Die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines hat eine neue saisonale Flugverbindung auf die Azoren eingerichtet. Bis Anfang September bedient die Lufthansa-Tochter einmal wöchentlich, jeweils am Dienstag, die Strecke zwischen Wien und der Stadt Ponta Delgada auf der portugiesischen Insel São Miguel.
Zum Einsatz kommt auf dieser Route ein Schmalrumpfflugzeug des Typs Airbus A320neo. Mit einer Flugdistanz von rund 3.770 Kilometern und einer veranschlagten Flugzeit von knapp über fünf Stunden handelt es sich hierbei um die gegenwärtig längste Strecke im kontinentalen Streckennetz des Luftfahrtunternehmens. Sie reiht sich ein in andere atlantische Langstrecken der A320-Flotte wie Funchal auf Madeira sowie Ziele auf den Kanarischen Inseln.
Aus fliegerischer und logistischer Sicht stellt die Route über den Nordatlantik erhöhte Anforderungen an die Flugvorbereitung. Da die Destination zu den längsten regulären Einsätzen eines Airbus A320neo innerhalb des gesamten Lufthansa-Konzerns gehört, müssen die Treibstoffkalkulation, die Routenführung und die Festlegung potenzieller Ausweichflughäfen präzise geplant werden. Aufgrund der isolierten Lage des Archipels im offenen Ozean und den dort häufig schnell wechselnden Wetterbedingungen greift die Fluggesellschaft bei der operativen Vorbereitung auf Erfahrungen zurück, die bei klassischen Transatlantikflügen gesammelt wurden. Zudem fand im Vorfeld ein operativer Informationsaustausch mit den Schwestergesellschaften Eurowings und Edelweiss statt, die die portugiesische Inselgruppe bereits von anderen Drehkreuzen aus anfliegen.
Branchenanalysten betrachten die Aufnahme dieser Verbindung als Versuch, das Angebot im Segment des anspruchsvollen Freizeittourismus abseits der klassischen Mittelmeer-Destinationen auszuweiten. Die Azoren gelten als Zielgebiet für den Aktivtourismus, das jedoch stark von saisonalen Schwankungen geprägt ist und im Gegensatz zu etablierten Urlaubsregionen keine stabilen Ganzjahreserträge garantiert. Der Erfolg der Verbindung hängt maßgeblich davon ab, ob Austrian Airlines auf der Punkt-zu-Punkt-Strecke ohne nennenswerten Geschäftsreiseverkehr eine ausreichend hohe Sitzladequote und stabile Durchschnittserlöse erzielen kann, um die verhältnismäßig hohen Betriebskosten der fünfstündigen Flüge dauerhaft zu decken.
Kritische Marktbeobachter geben zudem zu bedenken, dass der Einsatz von Schmalrumpfflugzeugen auf Strecken dieser Länge an die Komfortgrenzen für Passagiere stößt. Während auf Interkontinentalflügen meist Großraumflugzeuge mit mehr Bewegungsfreiheit und umfassenderen Kabinensystemen eingesetzt werden, bietet der A320neo die Standardkonfiguration des europäischen Regionalverkehrs. Angesichts des intensiven Wettbewerbs im europäischen Luftraum und des wachsenden Drucks auf die Ticketpreise müssen Fluglinien zunehmend austarieren, wie viele lange Nischenstrecken mit kleineren Flugzeugtypen wirtschaftlich betrieben werden können, bevor operative Engpässe bei der Flottenrotation entstehen.