Eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit offenbart eine spürbare Eintrübung der Stimmung unter den Piloten der Lufthansa Group.
Zwar gaben rund zwei Drittel der rund 2.700 befragten Cockpitbeschäftigten an, mit ihrer aktuellen beruflichen Situation grundsätzlich zufrieden zu sein, jedoch blickt fast jeder Zweite (47 Prozent) mit Sorge auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. Ein deutliches Warnsignal für die Luftfahrtbranche ist das Empfehlungsverhalten: Nur noch 24 Prozent der Befragten würden den Beruf des Verkehrsflugzeugführers derzeit weiterempfehlen, während zwei Drittel (66 Prozent) explizit davon abraten.
Als Hauptgründe für die Skepsis nennen die Angestellten von Lufthansa Airlines, Lufthansa Cargo, Eurowings und der im April stillgelegten Lufthansa CityLine eine mangelnde Wertschätzung durch die Konzernführung, Defizite bei den Arbeitsbedingungen sowie eine als belastend empfundene Dienstplangestaltung. Zudem belasten fehlende Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Konzernstruktur die Zufriedenheit. Während jüngere Nachwuchskräfte unter 35 Jahren die eigene Perspektive noch überdurchschnittlich positiv bewerten, überwiegt bei den über 45-jährigen Kapitänen und Offizieren der Eindruck einer strukturellen Verschlechterung des Berufsbildes.
In den anstehenden Tarifverhandlungen kristallisiert sich die betriebliche Altersversorgung als das mit Abstand wichtigste Einzelthema für die Belegschaft heraus. Die Gewerkschaftsführung sieht durch die Umfrageergebnisse widerlegt, dass es den Beschäftigten primär um reine Gehaltssteigerungen geht. Stattdessen stehen langfristige Absicherungsfragen und die Beibehaltung etablierter Versorgungsstandards im Vordergrund. Die Sorge vor Kürzungen bei den Betriebsrenten und veränderten Übergangsversorgungen verstärkt die Vorbehalte gegenüber dem Sparkurs des Managements.
Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich eine hohe Konfliktbereitschaft innerhalb der Flugzeugführerschaft. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, einem potenziellen Streikaufruf der Vereinigung Cockpit im Rahmen von Auseinandersetzungen ohne Zögern zu folgen. Zudem befürworten 71 Prozent der Umfrageteilnehmer eine eigenständige Vertretung der Cockpitcrews getrennt von Kabinen- und Bodenpersonal. Für die Konzernführung erschwert diese Geschlossenheit die Verhandlungen über flexible Arbeitszeitmodelle und Kostensenkungsziele bei den Kernmarken.