Das österreichische Eisenbahnverkehrsunternehmen Westbahn hat Anpassungen an seinen digitalen Buchungskanälen vorgenommen, um die Buchung von Bahnreisen für Menschen mit Behinderungen zu vereinfachen.
In Abstimmung mit der Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen, Christine Steger, wurde die Online-Buchung auf der Website sowie in der mobilen Anwendung überarbeitet. Begleitpersonen von Fahrgästen mit entsprechendem Behindertenpass können nun direkt im regulären Buchungsablauf hinzugefügt werden, wodurch Fahrscheinerwerb und Sitzplatzreservierung in einem Prozess gebündelt werden.
Ergänzend dazu wurden die Webinhalte und das Shopsystem nach Vorgaben für digitale Barrierefreiheit optimiert. Sämtliche Buchungsschritte und Informationen sind für die Nutzung mit Screenreadern ausgelegt, um Sehbeeinträchtigten eine eigenständige Abwicklung zu ermöglichen. Das Verkehrsunternehmen bietet bereits bauliche Merkmale wie niveaufreie Einstiege, rollstuhlgerechte Sanitäranlagen sowie kostenfreie Reservierungen für Rollstuhlstellplätze und Begleitpersonen an. Fahrgäste mit einem Klimaticket Ö Spezial erhalten zudem die Möglichkeit, gemeinsam mit einer Begleitperson in der zweithöchsten Serviceklasse zu reisen.
Schiene und digitaler Vertrieb stehen im österreichischen Personenverkehr im Wettbewerb mit den ÖBB, weshalb niederschwellige Buchungs- und Serviceangebote einen wichtigen Faktor für die Kundengewinnung darstellen. Vertreter von Behindertenverbänden betonen regelmäßig, dass technische und organisatorische Schnittstellen im öffentlichen Verkehr häufig Hürden aufweisen, die eine spürbare Barrierefreiheit im Alltag erschweren. Die Vereinfachung digitaler Buchungsprozesse gilt daher als notwendiger Schritt, um gesetzliche Vorgaben zur Gleichstellung im Verkehrssektor umzusetzen.
Trotz der Neuerungen im Buchungssystem verweisen Verbraucherschützer darauf, dass die operative Barrierefreiheit im Bahnverkehr stark von der Verlässlichkeit der Infrastruktur an den Bahnhöfen abhängt. Ausfälle von Aufzügen, Bahnsteigkanten ohne stufenlosen Zugang oder technische Defekte an Boarding-Rampen stellen im Alltag nach wie vor Herausforderungen dar. Der dauerhafte Nutzen digitaler Erleichterungen entfaltet sich für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste somit erst in Kombination mit einer durchgängig funktionierenden Bahnhofs- und Zuginfrastruktur.