Die belgische Regierung hat im Rahmen des jüngst verabschiedeten Haushalts eine erneute Erhöhung der Flugticketsteuer beschlossen. Ab 2027 wird die Abgabe für jeden abfliegenden Passagier auf 10 Euro angehoben und soll im Jahr 2029 weiter auf 11 Euro steigen, unabhängig von der Flugdistanz. Dies ist die zweite Erhöhung innerhalb kurzer Zeit; bereits im Sommer des Vorjahres hatte die Regierung die Steuer auf Langstreckenflüge auf 5 Euro erhöht, während Kurzstreckenflüge bei 10 Euro verblieben. Die Maßnahme soll jährliche Einnahmen zwischen 168 und 184 Millionen Euro generieren.
Die Luftfahrtbranche reagierte scharf auf die Ankündigung. Brussels Airlines erklärte, die höhere Steuer nicht absorbieren zu können und sie direkt an die Passagiere weitergeben zu müssen. Sprecher Nico Cardone kritisierte, Belgien bewege sich „gegen den Trend“ in Europa, da Länder wie Italien und Deutschland ihre Flugsteuern reduzieren oder wie Schweden diese komplett abgeschafft hätten. Die Airline erneuerte ihre Forderung nach besseren Hochgeschwindigkeits-Schienenverbindungen zum Flughafen Brüssel, die Kurzstreckenflüge ersetzen könnten, ohne Reisende zusätzlich zu belasten.
Noch deutlicher äußerte sich die Billigfluggesellschaft Ryanair. Sie beschuldigte die belgische Regierung, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu beschädigen. Nach einer bereits erfolgten Steigerung um 150 Prozent im Jahr 2025 führe die erneute Verdoppelung der Steuer dazu, dass Belgien einer der unattraktivsten Luftverkehrsmärkte Europas werde. Jason McGuinness, CCO von Ryanair, warnte davor, dass die wiederholten Steuererhöhungen „Verkehr verdrängen, den Tourismus beschädigen und Arbeitsplätze vernichten“ würden. Ryanair forderte die vollständige Abschaffung der Steuer anstatt einer weiteren Erhöhung.
Der breitere europäische Kontext ist allerdings differenziert: Während die meisten EU-Staaten keine nationale Luftverkehrssteuer erheben, sind lokale Flughafengebühren und Abgaben weit verbreitet. Deutschland plant zwar eine Reduzierung der Steuer im Juli 2026, allerdings ohne Verpflichtung der Airlines, die Einsparungen an die Kunden weiterzugeben. In Italien gelten weiterhin kommunale Passagiergebühren. Die Airlines befürchten, dass die steigenden Kosten in Belgien letztlich von den Passagieren getragen werden und die Wettbewerbsposition des Landes schwächen.