Austrian Airlines gibt gebrauchte Uniformen an Flugbegleiter aus

Neue AUA-Kabine im Airbus A320 (Foto: Granit Pireci).
Neue AUA-Kabine im Airbus A320 (Foto: Granit Pireci).

Austrian Airlines gibt gebrauchte Uniformen an Flugbegleiter aus

Neue AUA-Kabine im Airbus A320 (Foto: Granit Pireci).
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Früher wurden bei Austrian Airlines ausschließlich neue Uniformen ausgegeben. Das hat sich geändert, denn Flugbegleiter erhalten seit einiger Zeit auch gebrauchte Kleidungsstücke. Momentan betrifft das primär Kabinenpersonal, das neu ins Unternehmen eintritt.

Für Kritik seitens Betroffener sorgt aber, dass teilweise auch gebrauchte Bodies ausgegeben werden. Gegenüber Aviation.Direct erklärte eine Flugbegleiterin, dass sie einen verschmutzten und beschädigten Body erhalten habe. Schon allein aus hygienischen Gründen findet sie das nicht in Ordnung. Allerdings: Laut Austrian Airlines ist das Tragen von Bodies für die weiblichen Flugbegleiter nicht verpflichtend. Alternativ können diese auch eine Bluse verwenden.

Angesprochen auf den Umstand, dass gebrauchte Dienstkleidung zum Einsatz kommt, bestätigte die Medienstelle des Carriers dies. Eine Sprecherin sagte unter anderem: „Aus dem Aspekt der Nachhaltigkeit hat man sich dazu entschieden, neben neuen Kleidungsstücken auch retournierte Uniformteile auszugeben. Bei letzteren handelt es sich um Kleidungsstücke, die bei Austritten (zum Teil ungetragen bzw. „neuwertig„) retourniert wurden und selbstverständlich einer Prüfung sowie professioneller Reinigung unterzogen werden, bevor die Ausgabe an Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen erfolgt“.

Dieser Darstellung widerspricht eine Flugbegleiterin, denn sie behauptet, dass sie eine Uniform mit deutlichen Gebrauchsspuren und Beschädigungen erhalten habe. Noch dazu würde diese trotz Maßnahmen und Änderungen durch die firmeneigene Schneiderei nicht passen. Sie fühle sich darin wie in einem Kartoffelsack. Seitens Austrian Airlines bedauert man, dass es in Einzelfällen zu Fehlern gekommen ist.

„Mitarbeiterinnen entscheiden selbst, welche Teile sie beziehen möchten. So können zum Beispiel alternativ zu Bodies Blusen getragen werden. Sollte eine bestimmte Größe kurzfristig nicht verfügbar sein (Lieferverzögerungen) und die Mitarbeiterin auf einen Body bestehen, kann es vorkommen, das retournierte, aber zuvor geprüfte und gereinigte Bodies als Zwischenlösung ausgegeben werden. Viele Mitarbeiter haben die nachhaltige Vorgehensweise, nämlich dass ein Mix aus neuen und retournierten Uniformteilen ausgegeben wird, bisher sehr positiv bewertet. Bei neuen Flugbegleitern sind zwecks Beratung erfahrene Führungskräfte und Sachverständige bei der Anprobe vor Ort. Für den Fall, dass Uniformteile nicht passen, beschäftigen wir in der Uniformstelle eine Schneiderin sowie Textildesignerin, um eventuelle Anpassungen sofort vornehmen zu können“, erklärt eine Medienreferentin der Austrian Airlines die Situation.

Kosten für Reinigung der Uniformen müssen selbst bezahlt werden

Bei Austrian Airlines war es bis zum Beginn der Corona-Pandemie Standard, dass die Dienstkleidung auf Firmenkosten gereinigt wurde. Die Arbeiten wurden von einer professionellen Putzerei ausgeführt und die Beschäftigten hatten keinerlei Kosten. Das hat sich aber mit der Pandemie geändert, denn die Kosten für das Waschen der Kleidung sind selbst zu tragen. In der heimischen Waschmaschine können diese aber nicht gewaschen werden, sondern müssen in eine Putzerei gebracht werden. Pro Reinigungsvorgang fallen in etwa 25 Euro an.

Gerade für junge Flugbegleiter, die sich in den untersten Gehaltsstufen befinden, ist das eine enorme Belastung, denn die Dienstkleidung muss regelmäßig in die Putzerei. Das ist vollkommen logisch, denn privat trägt man ja auch nicht tagelang das gleiche T-Shirt. Austrian Airlines hat sich den Umstand, dass die Reinigung der Uniformen selbst bezahlt werden muss, aber nicht einfach so einfallen lassen. Diese wurde im Jahr 2020 mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft im Rahmen des Krisenkollektivvertrags vereinbart. Nach Ablauf dieses sollen die Kosten wieder vom Unternehmen getragen werden, so eine AUA-Sprecherin.

