Die Passagierbilanz des BER im September 2025 ist bemerkenswert, da der Monat von einem schwerwiegenden Zwischenfall überschattet wurde. Am 19. September traf ein Ransomware-Angriff den Systempartner Collins Aerospace, dessen Software MUSE (Multi-User System Environment) für das Check-in und die Passagierabfertigung an zahlreichen europäischen Flughäfen, darunter auch dem BER, unverzichtbar ist. Die Attacke führte zu einem plötzlichen Ausfall der automatisierten Systeme und zwang die Flughäfen zu einer raschen Rückkehr zu manuellen Prozessen.
Berichte über das Chaos an anderen großen Drehkreuzen, wie London Heathrow und Brüssel, zeichneten ein Bild von langen Warteschlangen, handschriftlichen Bordkarten und Flugstreichungen. Auch am BER kam es zu erheblichen Verzögerungen, wobei Passagiere teils über eine Stunde auf ihre Abfertigung warten mussten. Trotzdem konnten die operativen Auswirkungen auf die monatliche Gesamtstatistik des BER minimiert werden. Der Flughafen selbst betonte den außerordentlichen Einsatz der Belegschaften von Flughafen, Bodenverkehrsdienstleistern und Fluggesellschaften, dank deren Arbeit nahezu alle Flüge durchgeführt werden konnten und somit ein signifikanter Einbruch der Passagierzahlen vermieden wurde. Die Zahl der Starts und Landungen blieb im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 17.934 Flugbewegungen nahezu konstant (September 2024: 17.979).
Der Cyberangriff im Detail: Eine Gefahr für die kritische Infrastruktur
Der Angriff auf Collins Aerospace legte die Vulnerabilität der Luftfahrt-Infrastruktur offen, die stark von wenigen, zentralen IT-Dienstleistern abhängt. Es handelte sich um einen Supply-Chain-Angriff, bei dem die Angreifer das MUSE-System direkt ins Visier nahmen, um Passagier- und Gepäckabfertigung für Tage zu stören. Die Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA) bestätigte schnell, dass es sich um eine Ransomware-Attacke handelte.
Für den BER und andere betroffene Flughäfen stellte der Vorfall eine Bewährungsprobe für die Notfall- und Krisenpläne dar. Die schnelle Umstellung auf manuelle Abläufe verhinderte einen vollständigen Zusammenbruch des Betriebs. Dennoch zeigt der Vorfall, dass die Cybersicherheit von Drittanbietern ebenso kritisch ist wie die eigenen Systeme des Flughafens. Zwar gab es keine unmittelbaren glaubwürdigen Beweise für eine Datenpanne persönlicher Passagierinformationen, doch das eigentliche Ziel der Angreifer – die Störung der Betriebsabläufe – wurde zumindest kurzzeitig erreicht. Die vollständige Wiederherstellung der Systeme durch Collins Aerospace zog sich über mehrere Tage hin.
Frachtgeschäft als Wachstumstreiber
Unbeeindruckt von den kurzfristigen Passagier-Turbulenzen setzt sich der positive Trend im Luftfrachtbereich des BER fort. Im September 2025 wurden insgesamt 4.418 Tonnen Fracht umgeschlagen, was einer Steigerung von rund 420 Tonnen im Vergleich zum September des Vorjahres entspricht.
Dieser Aufschwung im Frachtgeschäft ist nicht neu. Bereits im gesamten Jahr 2024 hatte der BER knapp 44.300 Tonnen Fracht verzeichnet, ein deutlicher Zuwachs gegenüber 2023. Ein wesentlicher Motor für dieses Wachstum ist die Beiladefracht (Cargo in the Belly) in den Passagierflugzeugen, die insbesondere auf Langstreckenflügen eine wichtige Rolle für die Wirtschaftlichkeit spielt. Etwa 71 Prozent des Luftfrachtaufkommens im Jahr 2024 entfielen auf diese Beiladefracht.
Experten sehen das Wachstum auch als Folge des E-Commerce-Booms, insbesondere im Verkehr mit China, sowie als Ausdruck der gestiegenen Attraktivität des Standorts für spezialisierte Frachtunternehmen. Große Logistikdienstleister wie FedEx und UPS zeigen ein starkes Engagement am BER und verfolgen ehrgeizige Pläne für den Umschlag am Hauptstadtflughafen bis 2035.
Entwicklung über das gesamte Jahr 2025
Die leichten Zuwächse im September fügen sich in ein generell positives Bild für das Jahr 2025 ein, auch wenn der Aufschwung im Jahresvergleich etwas an Dynamik verliert. Im ersten Halbjahr 2025 nutzten insgesamt 12,1 Millionen Passagiere den BER, was einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 entsprach. Allerdings liegt das Passagieraufkommen weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019, das in der Branche als wichtiger Referenzpunkt gilt. Im Rekordjahr 2019 wurden im gleichen Zeitraum noch über 17,4 Millionen Fluggäste gezählt, was die anhaltende Lücke von rund 30 Prozent verdeutlicht.
Während das Passagierwachstum in der ersten Jahreshälfte 2025 verhalten ausfiel, zeigte der Fracht- und Postverkehr eine robustere Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2025 wurden insgesamt 23.822 Tonnen umgeschlagen, was einen Anstieg von 10,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum markiert.
Die Zunahme der Passagierzahlen in Berlin spiegelt einen allgemeinen, wenn auch in Deutschland verhaltenen, Trend im europäischen Luftverkehr wider. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten die deutschen Flughäfen insgesamt einen Anstieg von 2,8 Prozent, blieben aber 15,8 Prozent unter dem Niveau von 2019. Insbesondere der innerdeutsche Flugverkehr ist weiterhin rückläufig, während internationale Flüge einen größeren Anteil am Verkehr ausmachen. Für den BER, der traditionell einen hohen Anteil an internationalen und interkontinentalen Flügen verzeichnet, ist die positive Entwicklung des Fernverkehrs daher von besonderer Bedeutung für die weitere Erholung.