Wer mit dem Auto ins Ausland fährt, kann schnell vor Herausforderungen stehen, die ihm im heimischen Verkehr nicht begegnen. Während die grundlegenden Verkehrsregeln weitgehend ähnlich sind, gibt es zahlreiche landesspezifische Vorschriften und Zeichen, die für Verwirrung sorgen können.
Dagmar Redel, Reiseexpertin des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touringclubs (ÖAMTC), betont die Notwendigkeit, sich vor einer Reise über die speziellen Verkehrsregeln des jeweiligen Landes zu informieren. Unwissenheit schützt schließlich nicht vor Strafe. In diesem Artikel werden einige der bemerkenswertesten und teils ungewöhnlichen Verkehrsvorschriften in europäischen und überseeischen Ländern beleuchtet.
Verkehrsregeln im internationalen Vergleich
In den Vereinigten Staaten ist es beispielsweise in den meisten Bundesstaaten erlaubt, an einer roten Ampel nach einem vollständigen Halt rechts abzubiegen, solange kein Schild mit der Aufschrift „No Right Turn“ vorhanden ist. Diese Regelung weicht erheblich von den meisten europäischen Ländern ab, in denen das Abbiegen bei Rot in der Regel untersagt ist. Autofahrer, die diese Regel nicht kennen, könnten schnell in eine unangenehme Situation geraten und mit einem Bußgeld belegt werden.
Ein weiteres Beispiel findet sich in Schweden, wo das Parken durch Datum und Hausnummer reguliert wird. An Tagen mit ungeraden Datumszahlen ist das Parken auf Seiten mit ungeraden Hausnummern verboten und umgekehrt. Diese Regelung soll insbesondere der Schneeräumung dienen und ist durch Schilder mit senkrechten Strichen gekennzeichnet. Autofahrer, die sich nicht an diese Vorschrift halten, riskieren eine Geldstrafe.
In Italien gelten spezielle Parkmarkierungen: Parkplätze mit rosa Linien sind ausschließlich für Schwangere und Eltern mit Kindern bis zu zwei Jahren reserviert. Wer in einem solchen Parkplatz parkt und die Kriterien nicht erfüllt, muss mit einer Strafe rechnen.
Fahrgemeinschaftsspuren in Frankreich
Frankreich hat kürzlich ein neues Verkehrsschild eingeführt, das eine weiße Raute auf blauem Hintergrund zeigt. Diese Schilder kennzeichnen spezielle Fahrspuren, die nur von Fahrgemeinschaften mit mindestens zwei Personen im Fahrzeug befahren werden dürfen.
Auch Taxis, öffentliche Verkehrsmittel sowie emissionsfreie Fahrzeuge, darunter Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge, dürfen diese Spuren nutzen. Hybridfahrzeuge sind hingegen ausgeschlossen. Diese Regelung ist ein Teil der Bemühungen, den Verkehr zu reduzieren und umweltfreundlichere Optionen zu fördern.
Rettungsgassenregelung in Europa
Ein weiteres Thema, das in Europa unterschiedlich geregelt ist, betrifft die Bildung von Rettungsgassen. In Österreich wurde die Regelung zur Bildung einer Rettungsgasse bei Stau und stockendem Verkehr im Jahr 2012 eingeführt. Autofahrer sind verpflichtet, bei einer Verkehrssituation auf mehrspurigen Straßen auf die Seiten zu fahren, um eine Gasse für Rettungsfahrzeuge zu bilden. Diese Regelung gilt jedoch nicht in allen europäischen Ländern.
In Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, der Schweiz, Kroatien sowie in Belgien, Luxemburg und Polen gibt es ähnliche Regelungen zur Bildung einer Rettungsgasse. In Italien jedoch fehlt eine solche Vorschrift. In vielen anderen europäischen Ländern, wie etwa in den meisten skandinavischen Staaten, gibt es keine klare Regelung, und der Pannenstreifen muss freigehalten werden, um im Notfall Platz für Rettungsfahrzeuge zu schaffen.
Aufklärung und Vorbereitung sind entscheidend
Die Vielfalt an Verkehrsregeln und -zeichen im Ausland macht es unerlässlich, sich vor einer Autofahrt ins Ausland umfassend zu informieren. Dies schützt nicht nur vor möglichen Strafen, sondern auch vor gefährlichen Situationen im Straßenverkehr. Der ÖAMTC bietet hilfreiche Informationen auf seiner Webseite, die Reisenden dabei helfen, sich auf ihre Fahrten vorzubereiten.
Die Empfehlungen von Experten wie Dagmar Redel sind dabei von großer Bedeutung. Autofahrer sollten die Verkehrsregeln des Landes, in das sie reisen, sorgfältig studieren und gegebenenfalls vor Ort aufmerksam sein. Mit dem richtigen Wissen und einem wachsamen Auge kann das Autofahren im Ausland sicher und stressfrei gestaltet werden.