Qantas-Winglet (Foto: Joseph Bobadilla/Unsplash).
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Australische Airlines stemmen sich gegen Pflicht-Entschädigungen

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Australiens führende Fluggesellschaften, darunter Qantas und Virgin Australia, lehnen die Einführung eines obligatorischen Entschädigungssystems für Passagiere bei Flugverspätungen und -annullierungen ab. In einer kürzlich abgehaltenen parlamentarischen Anhörung äußerten Vertreter beider Unternehmen Bedenken, daß solche Maßnahmen nicht zur Verbesserung der Servicequalität beitragen und stattdessen zu höheren Ticketpreisen führen könnten, da die zusätzlichen Kosten an die Passagiere weitergegeben würden.

Am 17. März 2025 fand eine parlamentarische Anhörung zum sogenannten ‚Pay on Delay‘-Gesetz statt, das von der oppositionellen Liberal-Nationalen Koalition vorgeschlagen wurde. Hauptsponsor des Gesetzentwurfs ist Senatorin Bridget McKenzie von der National Party. Ziel des Gesetzes ist es, den Verbraucherschutz zu stärken und das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, indem Fluggesellschaften verpflichtet werden, Passagieren bei Verspätungen oder Annullierungen von Flügen eine Entschädigung zu zahlen. Derzeit gibt es in Australien keine gesetzlichen Verpflichtungen für Fluggesellschaften, Passagiere in solchen Fällen zu entschädigen.

Position der Fluggesellschaften

Markus Svensson, Chief Executive Officer von Qantas Domestic, äußerte in der Anhörung die Befürchtung, daß ein obligatorisches Entschädigungssystem zu höheren Ticketpreisen führen könnte, da die Fluggesellschaften die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben würden. Er verwies auf Erfahrungen aus Europa, wo ähnliche Systeme zu Preissteigerungen geführt hätten. Svensson betonte, daß Qantas nicht unterstütze, ein auf Entschädigungen basierendes System einzuführen.

Stephen Beckett, General Manager für Regierungs- und Industrieangelegenheiten bei Virgin Australia, unterstützte diese Ansicht. Er argumentierte, daß in Märkten mit obligatorischen Entschädigungssystemen keine Verbesserung der Servicequalität festgestellt worden sei. Beckett betonte, daß Virgin Australia bereits erhebliche Investitionen in den Kundenservice und die Bearbeitung von Beschwerden getätigt habe. Obwohl er das vorgeschlagene Gesetz nicht ausdrücklich unterstützte oder ablehnte, sprach er sich für eine Stärkung der Beschwerdebearbeitungsstellen aus.

Reaktionen der Politik und Verbraucherverbände

Senatorin Bridget McKenzie kritisierte die Haltung der Fluggesellschaften und warf ihnen vor, nicht im besten Interesse der Verbraucher zu handeln. Sie betonte, daß die australische Öffentlichkeit das Vertrauen in die großen Fluggesellschaften verloren habe und daß gesetzliche Maßnahmen erforderlich seien, um sicherzustellen, daß die Rechte der Passagiere geschützt werden. McKenzie führte an, daß ähnliche Entschädigungssysteme in Regionen wie der Europäischen Union und Kanada existieren und daß Australien in dieser Hinsicht hinterherhinke.

Verbraucherschutzorganisationen unterstützen den Gesetzentwurf und argumentieren, daß das derzeitige australische Verbrauchergesetz unzureichend sei, um die Rechte der Passagiere bei Flugverspätungen und -annullierungen zu schützen. Sie fordern klare, gesetzlich durchsetzbare Entschädigungsmechanismen, um sicherzustellen, daß Fluggesellschaften bei Störungen angemessene und rechtzeitige Abhilfemaßnahmen ergreifen.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Die australische Regierung hat einen Entwurf für eine Luftfahrtkundenrechte-Charta veröffentlicht, die darauf abzielt, die stärksten Schutzmaßnahmen für Reisende in der Geschichte des Landes zu bieten. Diese Charta verpflichtet Fluggesellschaften, bei Annullierungen, Verspätungen und Störungen umgehend und fair Abhilfe zu schaffen, eine sichere und pünktliche Gepäckabfertigung zu gewährleisten und genaue sowie zugängliche Informationen bereitzustellen. Obwohl die Charta kein Entschädigungssystem nach europäischem Vorbild vorsieht, müssen Fluggesellschaften bei Verspätungen von mehr als drei Stunden Rückerstattungen oder Umbuchungshilfe anbieten und für Mahlzeiten, Unterkünfte und Transfers für betroffene Passagiere sorgen. Rückerstattungen für annullierte Flüge müssen innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Die Charta wird Teil des neuen Ombudsmann-Systems der Luftfahrtindustrie sein, das von einem ernannten Regulierungsbeauftragten überwacht und gesetzlich mit durchsetzbaren Sanktionen versehen wird. Die Regierung nimmt bis zum 28. Februar 2025 Rückmeldungen zum Entwurf der Charta entgegen.

Die Debatte über obligatorische Entschädigungssysteme im australischen Luftfahrtsektor verdeutlicht die Spannungen zwischen den Interessen der Fluggesellschaften und den Rechten der Verbraucher. Während die Fluggesellschaften vor möglichen Kostensteigerungen und negativen Auswirkungen auf die Ticketpreise warnen, fordern Politiker und Verbraucherverbände stärkere gesetzliche Schutzmaßnahmen, um die Rechte der Passagiere zu sichern und das Vertrauen in die Branche wiederherzustellen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Gesetzgebung in diesem Bereich entwickeln wird und ob ein Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften und dem Schutz der Verbraucherrechte gefunden werden kann.

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