Airbus A321 (Foto: LN9267).
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Bamboo Airways stoppt Ticketverkauf für Inlandsflüge

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Die vietnamesische Fluggesellschaft Bamboo Airways hat ihren regulären Linienflugbetrieb weitgehend eingestellt und verkauft seit dem 1. August 2026 keine Einzeltickets mehr für wichtige heimische Strecken. Auf den Hauptverbindungen des Landes, darunter die Trassen zwischen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi, Hanoi und Da Nang sowie Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang, melden die Buchungssysteme der Gesellschaft keine verfügbaren Flüge mehr.

Die Flotte des Unternehmens, die in Spitzenzeiten bis zu 44 Flugzeuge umfasste, ist auf lediglich drei Maschinen geschrumpft. Nach Branchenberichten befindet sich davon aktuell nur noch ein einziges Flugzeug im aktiven Flugdienst. Bei dieser verbliebenen Maschine handelt es sich um einen Airbus A321-200 mit dem Kennzeichen VN-A227, der primär für einzelne Charterverbindungen eingesetzt wird. Über den 22. August 2026 hinaus hat das Unternehmen bislang keinen operativen Flugplan veröffentlicht. Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund massiver finanzieller Altlasten, juristischer Verflechtungen der ehemaligen Muttergesellschaft sowie anhaltender Beschwerden von Passagieren und Reisebüros über ausstehende Rückerstattungen.

Charterbetrieb als vorübergehendes Restgeschäft

Der derzeitige Flugbetrieb von Bamboo Airways beschränkt sich im Wesentlichen auf vertraglich vereinbarte Gruppenreisen. Der verbliebene Airbus A321-200 wird hauptsächlich auf einer Charterroute zwischen dem internationalen Flughafen Da Nang und dem internationalen Flughafen Macau eingesetzt. Diese Flüge führt die Fluggesellschaft im Auftrag eines Reiseunternehmens durch, das das gesamte Flugzeug für Reisegruppen anmietet.

Nach der Durchführung des Fluges QH9588 von Da Nang nach Macau am 1. August 2026 ist ein weiterer Hin- und Rückflug für den 20. August 2026 terminiert. Die voraussichtlich letzte Rotation auf dieser Strecke, ein Flug von Da Nang nach Hanoi, soll am 22. August 2026 stattfinden. Für den Zeitraum nach diesem Datum liegen derzeit keine Informationen über weitere Flugbewegungen oder eine Wiederaufnahme des Linienverkehrs vor.

Finanzielle Belastungen und Verzögerungen bei Ticketrückerstattungen

Parallel zur Reduzierung des Flugangebots sieht sich Bamboo Airways mit einer Welle von Beschwerden konfrontiert. Das Unternehmen entschuldigte sich öffentlich bei den betroffenen Passagieren und bestätigte, dass Anträge auf Ticketrückerstattungen bearbeitet werden. Aufgrund des hohen Aufkommens an Anfragen käme es im Kundenservice jedoch zu längeren Wartezeiten.

Die aktuellen Rückerstattungsrichtlinien der Fluggesellschaft sehen vor, dass Direktbuchungen über die Website, die Anwendung oder eigene Ticketbüros innerhalb von 7 bis 14 Werktagen in Form von elektronischen Gutscheinen erstattet werden können. Anträge auf Barauszahlung, die per E-Mail eingereicht werden, können nach Eingang aller erforderlichen Unterlagen bis zu 90 Werktage in Anspruch nehmen. Passagiere, die ihre Tickets über Drittanbieter gebucht haben, wurden an die jeweiligen Reisebüros verwiesen. Mehrere Agenturen berichteten wiederum, dass sie Kautionen in Höhe von mehreren Milliarden Vietnamesischen Dong bei der Fluggesellschaft halten, ohne klare Informationen über den Verbleib dieser Gelder oder eine Rückzahlung zu erhalten. Zudem gestalten sich Kontaktversuche mit der Fluggesellschaft zunehmend schwierig.

Bereits vor dem Aussetzen des Ticketverkaufs wies der Flugbetrieb operative Schwächen auf. Nach Angaben der vietnamesischen Zivilluftfahrtbehörde absolvierte Bamboo Airways im Juni 2026 insgesamt 725 Flüge. Davon waren 241 Flugeinheiten verspätet, was einer Quote von rund 33 Prozent entspricht. Damit wies das Unternehmen eine der schlechtesten Pünktlichkeitswerte im vietnamesischen Markt auf.

Unternehmensentwicklung von der Gründung bis zur Restrukturierung

Bamboo Airways wurde im Jahr 2017 gegründet und nahm am 16. Januar 2019 den kommerziellen Flugbetrieb auf. Die Hauptbasen befanden sich an den Flughäfen Noi Bai in Hanoi, Tan Son Nhat in Ho-Chi-Minh-Stadt sowie Phu Cat in Quy Nhon. Das Geschäftsmodell war als Kombination aus günstigen Ticketpreisen und Serviceleistungen traditioneller Netzwerkträger angelegt.

In der Phase der größten Netzausdehnung verfügte die Fluggesellschaft über 44 Flugzeuge der Typen Airbus A319, A320 und A321 sowie Langstreckenflugzeuge vom Typ Boeing 787-9 Dreamliner. Das Streckennetz umfasste 20 inländische und 18 internationale Zielorte, darunter Langstreckenverbindungen nach Melbourne, Sydney, Frankfurt am Main sowie zu den Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow. Im Zuge des wirtschaftlichen Niedergangs wurden sämtliche Langstrecken- und Auslandsverbindungen schrittweise eingestellt.

Die Ursachen der Krise gehen im Wesentlichen auf das Jahr 2022 zurück, als die damalige Muttergesellschaft FLC Group in finanzielle Schieflagen geriet und der Gründer von Bamboo Airways, der Geschäftsmann Trinh Van Quyet, wegen Betrugsvorwürfen festgenommen wurde. Bis zum Juli 2025 bezifferten Wirtschaftsprüfer die unbeglichenen Schulden der Fluggesellschaft auf rund 350 Millionen US-Dollar. Dies führte dazu, dass Leasinggesellschaften Flugzeuge zurückforderten, während Steuerbehörden Nachforderungen in Höhe von 16,8 Millionen US-Dollar geltend machten. Nach einer vorübergehenden Trennung von der FLC Group im Jahr 2023 kehrte die Fluggesellschaft im September 2025 wieder unter das Management der Gruppe zurück.

Entwicklung des vietnamesischen Luftverkehrsmarktes

Die Insolvenzgefahr bei Bamboo Airways steht im Kontrast zur allgemeinen Entwicklung der Luftfahrtbranche in Vietnam. Der Markt verzeichnet eine kontinuierliche Ausweitung des Passagieraufkommens. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 beförderten die vietnamesischen Fluggesellschaften nach Daten der Zivilluftfahrtbehörde 45,49 Millionen Passagiere, was einem Zuwachs von 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Der Inlands- und Regionalmarkt wird im Wesentlichen von Vietjet Air mit einer Flotte von 107 Flugzeugen und der staatlichen Vietnam Airlines mit 97 Maschinen dominiert. Gleichzeitig expandieren neuere Marktteilnehmer wie Sun PhuQuoc Airways. Branchenanalysten gehen davon aus, dass der Sektor wieder die Wachstumsraten aus der Zeit vor der Pandemie erreicht, gestützt durch eine erwartete Zahl von 24 Millionen internationalen Besuchern im Gesamtjahr 2026.

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