Das Bundesland Baden-Württemberg rückt im Jahr 2026 seine unterschiedlichsten Facetten unter dem Leitmotiv der Sehnsuchtsorte in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg nutzt dabei die Urlaubsmesse CMT in Stuttgart als zentrale Plattform, um die Bandbreite von historischer Architektur über urbane Wahrzeichen bis hin zu ländlichen Rückzugsorten vorzustellen. Ziel der Kampagne ist es, die individuelle emotionale Bindung von Besuchern an bestimmte Orte zu stärken und gleichzeitig neue Zielgruppen für die verschiedenen Regionen zwischen Main und Bodensee zu erschließen. Dabei spielen sowohl langjährige Jubiläen bedeutender Bauwerke als auch Nischenangebote wie die Erkundung ehemaliger Industriestätten eine wesentliche Rolle in der touristischen Vermarktung.
Die touristische Erschließung des Südwestens stützt sich in diesem Jahr auf eine psychologische Komponente. Wie die Geschäftsführerin der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, Christine Schönhuber, erläuterte, wird der Begriff des Sehnsuchtsortes bewusst breit gefasst. Es gehe nicht allein um klassische Sehenswürdigkeiten, sondern um Orte, die persönliche Erinnerungen wecken oder einen besonderen Kontrast zum Alltag bieten. Diese Strategie spiegelt einen allgemeinen Trend in der Reisebranche wider, bei dem die Einzigartigkeit des Erlebnisses und die lokale Authentizität gegenüber dem Massentourismus an Bedeutung gewinnen.
Ein zentrales Symbol dieser Kampagne ist der Stuttgarter Fernsehturm, der im Jahr 2026 sein 70. Jubiläum feiert. Als weltweit erster Turm seiner Art, der aus Stahlbeton errichtet wurde, gilt er als Pionierleistung der Ingenieurskunst und prägt seit 1956 die Silhouette der Landeshauptstadt. Für die Tourismusstrategie des Landes fungiert das Bauwerk sowohl als technisches Denkmal als auch als emotionaler Ankerpunkt. Die historische Relevanz solcher Bauwerke wird durch die Kombination mit modernen Nutzungsformen ergänzt, wodurch architektonisch interessierte Reisende ebenso angesprochen werden wie Tagestouristen, die den Blick über das Neckartal suchen.
Neben den urbanen Zentren setzt das Land verstärkt auf die Vermarktung seiner ländlichen Räume. Das württembergische Allgäu sowie die Regionen rund um den Bodensee werden als Orte der Entschleunigung positioniert. Hierbei gewinnen alternative Beherbergungsformen wie das Glamping an Bedeutung, das den Komfort eines Hotels mit der Nähe zur Natur verbindet. Diese Angebote richten sich an eine Klientel, die einerseits die Abgeschiedenheit sucht, andererseits aber nicht auf eine hochwertige Infrastruktur verzichten möchte. Die Verknüpfung von regionaler Landwirtschaft und Gastronomie spielt dabei eine unterstützende Rolle, um das Image einer herzlichen Gastgeberschaft zu festigen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kulturellen Identität der verschiedenen Teilregionen. Die Oberschwäbische Barockstraße feiert im Jahr 2026 ihr 60. Bestehen. Diese Ferienstraße, die sich über rund 860 Kilometer erstreckt, verbindet zahlreiche Klöster, Schlösser und Kirchen, die als Zeugnisse einer prunkvollen Epoche gelten. Die Jubiläumsfeierlichkeiten sollen dazu dienen, das Bewusstsein für das barocke Erbe zu schärfen und die Region als Ziel für Bildungs- und Kulturreisen weiter zu etablieren. Ergänzt wird dieses Angebot durch historische Gartenanlagen wie die des Schlosses Weikersheim, die als Beispiele für die Gartenkunst vergangener Jahrhunderte dienen.
Für die jüngere Zielgruppe und Familien setzt Baden-Württemberg auf die Inszenierung sagenumwobener Landschaften. Der Schwarzwald wird hierbei als Kulisse für Erzählungen und Märchen genutzt, was die touristische Attraktivität für Familien mit Kindern erhöhen soll. Die Verknüpfung von Landschaftserlebnis und literarischen Stoffen bietet die Möglichkeit, Wanderungen und Ausflüge didaktisch aufzubereiten. Gleichzeitig wird der Trend zu Lost Places aufgegriffen, also verlassenen Orten mit historischem Hintergrund, die insbesondere für Fotografie-Interessierte und Geschichtsforscher einen hohen Reiz ausüben.
Im Bereich des Aktivtourismus werden zunehmend Angebote geschaffen, die über das klassische Wandern oder Radfahren hinausgehen. Die freiwillige Mitarbeit in Weinbergen, wie sie im Markgräflerland praktiziert wird, ermöglicht es Besuchern, einen direkten Einblick in die regionale Arbeitswelt zu erhalten und in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung zu treten. Diese Form des Mitmach-Tourismus fördert den Austausch zwischen Gästen und Gastgebern und schafft ein tieferes Verständnis für die Traditionen der Weinbauregionen. Auch geologische Besonderheiten wie die Laichinger Tiefenhöhle auf der Schwäbischen Alb oder der Lembergturm im Donaubergland werden als Ziele für Abenteuersuchende beworben.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Baden-Württemberg ist erheblich. Mit über 50 Millionen Übernachtungen pro Jahr gehört das Land zu den führenden Reisezielen in Deutschland. Die Diversifizierung des Angebots ist daher eine notwendige Maßnahme, um im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die Konzentration auf Themenjahre erlaubt es der Marketinggesellschaft, gezielte Schwerpunkte zu setzen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen regionalen Tourismusverbänden zu koordinieren. Die Messe CMT in Stuttgart bietet hierfür den idealen Rahmen, um die Neuheiten des Jahres einem breiten Publikum sowie Fachbesuchern vorzustellen.
Insgesamt zeigt sich, dass Baden-Württemberg im Jahr 2026 verstärkt auf eine Mischung aus bewährten Klassikern und innovativen Nischen setzt. Die Strategie, Orte durch emotionale Zuschreibungen als Sehnsuchtsorte aufzuwerten, zielt darauf ab, die Aufenthaltsdauer der Gäste zu verlängern und die regionale Wertschöpfung zu steigern. Ob durch die Feier technischer Jubiläen, die Pflege kultureller Routen oder die Erschließung unterirdischer Naturschauspiele – das Land versucht, seine Vielseitigkeit als zentrales Verkaufsargument zu nutzen.