Die Einführung einer pauschalen EU-Zollabgabe von drei Euro auf Kleinsendungen im Online-Handel zum 1. Juli 2026 hat zu spürbaren Anpassungen bei den Importströmen am Flughafen Lüttich geführt.
Im ersten Monat nach Inkrafttreten der Regulierungsmaßnahme ging das Volumen der E-Commerce-Pakete in der Zollzone Liège Bierset im Vergleich zum Juli 2025 um 24 Prozent zurück. Gegenüber dem Vormonat Juni 2026 fiel das Aufkommen sogar um 41 Prozent. Noch deutlicher war die Entwicklung bei den Zolldeklarationen für Warensendungen mit einem Wert von unter 150 Euro: Hier verzeichnete die Zollbehörde einen Einbruch um 67 Prozent im Vergleich zum Juni 2026 sowie um 52 Prozent im Vorjahresvergleich.
Trotz des Einbruchs im Segment der preiswerten Direktimporte zeigt der belgische Frachtflughafen Ausweichbewegungen im Markt. Nach Angaben aus Zollkreisen stieg das Frachtaufkommen von Paketen mit einem Warenwert von über 150 Euro im selben Zeitraum um zehn Prozent an. Dies verdeutlicht, dass Logistikunternehmen ihre Frachtstrukturen kurzfristig auf höherwertige Güter umstellen. Parallel dazu stieg das insgesamt umgeschlagene Tonnagevolumen am Flughafen Lüttich im Juli 2026 um vier Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, obwohl die Zahl der reinen Frachtflugbewegungen im gleichen Zeitraum um vier Prozent sank. Dieser Effekt weist auf eine veränderte Auslastung der eingesetzten Transportflugzeuge hin.
Die Zunahme der Frachttonnage stützt sich vor allem auf traditionelle Luftfrachtsegmente wie pharmazeutische Produkte, Ausrüstungsgüter für Rechenzentren sowie den Transport von Schnittblumen. Als reines Frachtdrehkreuz profitiert der Standort Lüttich von spezialisierten Abfertigungskapazitäten und Infrastrukturen für temperaturgeführte Transporte. Um die Auswirkungen der geänderten EU-Rahmenbedingungen auf den grenzüberschreitenden Online-Handel zu erörtern, veranstalten der Flughafen Lüttich und die Wallonische Exportagentur AWEX vom 8. bis 10. September 2026 das europäische Forum für grenzüberschreitenden E-Commerce im Palais des Congrès in Lüttich.
Branchenanalysten werten den Rückgang der Kleinsendungen als direkte Folge der EU-Handelspolitik, die darauf abzielt, den unregulierten Import billiger Konsumgüter aus Drittstaaten systematisch einzudämmen. Während die neue Abgabe den Verwaltungsaufwand für Logistikkonzerne erhöht, zeigt die Tonnageentwicklung in Lüttich, dass breiter aufgestellte Frachtflughäfen solche Nachfrageverschiebungen durch temperaturgeführte und hochwertige Industriegüter abfedern können. Die langfristige Entwicklung des Frachtstandorts wird jedoch davon abhängen, wie dauerhaft sich die Warenströme im europäischen E-Commerce neu sortieren.