Kostenlose Reinigung der Uniformen ist im Lufthansa-Konzern übrigens nicht genereller Standard. In Deutschland müssen jene Lufthansa- und Eurowings-Mitarbeiter, die Uniformen tragen, selbst für die Reinigung ihrer Dienstkleidung aufkommen. „Vor Corona“ waren in diesem Aspekt die AUA-Mitarbeiter also besser gestellt.

„Austrian hat zu Beginn der Pandemie gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ein Krisenpaket geschnürt, um den Weiterbestand des Unternehmens zu sichern. Die zum Großteil angesprochenen Punkte beziehen sich auf die Einsparungsmaßnahmen, die Bestandteil des Krisen-Kollektivvertrages sind und dementsprechend von allen Mitarbeitern wie auch vom Betriebsrat und der Gewerkschaft bis Ende 2024 mitgetragen werden. Das schließt u.a. die Reinigung der Dienstkleidung ein. Die Putzerei-Reinigungskosten werden gemäß des mit dem Betriebsrat vereinbarten Krisenbeitrages nach dem 31.12.2024 wieder übernommen. Selbes gilt beispielsweise für die Verpflegung bzw. das Crewmeal. Die Mitarbeiter erhalten aktuell für ihre Einsätze Diäten und können sich Essen bestellen, so wie andere in der Kantine quasi. Das gilt auch für Frühstück im Hotel. Auch diese Maßnahmen werden laut Krisen-Kollektivvertrag per Ende 2024 wieder aufgehoben“, erklärt eine Austrian-Airlines-Sprecherin.

Boeing 777 (Foto: Jan Gruber).

Junge Flugbegleiter leiden finanziell unter dem Krisen-Kollektivvertrag

Sowohl die Gewerkschaft Vida als auch so manches Mitglied der Geschäftsführung von Austrian Airlines haben in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen, um die vermeintlich niedrigen Löhne der Konkurrenz aus dem Low-Cost-Segment zu kritisieren. In normalen Zeiten, sofern der Flugbetrieb nicht wegen Corona komplett ruht, verdienen junge Flugbegleiter bei Lauda und Wizz Air monatlich mehr als bei Austrian Airlines. Das liegt daran, dass im AUA-Kollektivvertrag vorgesehen ist, dass im Grundlohn bereits rund 70 Flugstunden inkludiert sind. Die Mitbewerber bezahlen ab der ersten Flugstunde (Lauda Europe) bzw. dem ersten Sektor (Wizz Air) obendrauf. Unter dem Strich verdienen Flugbegleiter am Anfang besser bei den Billigfliegern.

Bei längerer Firmenzugehörigkeit und insbesondere dann, wenn man Senior-Flugbegleiter (Purser) geworden ist, dreht sich das aber um. Dann liegen die Monatsgehälter bei Austrian Airlines deutlich über jenen der Lowcost-Konkurrenz. Zusammenfassend kann man festhalten, dass Berufseinsteiger bei Lauda Europe und Wizz Air zunächst monatlich mehr verdienen als bei Austrian Airlines. Steigt man aufgrund längerer Firmenzugehörigkeit und Beförderungen in höhere Lohnstufen auf, verdient man bei der AUA erheblich besser.

Auch ist darauf hinzuweisen, dass sich in der Welt der Flugbegleiter in den letzten zehn Jahren so einiges geändert hat. Früher war das Kabinenpersonal sehr loyal gegenüber dem Arbeitgeber und hat diesen Job zum Teil bis zur Pensionierung ausgeübt bzw. ist dann in andere Positionen innerhalb der Airline gewechselt. Das hat sich geändert, denn viele machen den Job als junge Menschen ein paar Jahre, wechseln zum Teil die Fluggesellschaft und haben dann keine Lust mehr aufs Fliegen und orientieren sich in anderen Branchen neu. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend beschleunigt, denn viele haben ihre Jobs in der Kabine an den Nagel gehängt. Konkret bedeutet das auch, dass es bei nahezu allen Fluggesellschaften tendenziell mehr Neueinsteiger gibt, die aber nur wenige Jahre an Bord bleiben. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmefälle, die schon viele Jahre dabei sind und ihren Traumberuf gefunden haben.

Bei Austrian Airlines sind die Gehälter derzeit aber auch aus einem anderen Grund reduziert. Der Krisenkollektivvertrag sieht vor, dass heuer und nächstes Jahr auf Teile des Lohns verzichtet wird. Das wirkt sich besonders bei jungen Flugbegleitern, deren Bezüge natürlich nicht auf dem Niveau von Spitzenmanagern sind, nicht gerade vorteilhaft aus. Allerdings hat der Betriebsrat Bord im Zuge der Verhandlungen des Krisen-Kvs eine soziale Staffelung, die es beim Bodenpersonal gibt, strikt abgelehnt.

