Der Reisekonzern Tui und die staatliche omanische Tourismusentwicklungsgesellschaft Omran haben ihre erst im September 2025 geschlossene Partnerschaft mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Als Hauptgrund für diesen Schritt nannte das Unternehmen die Unmöglichkeit, den ursprünglich vereinbarten Projektzeitplan einzuhalten.
Die Kooperation sah die Gründung eines Joint Ventures vor, an dem Tui und Omran jeweils 45 Prozent sowie ein privater Investor zehn Prozent halten sollten. Ziel des Vorhabens war die Errichtung und der Betrieb von fünf Hotelanlagen in der strategisch wichtigen Urlaubsregion Dhofar im Süden des Sultanats. Der Oman sollte hierfür die Grundstücke sowie einen erheblichen Teil des Kapitals zur Verfügung stellen.
Die Verzögerungen und die damit verbundene Pausierung des Projekts stehen in engem Zusammenhang mit der volatilen Sicherheitslage im Nahen Osten und den Auswirkungen regionaler militärischer Auseinandersetzungen. Diese geopolitischen Instabilitäten führen derzeit zu einer massiven Zurückhaltung bei internationalen Großinvestitionen im Tourismussektor der Region. Neben dem Baustopp für die Hotelkapazitäten in Dhofar ist auch die geplante Beteiligung der Omran-Gruppe am Tui-Konzern in Höhe von 1,4 Prozent vorerst hinfällig. Ursprünglich war dieser Aktieneinstieg als Teil einer langfristigen strategischen Allianz geplant, um die Präsenz des Hannoveraner Konzerns auf der Arabischen Halbinsel signifikant zu verstärken.
Trotz der aktuellen Unterbrechung betonen beide Parteien, den Dialog über eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Die Region Dhofar gilt aufgrund ihres besonderen Klimas und der geografischen Lage als eines der Wachstumshoffnungsgebiete für den omanischen Fremdenverkehr. Experten der Reisebranche werten die Aussetzung jedoch als deutliches Signal für die derzeitigen Schwierigkeiten, langfristige Infrastrukturprojekte in einem krisengeschüttelten Umfeld zu realisieren. Für Tui bedeutet die Entscheidung eine Anpassung der Expansionsstrategie im Nahen Osten, während der Oman seine ehrgeizigen Ziele zur Diversifizierung der Wirtschaft durch den Tourismus vorerst verlangsamen muss.
Zusätzliche Berichte aus Marktkreisen deuten darauf hin, dass auch andere internationale Hotelketten ihre Expansionspläne in der Golfregion derzeit kritisch prüfen. Die Logistikketten für Baumaterialien sind durch die Spannungen in den angrenzenden Seegebieten beeinträchtigt, was die Baukosten zusätzlich unkalkulierbar macht. Das Vorhaben im Oman war Teil eines größeren Investitionsprogramms, mit dem Tui seine Position als integrierter Hotelanbieter weltweit ausbauen wollte. Die Wiederaufnahme des Projekts wird nach Einschätzung von Analysten maßgeblich von einer Stabilisierung der politischen Verhältnisse in Westasien sowie einer Erholung der Reiseintensität in die Golfstaaten abhängen.