Die Regionalregierung der autonomen portugiesischen Region Azoren hat das offizielle Vergabeverfahren für die Durchführung des öffentlichen Flugverkehrs zwischen den neun Inseln des Atlantik-Archipels eingeleitet. Für die Vertragslaufzeit von 2027 bis 2031 sieht die Ausschreibung ein finanzielles Gesamtvolumen von rund 250 Millionen Euro vor.
Wie aus der entsprechenden Publikation im portugiesischen Amtsblatt hervorgeht, wurde der exakte Basiswert des Verfahrens auf 249,75 Millionen Euro festgesetzt. Das im Rahmen von gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen (Public Service Obligations) organisierte Netz sichert die Grundversorgung und die verkehrstechnische Anbindung der rund 240.000 Einwohner des Archipels an das portugiesische Festland sowie untereinander.
Der neue Fünfjahresvertrag bedeutet eine massive finanzielle Aufstockung der staatlichen Subventionen für den regionalen Luftverkehr. Der noch laufende Kontrakt, der im September 2021 mit der regionalen Fluggesellschaft SATA Air Açores geschlossen wurde, war mit einem Budget von 140 Millionen Euro dotiert. Angesichts gestiegener Betriebskosten, Inflation und höherer Anforderungen an die Flugfrequenzen wurde das Budget für die kommende Periode um fast 80 Prozent angehoben. Der aktuelle Vertrag läuft vertragsgemäß am 31. Oktober 2026 aus, weshalb die Neuausschreibung rechtzeitig gestartet wurde, um eine lückenlose Fortführung des Flugbetriebs ab dem 1. November 2026 zu gewährleisten.
Der innerinsulare Flugverkehr auf den Azoren unterliegt aufgrund des schwierigen Wetters im Nordatlantik und der kurzen Landebahnen auf Inseln wie Corvo oder São Jorge besonderen flugbetrieblichen Herausforderungen. SATA Air Açores bedient das Streckennetz gegenwärtig mit einer Flotte von Turboprop-Maschinen der Typen Dash 8-Q200 und Dash 8-Q400. Die Ausschreibung steht prinzipiell europäischen Fluggesellschaften offen, allerdings gilt die staatseigene SATA aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, der vorhandenen Infrastruktur vor Ort und der speziell geschulten Besatzungen als Favorit für den erneuten Zuschlag. Die Regionalregierung knüpft die Vergabe an strikte Auflagen bezüglich der Ticketpreise für Einheimische sowie an garantierte Mindestkapazitäten für den Fracht- und Postverkehr.
Die Neuvergabe des Flugverkehrs fällt in eine Phase der wirtschaftlichen Restrukturierung der gesamten SATA-Gruppe, zu der auch die für internationale Flüge zuständige Azores Airlines gehört. Der politische Druck auf die Regionalgesellschaft ist hoch, da der Tourismus und die lokale Wirtschaft maßgeblich von verlässlichen Flugverbindungen abhängen. In den kommenden Monaten werden die eingegangenen Angebote der Bieter durch eine unabhängige Vergabekommission geprüft, bevor die Regionalregierung in Ponta Delgada die finale Entscheidung über die Konzessionsvergabe für die Jahre 2027 bis 2031 verkündet.