Ein ungeplanter Bodenkontakt des Rumpfhecks bei einer abgebrochenen Landung auf dem Flughafen von Palma de Mallorca hat eine Passagiermaschine der britischen Fluggesellschaft Tui Airways vorerst fahruntüchtig gemacht.
Das zweistrahlige Verkehrsflugzeug des Typs Boeing 737-800 befand sich am Samstag auf einem regulären Linienflug von der irischen Hauptstadt Dublin auf die balearische Ferieninsel, als es beim ersten Landeversuch auf der Südbahn zu dem folgenschweren Zwischenfall kam. Die Cockpitbesatzung brach das Manöver daraufhin ab, leitete ein Durchstartverfahren ein und brachte das Flugzeug im zweiten Anflug sicher zu Boden. Alle Insassen an Bord blieben bei dem Ereignis unverletzt. Die am Heck hinterlassenen Kontaktschäden sind jedoch so gravierend, dass das Flugzeug für den gesamten verbleibenden Sommerabschnitt 2026 aus dem aktiven Dienst genommen werden muss. Der Vorfall zieht nun genaue technische Inspektionen sowie eine luftfahrtbehördliche Untersuchung nach sich, um die genauen operativen und meteorologischen Ursachen für das fehlerhafte Aufsetzverhalten zu ermitteln.
Hergang des Vorfalls am Flughafen Palma de Mallorca
Der Ferienflug von Dublin nach Palma de Mallorca gilt während der sommerlichen Hauptreisezeit als stark frequentierte Verbindung. Am betroffenen Samstag verlief der Flugweg über Westeuropa zunächst ohne Auffälligkeiten. Erst im Endanflug auf die Piste 24L des Inselflughafens kam es zu Unregelmäßigkeiten im Sinkflugprofil. Augenzeugen und Auswertungen digitaler Flugspurdaten dokumentieren, dass die Maschine kurz vor dem eigentlichen Aufsetzpunkt in eine instabile Fluglage geriet. Beim ersten Kontakt mit dem Asphalt schlug das Heck des Rumpfes aufgrund eines zu steilen Anstellwinkels direkt auf der Start- und Landebahn auf.
Die Piloten reagierten auf den harten Stoß mit dem sofortigen Abbruch der Landung. Sie erhöhten die Triebwerksleistung auf das notwendige Maximum für ein Durchstartmanöver, um die Maschine wieder an Höhe gewinnen zu lassen. Nach einer kurzzeitigen Warteschleife über dem Mittelmeer, in der die Besatzung die wichtigsten Cockpitinstrumente überprüfte und den Zustand des Fluggeräts analysierte, leitete die Flugleitung den Jet auf die parallele Bahn 24R um. Der zweite Landeversuch glückte ohne weitere Komplikationen. Nach dem Ausrollen auf der Parkposition konnten die Passagiere das Flugzeug über die regulären Treppen verlassen, ohne dass Evakuierungsmaßnahmen über Notrutschen erforderlich waren. Die Fluggesellschaft musste den für den Abend geplanten Rückflug nach Großbritannien annullieren und die betroffenen Passagiere auf spätere Flüge oder Ersatzmaschinen umbuchen.
Technische Aspekte und Dynamik eines Tailstrikes
In der Fachsprache der zivilen Luftfahrt wird ein solcher Bodenkontakt des Rumpfendes als Tailstrike bezeichnet. Diese Ereignisse treten statistisch gesehen häufiger bei der Landung als beim Start auf und sind oft die Folge von unvorhergesehenen Scherwinden, plötzlichen Fallböen oder Fehlkalkulationen bei der Bestimmung der Sinkrate im Zusammenspiel mit dem Abfanghintergrund. Bei Flugzeugen mit einer langgestreckten Rumpfgeometrie, wie sie die Boeing 737-800 aufweist, ist der bauliche Spielraum zwischen dem Heck und dem Boden bei hohen Anstellwinkeln physikalisch stark begrenzt. Wenn die Triebwerksleistung im Moment des Aufsetzens zu abrupt reduziert wird oder ein verspätetes Durchstarten eingeleitet wird, kann der Rumpf durch das Trägheitsmoment nach hinten kippen, noch bevor die Hauptfahrwerke die Last vollständig abfedern.
