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Bangladesch reagiert auf indisches Transshipment-Verbot: Chittagong und Sylhet geplant für Cargo offen

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Die Zivilluftfahrtbehörde von Bangladesch (CAAB) hat offiziell angekündigt, internationale Luftfrachtflüge von den Flughäfen Chittagong und Sylhet zuzulassen. Diese Entscheidung erfolgt als direkte Reaktion auf das von Indien Anfang April verhängte Verbot für den Weitertransport bangladeschischer Exportgüter über indisches Territorium.

Mit der Öffnung zusätzlicher Flughäfen für den internationalen Frachtverkehr möchte Bangladesch die bestehenden Kapazitätsengpässe am Hauptstadtflughafen Dhaka entschärfen und seine Abhängigkeit vom indischen Logistiknetz verringern.

Hintergrund: Indiens Rückzug aus dem Abkommen

Seit dem Jahr 2020, inmitten der ersten Welle der weltweiten Pandemie, hatten indische Behörden den Exporteuren Bangladeschs temporäre Transitmöglichkeiten über indische Flughäfen wie Kolkata oder Delhi eingeräumt. Viele Unternehmen nutzten diese Option intensiv, da sie logistisch günstiger war: kürzere Transportwege, niedrigere Treibstoffkosten sowie geringere Abfertigungsgebühren. Besonders der für Bangladesch wirtschaftlich zentrale Textilsektor profitierte von dieser Regelung.

Das plötzliche Ende dieses Arrangements, das im April 2025 durch indische Behörden ohne Vorankündigung vollzogen wurde, stellt die Exporteure des Landes nun vor grosse Herausforderungen. Schätzungen lokaler Industrieverbände zufolge wurden bislang bis zu 20 Prozent aller Textil- und Bekleidungsexporte über indische Routen abgewickelt. Der plötzliche Wegfall dieser Transitrouten droht, wichtige Einnahmequellen zum Erliegen zu bringen.

Überlastung in Dhaka wird zur nationalen Herausforderung

Der internationale Flughafen Hazrat Shahjalal in Dhaka, Bangladeschs Haupttor zur Welt, ist bereits seit Jahren stark überlastet. Bei einer ausgelegten Kapazität von rund 300 Tonnen täglichem Frachtvolumen, werden laut offiziellen Angaben derzeit im Schnitt mehr als 800 Tonnen umgeschlagen – in der Hochsaison sogar über 1.200 Tonnen. Diese Überbeanspruchung führt zu Verzögerungen, Engpässen bei der Zollabfertigung und erhöhten Lagerkosten für Unternehmen.

Hinzu kommen vergleichsweise hohe Gebühren. Während in Indien teils nur fünf Cent pro Kilogramm Fracht für die Abfertigung anfallen, liegt dieser Satz in Dhaka bei rund 29 Cent. Diese Differenz mindert die Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Exporteure auf den internationalen Märkten erheblich.

Erweiterung des Frachtverkehrs auf regionale Flughäfen

Die Öffnung der Flughäfen Sylhet und Chittagong für internationale Luftfracht stellt nun eine strategisch wichtige Weichenstellung dar. Wie CAAB-Vorsitzender Monjur Kabir Bhuiyan bestätigte, soll der Flughafen Sylhet bereits ab dem 27. April 2025 für internationale Frachtflüge freigegeben werden. Chittagong – als wirtschaftlich zweitwichtigste Stadt des Landes – wird kurz darauf folgen.

Diese Massnahme soll nicht nur die Engpässe in Dhaka mildern, sondern auch die Exportabwicklung regional entzerren. Besonders Unternehmen im Nordosten und Südosten des Landes könnten davon profitieren, da sie künftig schneller und direkter ihre Waren auf internationale Märkte befördern können. Die logistischen Vorteile könnten sich dabei auch positiv auf die Exportpreise auswirken.

Bauliche und strukturelle Modernisierung geplant

Parallel zur geographischen Erweiterung des Frachtverkehrs kündigte die Regierung umfassende Ausbaumaßnahmen am Hauptstadtflughafen Dhaka an. Noch vor Ende des Jahres 2025 soll dort ein neuer Terminal in Betrieb gehen, dessen Kapazität auf eine halbe Million Tonnen Fracht jährlich ausgelegt ist – mehr als das Doppelte der derzeitigen Nennleistung. Auch für die Passagierabwicklung sind erhebliche Erweiterungen vorgesehen.

Ein zentrales Ziel dieser Infrastrukturmassnahme ist die Verkürzung der Abfertigungszeiten für Frachtsendungen. Zusätzlich sollen moderne Lagerhallen, automatisierte Zollanlagen sowie digitalisierte Logistiksysteme eingerichtet werden. Dabei wird besonders auf die Verbesserung der temperaturkontrollierten Lagerung geachtet, um den Export empfindlicher Waren wie Fisch, Fleisch und pharmazeutischer Produkte sicherzustellen.

Spannungen mit Indien nehmen zu

Die jüngsten Entwicklungen werfen auch ein Schlaglicht auf die sich wandelnden geopolitischen Beziehungen zwischen Bangladesch und Indien. Beobachter sehen in dem indischen Rückzug aus dem Transitabkommen ein Indiz für zunehmende Spannungen seit dem Regierungswechsel in Dhaka im August 2024. In Regierungskreisen Indiens wird offiziell auf logistische Überlastung verwiesen, jedoch wird in der bangladeschischen Öffentlichkeit vielfach vermutet, dass politische Beweggründe den Ausschlag gaben.

Die Aussetzung der Transitregelung wird in Bangladesch als unfreundlicher Akt gewertet, der das Prinzip gegenseitiger Nachbarschaftshilfe in Frage stellt. Handelskammern und Exportverbände rufen die Regierung in Dhaka dazu auf, alternative Bündnisse zu stärken – etwa mit China oder den Staaten Südostasiens –, um langfristige Unabhängigkeit von indischen Transitkorridoren zu erreichen.

Reaktionen aus der Wirtschaft

Die Entscheidung der CAAB, Frachtflüge auf neue Flughäfen auszuweiten, wurde von zahlreichen Unternehmensverbänden und Logistikdienstleistern begrüsst. Der Verband der Textil- und Bekleidungsexporteure (BGMEA) erklärte, die Massnahme sei „überfällig“ gewesen und könne helfen, die Verluste durch das indische Transshipment-Verbot teilweise zu kompensieren. Auch ausländische Logistikunternehmen zeigten sich interessiert, künftig Sylhet oder Chittagong in ihre Routenplanung einzubeziehen.

Zugleich warnen Experten jedoch davor, die strukturellen Probleme des Landes zu unterschätzen. Der Ausbau der Infrastruktur allein reiche nicht aus. Es bedürfe auch erheblicher Investitionen in Personal, Ausbildung, digitale Prozesse sowie klarer rechtlicher Rahmenbedingungen für Frachtoperationen, um einen reibungslosen internationalen Betrieb sicherzustellen.

Mit der Öffnung von Sylhet und Chittagong für internationale Luftfracht positioniert sich Bangladesch als flexiblerer Akteur im regionalen Exportgeschehen. Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit diese Strategie geeignet ist, das durch Indiens politische Kursänderung entstandene Vakuum zu füllen. Sollte es gelingen, eine stabile und effiziente Frachtabwicklung über mehrere Flughäfen hinweg zu etablieren, könnte Bangladesch mittel- bis langfristig gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen.

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