Eine Sprecherin der AUA erklärte unter anderem: „Während der Krisen-Kollektivvertrag für die kaufmännisch-technischen Angestellten beim Gehaltsverzicht eine soziale Staffelung vorsieht, hat sich der Betriebsrat Bord und die zuständige Gewerkschaft gegen eine solche Lösung ausgesprochen und eine soziale Staffelung somit ausgeschlagen. Der Krisen-Kollektivvertrag, der mit dem Betriebsrat Bord vereinbart wurde, endet mit Ende 2024. Der Krisenbeitrag jedes Mitarbeiters und jeder Mitarbeiterin war und ist ganz wesentlich, um den Weiterbestand des Unternehmens zu sichern. Zugleich ist dem Unternehmen aber auch bewusst, dass die steigende Inflation – generell und somit nicht nur im Unternehmen, sondern auch außerhalb von Austrian Airlines – zu finanziellen Sorgen führt. Um diese Sorgen etwas zu lindern und angesichts der erfreulichen Buchungen über die Sommermonate hat sich das Unternehmen entschieden, für alle Mitarbeiter eine Einmalauszahlung in der Höhe von 500 Euro zu tätigen. Dies wurde den Mitarbeitern im April mitgeteilt“.

Weiters weist Austrian Airlines zurück, dass Flugbegleiter nur bis maximal der 70 im Kollektivvertrag inkludierten Flugstunden eingesetzt werden würden und so keine Möglichkeit des Aufstocken des Monatslohns bestehen würde. Eine Sprecherin dazu: „Im Sommer werden die Flugbegleiter mit Mehrflugstunden geplant. Im Vergleich zu Low Costern gibt es bei Austrian unterschiedliche Gehaltsstufen und aufgrund des Kollektivvertrages erhalten unsere Mitarbeiter beispielsweise auch während der schwächeren Wintermonate, bei Krankheit oder Urlaub ihr normales Gehalt. Wie du weißt, haben wir erst kürzlich 150 neue Flugbegleiter aufgenommen. Es haben sich viele von Low Cost Airlines bei Austrian beworben und sind positiv überrascht (u.a. auch über die Ausgabe von kostenlosen iPads als Arbeitsmittel)“.

Kabine Embraer 195 (Foto: Jan Gruber).

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Die Gewerkschaft Vida und der Betriebsrat haben vor einigen Wochen öffentlich erklärt, dass sie der Ansicht sind, dass der Krisen-KV nochmals aufgeschnürt werden müsse. Dieser würde die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten, die insbesondere durch den Krieg in der Ukraine verursacht wurden, nicht widerspiegeln. Austrian Airlines reagiert zwar mit einer Einmalzahlung in der Höhe von 500 Euro, jedoch ist das den Arbeitnehmervertretern zu wenig.

Zum Zeitpunkt des KV-Abschlusses sind alle Involvierten davon ausgegangen, dass sich die Erholung der Branche noch viele Jahre hinziehen wird. Mit der starken Nachfrage im Sommer 2022 hatte wohl niemand gerechnet. Somit sind die Einnahmen der Austrian Airlines wieder auf dem Niveau, das man vor der Pandemie hatte, jedoch sind die Löhne gekürzt, was Arbeitnehmervertreter verständlicherweise ungerecht finden.

Das Kernproblem für viele AUA-Mitarbeiter ist aber, dass im Alltag die Kosten massiv gestiegen sind und derzeit nicht absehbar ist, ob es überhaupt eine Art „Preisbremse“ geben wird. Besonders Lebensmittel, Treibstoffe und Energie wie Strom und Gas sind empfindlich teurer geworden. Die AUA-Bezüge sind aber gekürzt, so dass sich eine Schere immer weiter öffnet, die so mancher junger Flugbegleiter langsam nicht mehr stemmen kann. Die Hilfen der Regierung sind angekündigt, jedoch typisch Österreich: Das Geld soll erst im Herbst fließen, aber finanzielle Engpässe sind jetzt da.

Gewerkschaft und die Betriebsräte der Austrian Airlines befinden sich derzeit in Gesprächen, die dazu führen sollen, dass eine Art „Inflationsanpassung“ der Gehälter vollbracht wird. Wie diese aussehen wird, ist noch völlig unklar. Die Gespräche befinden sich in einem frühen Status, jedoch ist zu hören, dass die AUA-Geschäftsführung sich nicht querlegen wird, sondern bereit ist ihre Mitarbeiter entsprechend zu unterstützen. Eine kurzfristige Lösung wird die Einmalzahlung sein und mittelfristig kommt es im Idealfall zu einer Anpassung der monatlichen Bezüge. Einen Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht, denn die Gespräche zwischen den Vertretern von Arbeitgeber und Arbeitnehmern laufen noch.

1 Comment

  • YankeeZuu1 , 19. Juni 2022 @ 08:28

    wer er Kabinenpersonal spart…spart vllt am falschen Ende. Zu diesen Konditionen noch gutes und langfristig planendes Personal zu kriegen, ist schwierig mit Tendenz zu unmöglich.

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  • YankeeZuu1 , 19. Juni 2022 @ 08:28

    wer er Kabinenpersonal spart…spart vllt am falschen Ende. Zu diesen Konditionen noch gutes und langfristig planendes Personal zu kriegen, ist schwierig mit Tendenz zu unmöglich.

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