Obwohl die Boeing 737-800 an der Rumpfunterseite im Heckbereich über eine kleine mechanische Schutzvorrichtung verfügt, den sogenannten Schleifkufen oder Tailskid, ist dieser primär dafür ausgelegt, leichte Kontakte bei moderater Energie während des Startvorgangs zu dämpfen. Bei einem energiereichen Aufprall im Zuge einer missglückten Landung reicht die Schutzwirkung dieser Vorrichtung meist nicht aus. Die einwirkenden Kräfte werden direkt auf die umliegende Aluminiumstruktur der Außenhaut übertragen. Erste Aufnahmen des Hecks der Maschine zeigten deutlich abgeschabte Metallschichten, strukturelle Verformungen und Risse im Bereich der hinteren Druckkalotte. Da dieser Abschnitt den Übergang zur druckbelüfteten Passagierkabine bildet, sind die Sicherheitsanforderungen für die Reparatur extrem hoch.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Flottendisposition für das Unternehmen
Der Ausfall eines Flugzeugs inmitten der Hauptreisesaison stellt für jede Fluggesellschaft ein erhebliches ökonomisches und logistisches Problem dar. Die betroffene Maschine mit dem Luftfahrzeugkennzeichen G-TUKS ist ein fester Bestandteil der Charterflotte von Tui Airways und fest in Umläufe zwischen Großbritannien, Irland und den europäischen Urlaubsregionen eingetaktet. Die Reparatur von strukturellen Schäden nach einem Heckaufprall erfordert spezialisierte Werftaufenthalte, bei denen oft ganze Segmente der Rumpfunterseite ausgetauscht und geröntgt werden müssen, um Mikrorisse in den tragenden Spanten auszuschließen. Da diese Arbeiten nicht auf dem Vorfeld in Palma durchgeführt werden können, muss das Flugzeug zunächst für einen Überführungsflug ohne Kabinendruck vorbereitet werden.
Der vorzeitige Entzug des Fluggeräts aus dem Sommerflugplan bedeutet, dass die Fluggesellschaft entweder Kapazitäten aus anderen Regionen abziehen oder teure Wetlease-Verträge mit Drittanbietern abschließen muss, um die gebuchten Urlaubsflüge aufrechtzuerhalten. Im aktuellen Marktumfeld, das durch eine generelle Verknappung von freien Flugzeugkapazitäten und Lieferverzögerungen bei Neugeräten geprägt ist, führt dies zu spürbaren Mehrkosten. Analysten schätzen, dass der Ausfall einer einzelnen Mittelstreckenmaschine über mehrere Monate hinweg Kosten im siebenstelligen Bereich verursachen kann, zusammengesetzt aus entgangenen Ticketlizenzen, Entschädigungszahlungen nach den europäischen Fluggastrechten und den eigentlichen Werftgebühren.
Regulatorische Aufarbeitung und präventive Sicherheitsanalysen
Der Zwischenfall in Spanien hat die zuständigen Untersuchungsbehörden auf den Plan gerufen. Sowohl die spanische Untersuchungsbehörde für Flugunfälle als auch die britische Luftfahrtbehörde haben eine detaillierte Auswertung der Flugdatenschreiber und des Stimmenrekorders aus dem Cockpit angeordnet. Im Fokus der Ermittler steht die Frage, inwieweit meteorologische Faktoren, wie etwa plötzliche Änderungen der Windrichtung im Nahbereich der Landebahn 24L, das Flugverhalten beeinflusst haben oder ob ein Bedienungsfehler der Flugbesatzung beim Abfangen der Maschine vorlag. Auch das genaue Timing des Durchstartmanövers wird rekonstruiert, um festzustellen, ob die Erhöhung des Schubs den Pitch-Winkel des Flugzeugs in kritischer Weise verändert hat.
Die Ergebnisse solcher Untersuchungen werden in der Regel genutzt, um die Ausbildungsprogramme für Piloten im Simulator anzupassen. Das Training von instabilen Anflügen und das korrekte Verhalten bei einem harten Aufprall mit anschließendem Durchstarten gehören zu den Kernbereichen der wiederkehrenden Überprüfungen. Der Vorfall zeigt, dass trotz moderner Assistenzsysteme und präziser Wettervorhersagen das Schnittstellenmanagement zwischen Mensch und Maschine in der finalen Phase der Landung ein sensibler Punkt bleibt. Solange die finale Analyse nicht abgeschlossen ist, bleibt die betroffene Boeing am Boden in Palma de Mallorca blockiert, was die operativen Herausforderungen für den Reisekonzern in diesem Sommer weiter verschärft.