Der Entminungsdienst des österreichischen Bundesheeres hat in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 bei 624 Einsätzen insgesamt gut 12,8 Tonnen Munition und Blindgänger geborgen, überprüft und unschädlich gemacht.
Die vorliegenden Zahlen belegen, dass verdeckte Gefahren durch historische Sprengmittel auch Jahrzehnte nach dem Ende der Weltkriege präsent bleiben. Allein im Monat Juli rückten die Spezialkräfte der Einheit zu 120 Einsätzen aus und entschärften knapp drei Tonnen Kriegsmaterial, was den vorläufigen Höhepunkt des laufenden Jahres markiert. Die Aufarbeitung dieser Altlasten sichert die zivile Infrastruktur und schützt die Bevölkerung vor unberechenbaren Risiken.
Der regionale Schwerpunkt der Funde lag weiterhin im Osten Österreichs. In Niederösterreich verzeichnete die Spezialeinheit mit 296 Ausrückungen die meisten Vorfälle, gefolgt von Oberösterreich mit 88 und der Steiermark mit 77 Einsätzen. In den westlichen Bundesländern wie Salzburg und Vorarlberg wurden hingegen deutlich weniger Funde registriert. Das Bundesheer weist in diesem Zusammenhang auf die hohe Unberechenbarkeit gealterter Munition hin. Durch chemische Zerfallsprozesse über Jahrzehnte hinweg reagieren Zünder und Sprengstoffe äußerst empfindlich auf Erschütterungen oder Druckveränderungen, weshalb die eigenmächtige Handhabung verdächtiger Objekte lebensgefährlich ist.
Seit dem Übergang der Zuständigkeit vom Innenministerium auf das Bundesministerium für Landesverteidigung im Jahr 2013 ist der Entminungsdienst als spezialisierte Fachstelle für alle Relikte aus der Zeit vor 1955 auf österreichischem Staatsgebiet verantwortlich. Die Dauerbereitschaft der Einheit stellt sicher, dass Bauarbeiten, landwirtschaftliche Tätigkeiten oder private Funde im Falle von Entdeckungen ohne langwierige Verzögerungen gesichert werden können. Nach dem Fund erfolgt die Alarmierung in der Regel über die Polizei, die den Bereich absperrt und die Entschärfer anfordert.
Sicherheitsexperten betonen, dass trotz der stetigen Bergungsmengen keine flächendeckende Entwarnung gegeben werden kann. Insbesondere bei Erdarbeiten im Rahmen von Infrastrukturprojekten oder durch Witterungseinflüsse wie Starkregen und Abtragungen gelangen nach wie vor regelmäßig nicht detonierte Fliegerbomben, Granaten und Munitionsdepots an die Oberfläche. Die kontinuierliche Räumung erfordert daher auch künftig personelle Ressourcen und spezialisierte Räumtechnik, um den Gefahren durch historische Munitionsrückstände wirksam zu begegnen.