Flughafen Berlin-Brandenburg Terminal 1 (Foto: Granit Pireci).
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Berlin: Verhandlungen über Emirates-Landerechte am Hauptstadtflughafen

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Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine signifikante Kehrtwende in der deutschen Luftverkehrspolitik eingeleitet und zeigt sich offen für die Vergabe von Start- und Landerechten an die Fluggesellschaft Emirates für den Flughafen Berlin Brandenburg. Diese Entwicklung folgt auf einen Staatsbesuch des Kanzlers in der Golfregion, bei dem wirtschaftliche Kooperationen und die Erweiterung der Verkehrsbeziehungen im Zentrum der Gespräche standen.

Bisher unterliegt die arabische Fluggesellschaft einem restriktiven Luftverkehrsabkommen, das die Bedienung von lediglich vier deutschen Standorten erlaubt. Eine Ausweitung dieser Rechte auf die Hauptstadtregion wurde über Jahre hinweg blockiert, vor allem zum Schutz der heimischen Lufthansa. Die nun signalisierte Gesprächsbereitschaft markiert einen Wendepunkt, der weitreichende Folgen für den Wettbewerb im Langstreckensegment, die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands und die strategische Bedeutung des Standorts Berlin haben könnte. Während die Flughafengesellschaft und die betroffenen Landesregierungen die Pläne als notwendigen Impuls für den Wirtschaftsstandort begrüßen, formiert sich aufseiten der etablierten europäischen Fluggesellschaften massiver Widerstand gegen eine weitere Marktöffnung.

Diplomatie und Wirtschaftsinteressen in der Golfregion

Der Anstoß für die neue Dynamik in der Debatte um die Landerechte kam unmittelbar aus der Regierungsspitze. Bundeskanzler Friedrich Merz nutzte seine Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate, um die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen. Die emiratische Seite hat dabei unmissverständlich klargestellt, dass ein Ausbau der Flugverbindungen nach Deutschland eine Priorität darstellt. Ein Regierungssprecher bestätigte, dass das Thema Landerechte neben anderen wirtschaftlichen Kooperationen explizit angesprochen wurde. Die Bundesregierung arbeite demnach nun intensiv daran, die rechtlichen und operativen Rahmenbedingungen zu prüfen, um die internationalen Flugverbindungen zu erweitern.

Hinter dieser Offenheit steht das Bestreben, Deutschland als Ziel für Investitionen aus der Golfregion attraktiver zu machen. Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands im Nahen Osten, und eine direkte Anbindung der Hauptstadt an das globale Drehkreuz Dubai gilt als symbolträchtiger Baustein für eine vertiefte Zusammenarbeit. Die Entscheidung ist zwar formal noch offen, doch allein die Tatsache, dass die Bundesregierung von der bisherigen Blockadehaltung abrückt, wird in Branchenkreisen als deutliches Signal gewertet.

Die historische Blockade und das Vier-Flughäfen-Limit

Um die Tragweite der aktuellen Entwicklung zu verstehen, ist ein Blick auf das bestehende Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten notwendig. Dieses Abkommen regelt seit Jahrzehnten, dass Emirates nur vier Flughäfen in Deutschland anfliegen darf. Derzeit sind dies Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Hamburg. Jede Ausweitung auf einen fünften Standort, wie eben Berlin, hätte bisher den Verzicht auf einen der anderen Standorte vorausgesetzt – eine Option, die für Emirates aufgrund der hohen Rentabilität der bestehenden Routen nie infrage kam.

Der Flughafen Berlin Brandenburg, der seit seiner Eröffnung um eine stärkere Profilierung im Langstreckengeschäft kämpft, blieb somit von den lukrativen Verbindungen in den Nahen Osten und darüber hinaus ausgeschlossen. Kritiker der bisherigen Regelung argumentierten oft, dass diese Beschränkung ein einseitiger Schutzmechanismus für die Lufthansa sei, die ihre Drehkreuze in Frankfurt und München vor der Konkurrenz durch staatlich unterstützte Airlines aus der Golfregion bewahren wollte. Die nun im Raum stehende Zusatzlizenz würde dieses starre Gefüge aufbrechen.

Wirtschaftliche Impulse für Berlin und Brandenburg

Die Regierungen der Länder Berlin und Brandenburg reagierten mit ungewöhnlicher Einmütigkeit und deutlichem Optimismus auf die Signale aus dem Bundeskanzleramt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke betonten in einer gemeinsamen Stellungnahme die Bedeutung einer solchen Entscheidung für die gesamte Region. Sie sehen in der Direktverbindung nach Dubai einen Katalysator für Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in ganz Ostdeutschland.

