Die niederländische Fluggesellschaft KLM und das Energieunternehmen SkyNRG haben im Chemiepark der nordniederländischen Hafenstadt Delfzijl offiziell mit dem Bau der ersten spezialisierten Produktionsstätte für synthetische und alternative Flugkraftstoffe (SAF) begonnen.
Das Großprojekt, das unter der Bezeichnung DSL-01 firmiert, hat nach der Sicherung der Gesamtfinanzierung und aller behördlichen Genehmigungen die Entwicklungsphase verlassen und befindet sich nun in der baulichen Umsetzung. Die Inbetriebnahme und der anschließende Start der regulären Produktion sind für Mitte des Jahres 2028 geplant. Das Projekt gilt als wichtiger Schritt zur Etablierung einer industriellen Versorgungskette für alternative Kraftstoffe im europäischen Luftverkehrsraum.
Für die Errichtung der Industrieanlage wurde das internationale Anlagenbauunternehmen Technip Energies mit einem umfassenden EPCC-Auftrag (Engineering, Procurement, Construction and Commissioning) betrieben. Das technologische Verfahren basiert auf dem sogenannten HEFA-Prozess (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids), bei dem organische Reststoffe und Fette zu flugtauglichem Kraftstoff verarbeitet werden. Die strategische Lage im Hafen von Delfzijl nahe der deutschen Grenze bietet dabei optimale logistische Voraussetzungen für den Antransport der Rohstoffe sowie den Weitertransport des fertigen Kerosins per Schiff direkt zum internationalen Großflughafen Amsterdam Schiphol.
Die wirtschaftliche Absicherung des Projekts wird maßgeblich durch eine langfristige Abnahmevereinbarung zwischen den Projektpartnern garantiert. KLM hat sich vertraglich dazu verpflichtet, über einen Zeitraum von 15 Jahren jährlich mindestens 75.000 Tonnen des produzierten Kraftstoffs abzunehmen. Dies entspricht etwa 75 Prozent der prognostizierten Gesamtkapazität der Anlage von 100.000 Tonnen pro Jahr. Mit dieser garantierten Abnahmemenge kann die niederländische Nationalairline nach eigenen Angaben rund zwei Prozent ihres weltweiten Gesamtkraftstoffbedarfs abdecken. Die langfristige Abnahmegarantie der Fluggesellschaft war zudem eine fundamentale Voraussetzung für den finanziellen Projektabschluss mit externen Investoren wie der Macquarie Group.
Der Bau der Anlage erfolgt vor dem Hintergrund strenger regulatorischer Vorgaben in Europa, die ab den kommenden Jahren eine schrittweise Erhöhung der Beimischungsquoten von alternativen Kraftstoffen im Luftverkehr vorschreiben. Die Niederlande streben bis zum Jahr 2030 eine nationale Beimischungsquote von 14 Prozent an, was den Druck auf Fluggesellschaften erhöht, sich frühzeitig Produktionskapazitäten zu sichern. Während SkyNRG bereits Folgeprojekte in Schweden und in den USA plant, dient das Werk in Delfzijl als industrielles Referenzprojekt für die Skalierung von Kraftstofftechnologien abseits klassischer Erdölraffinerien.