bedeutende Erweiterung des Portfolios der Wartungssparte Ethiopian MRO (Maintenance, Repair and Overhaul), die zuvor bereits ähnliche Kapazitäten für das Konkurrenzmodell Boeing 787 „Dreamliner“ etabliert hatte. Die technische Durchführung umfasst die chemische Entfernung alter Lackschichten sowie die präzise Applikation spezialisierter Luftfahrtlacke unter strengen industriellen Qualitätsvorgaben.
Konzernchef Mesfin Tasew betonte die strategische Relevanz dieses Meilensteins für die technologische Eigenständigkeit der Fluggesellschaft. Durch die Inhouse-Abwicklung solch komplexer Instandhaltungsarbeiten reduziert Ethiopian Airlines die Abhängigkeit von externen Dienstleistern in Europa oder Asien massiv. Dies führt nicht nur zu einer Reduktion der operativen Kosten, sondern verkürzt auch die Standzeiten der Flugzeuge am Boden. Die Investitionen in die Wartungsinfrastruktur am Drehkreuz Addis Abeba sind Teil eines langfristigen Plans, Äthiopien als führendes technisches Zentrum für die afrikanische Luftfahrtindustrie zu positionieren und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Akteuren zu steigern.
Über die reine Eigenversorgung hinaus zielt die Airline darauf ab, die neu gewonnenen Kapazitäten als Dienstleistung für Drittkunden anzubieten. Der globale Markt für Flugzeugwartung wächst stetig, und spezialisierte Lackierbetriebe sind weltweit stark ausgelastet. Ethiopian MRO plant, durch attraktive Preisgestaltungen und zertifizierte Technikstandards Aufträge von anderen Fluggesellschaften aus der Region und darüber hinaus zu gewinnen. Dies soll zusätzliche Deviseneinnahmen generieren und die Rentabilität des gesamten Konzerns weiter absichern. Die Erweiterung der Lackierkapazitäten erfordert zudem hochqualifizierte Fachkräfte, weshalb die Fluggesellschaft parallel massiv in die Ausbildung von Technikern an der hauseigenen Aviation Academy investiert.
Die technische Ausrüstung der MRO-Hallen in Addis Abeba wurde für das A350-Programm modernisiert, um den spezifischen Anforderungen der Verbundwerkstoff-Struktur dieses Flugzeugtyps gerecht zu werden. Da der Airbus A350 zu großen Teilen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff besteht, erfordert das Entlacken besondere Verfahren, um die Struktur nicht zu beschädigen. Mit der erfolgreichen Zertifizierung für diesen Prozess festigt Ethiopian Airlines ihre Rolle als technisch fortschrittlichste Fluggesellschaft Afrikas. Branchenexperten werten diesen Fortschritt als Signal für eine zunehmende Professionalisierung des afrikanischen Luftfahrtsektors, der vermehrt komplexe Wertschöpfungsketten direkt auf dem eigenen Kontinent abbildet.