Laut der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg unter der Führung von Aletta von Massenbach besteht eine enorme Nachfrage nach weiteren Langstreckenverbindungen. Ein direkter Zugang zum Netzwerk von Emirates würde den BER nicht nur für Geschäftsreisende attraktiver machen, sondern auch die Anbindung an Märkte in Asien, Afrika und Australien verbessern, die über das Drehkreuz Dubai effizient erreicht werden können. Die Landeschefs wiesen zudem darauf hin, dass Unternehmen in der Hauptstadtregion auf effiziente Direktverbindungen angewiesen seien, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Ein Umstieg an anderen europäischen Hubs werde zunehmend als Wettbewerbsnachteil empfunden.

Widerstand der Lufthansa und Marktverzerrungsvorwürfe

Wie zu erwarten, stößt das Vorhaben bei der Lufthansa auf strikte Ablehnung. Der deutsche Branchenprimus warnt seit Jahren vor den Folgen einer unkontrollierten Marktöffnung für Carrier aus Drittstaaten, die von anderen regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen profitieren. Die Lufthansa argumentiert, dass zusätzliche Rechte für Emirates die mühsam aufgebauten Hub-Strukturen in Frankfurt und München untergraben könnten. Wenn Passagiere aus Berlin direkt über Dubai nach Asien fliegen, entzieht dies den innerdeutschen Zubringerflügen und den Langstreckenverbindungen ab den bestehenden Drehkreuzen die Geschäftsgrundlage.

Branchenkenner weisen darauf hin, dass die Lufthansa befürchtet, Emirates könnte durch aggressive Preispolitik und hohe Servicequalität Marktanteile im lukrativen Business-Class-Segment gewinnen. Zudem wird oft ins Feld geführt, dass europäische Fluggesellschaften durch höhere Sozialstandards und strengere regulatorische Auflagen einen Kostennachteil gegenüber den Airlines vom Golf hätten. Ein Sprecher der Lufthansa betonte in der Vergangenheit immer wieder die Notwendigkeit fairer Wettbewerbsbedingungen im internationalen Luftverkehr.

Operative Vorbereitungen und Zeitplan für den Erstflug

Trotz der noch ausstehenden formalen Entscheidung scheinen die Planungen im Hintergrund bereits weit fortgeschritten zu sein. Medieninformationen zufolge hat Emirates bereits konkrete Zeitnischen, sogenannte Slots, für den Flughafen BER beantragt. Als anvisierter Starttermin für die Verbindung zwischen Dubai und Berlin wird der Dezember 2026 genannt. Dies unterstreicht die Entschlossenheit der arabischen Fluggesellschaft, so schnell wie möglich in den Berliner Markt einzutreten, sobald die rechtlichen Hürden gefallen sind.

Für den Flughafen BER wäre die Stationierung von Emirates-Maschinen auch ein technischer und logistischer Erfolg. Die Abfertigung von Großraumflugzeugen wie der Boeing 777 oder potenziell dem Airbus A380 erfordert spezialisierte Infrastruktur, die am Hauptstadtflughafen zwar vorhanden, aber bisher nicht in dem Maße ausgelastet ist, wie es sich die Betreiber wünschen würden. Eine tägliche Verbindung durch einen der weltweit führenden Carrier würde die Position des BER in den internationalen Flugplandaten deutlich aufwerten.

Strategische Bedeutung für den Standort Ostdeutschland

Die politische Dimension dieser Entscheidung reicht weit über den reinen Flugbetrieb hinaus. Die Stärkung des BER als Langstreckenstandort wird als zentraler Baustein für die wirtschaftliche Aufholjagd Ostdeutschlands gesehen. Internationale Konzerne, die sich in der Region ansiedeln – etwa im Bereich der Hochtechnologie oder der Automobilindustrie – fordern eine Infrastruktur, die globale Erreichbarkeit garantiert. Die Bundesregierung scheint nun die Priorität von dem Schutz nationaler Carrier hin zu einer allgemeinen Standortförderung zu verschieben.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Bundesregierung den Interessenkonflikt zwischen der heimischen Luftfahrtindustrie und dem Wunsch nach regionaler Wirtschaftsförderung auflöst. Die Verhandlungen über das Luftverkehrsabkommen dürften komplex werden, da auch andere Nationen und Fluggesellschaften aufmerksam beobachten, ob und unter welchen Bedingungen Deutschland seine Landerechte neu verteilt. Eines ist jedoch klar: Das Thema Emirates am BER ist nicht mehr nur ein theoretisches Streitthema, sondern ein konkretes politisches Projekt der Ära Merz.

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