Am 14. November 2024 ereignete sich ein spannendes, kritisches Diskussionsduell im Theater am Steg in Baden zwischen dem ehemaligen Pädagogen, Schuldirektor, noch immer aktiven Buchautor und Kolumnisten Niki Glattauer sowie dem Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Leonhard Thun-Hohenstein. Beide haben sich schon immer tatkräftig um das Wohl der Kinder und Jugendlichen gekümmert und versuchen den Sorgen und Ängsten der heranwachsenden Generationen ein Wort zu verleihen.
Der Schwerpunkt der Diskussion umfasste welche Rolle die Schule von heute und alle Pädagogen im Leben der jungen Generation haben sollten und was gerade jetzt schiefläuft. Glattauer appelliert für einen Paradigmenwechsel des Bildungssystems und wünscht sich die Schule als: „Ort der Sozialisierung und Kommunikation, der Förderung von Empathie und des Herausfindens von Talenten, Neigungen und Interessen der Schüler. Er erwähnt, dass er selbst nicht gegen das Handy im Unterricht sei, nur dagegen, wenn es in der Pause benutzt wird und die Interaktion der Kinder untereinander zu kurz kommt.
Medien, Technologie und Rechner gewinnen immer Bedeutung in der Arbeitswelt und daher darf die Schule als Institution des Lehrens und Lernen diese nicht ausschließen. Er streitet nicht ab, dass unsere Gesellschaft, genauer gesagt das Bildungssystem, sich zu langsam an seine Umwelt anpasst und daher die Kinder schon veraltete Informationen in der Schule hören. Die Herausforderung für das Bildungssystem ist das Schnelllebige Leben von Heute und daher ist es umso wichtiger am Puls der Zeit zu sein.
Natürlich wurde auch die PISA-Studie thematisiert und Glattauer, vertrat die Meinung: „Natürlich können wir unsere Schüler das ganze Schuljahr nur auf die Schwerpunkte der PISA-Studie hintrainieren, aber was bringt es ihnen das auf die Dauer? Länder, die sehr gut abschnitten, machen nichts anderes als sich nur mit Fragestellungen und Texten dieser Art täglich zu befassen, um am Tag der PISA-Überprüfung blendend aufzufallen“: Die Frage stellt sich, wie sinnvoll das für österreichische Schüler ist. Die Ergebnisse der Pisa Studie unterstrichen sehr klar, dass in Österreich die Lesekompetenz und das Verständnis für den Inhalt des Gelesenen Schwierigkeiten der heutigen Jugend bereitet. Liegt es am System, an dem Lehrpersonal, an den Kindern, an den Eltern, die vielleicht zu wenig oder sogar zu viel involviert sind?

Beide sind sich einer Sache einig, es muss sich radikal und schnell was ändern. Das Leben, die diversen Berufe, Berufsfelder müssen in die Schule. Die Schule als Institution darf sich nicht vom Leben der Gesellschaft abspalten, sie muss sich mit ihr verschmelzen und flexibel und mit offenen Augen und Ohren auf ihre Bedürfnisse eingehen. Zwei Mütter im Podium hatten unterschiedliche Meinungen. Die eine Mutter war seit Schulanfang bei jeder Hausübung, Referat und Schularbeit ihrer Kinder involviert und hatte das Gefühl in der Schule seien ihre Kinder zu wenig unterstützt und daher müsse sie zuhause mit ihnen jeden Tag helfen. Die andere Mutter war Französin und betonte lautstark, dass ihre Kinder ohne ihre Unterstützung die Schule mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen haben. Sie hätte sie auch wenig unterstützen können, weil damals sie erst Deutsch lernte und selbst die Schulfächer nur in ihrer Muttersprache den Kindern erklären konnte. Sie meinte sie hätte ihren Vollzeitjob und die Kinder hätten ihren Job, also den Besuch einer Schule und alle damit verbundenen Aufgaben selbst meistern müssen. Jeder hat seine Verantwortung, sie und ihre Kinder und es sei nicht ihre Verantwortung die Schulfächer und Übungen mit ihnen am Abend zu machen.
Glattauer und die Moderatorin stimmten dieser Aussage zu und betonnten, dass wir in Österreich noch immer zu wenig Ganztagsschulen hätten, in denen alle Lernprozesse und Aufgaben erledigt werden sollen und die Kinder nach dem Verlassen der Schule Freizeit haben sollten. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein war jedoch der Meinung, dass nicht jedes Kind diese Möglichkeit der Unterstützung zuhause habe und viele Kinder schon nur ums Überleben zuhause kämpfen. Damit meinte er, dass viele Kinder schon mit vielen psychischen Krankheiten und sozialer Verwahrlosung zurechtkommen müssen, und daher sollte die Schule alleinig die Aufgabe der Bildung, das Beibringen von Inhalten übernehmen und den Kindern und Eltern zuhause die Möglichkeit geben Spiele zu spielen. Eltern und Kinder brauchen auch Quality time zuhause und stattdessen sitzen viele Eltern mit ihren Sprösslingen bis spät in die Nacht, um die Hausübungen für den kommenden Tag zu erledigen, geschweige noch für einen Test, Schularbeit oder Vokabelüberprüfung zu lernen.

Niki Glattauer, sowie Dr. Thun-Hohenstein bescheinigen dem österreichischen Bildungssystem keine gute Note und fragen sie:“Wie wir lernen sollten, was müssen wir heutzutage noch können, um die Welt von heute zu verstehen und zu bewältigen und ob unsere Kinder auf ihre Zukunft gut vorbereitet werden?!“.
Beide Diskussionspartner waren wie schon oben erwähnt, der Ansicht, dass die Bildung der neuen Generation eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft sein sollte und die Schule, unser Bildungssystem Fachkräfte wie, Bäcker in die Schule einladen sollte, damit die Kinder einen Einblick in unterschiedlichste Arbeitsfelder erhalten und sich Anfangen dafür zu interessieren, in welche Richtung sie beruflich selber hinwollen, was möglich ist und welche Bildungseinrichtungsart sie auswählen sollten um dort am schnellsten und einfachsten hinzugelangen.
Wie die Leser schon rauslesen konnten, beschäftigte sich die Diskussionsrunde um ein der wichtigsten Themenbereiche der Menschheit, die Zukunft der heranwachsenden Generation und was alles schiefläuft und wie wir sie besser unterstützen können. Alle in der Runde waren sich eines einig, jedes Mitglied der Gesellschaft muss seinen aktiven Beitrag dazu leisten damit die neu heranwachsende Generation die besten Möglichkeiten ihrer Entwicklung erhält.
Die Moderation des Abends führte MMag. Aga Trnka-Kwiecinski, welche selbst eine Mutter ist und die Diskussion immer wieder humorvoll auf Spur gebracht hat. Im Publikum waren viele Pädagogen, betroffene Eltern, sowie Personen, die in sozialen Berufen tätig sind, welche aktiv an der Diskussion teilgenommen haben. Das Publikum war mit Herz und Flamme dabei und hätte bis in die Nacht noch mit N. Glattauer und mit Dr. Thun-Hohenstein Meinungen austauschen wollen. Die Diskussion hätte auch ruhig 3 Stunden andauern können.
Das Resultat des Abends war ein kurzer Austausch zwischen Pädagogen, Eltern, sowie dem Vertreter der psychischen Gesundheit Dr. Thun-Hohenstein. Alle hatten ein Ziel, über die Zukunft der Kinder und Jugendlichen zu sprechen und wie wir als Gesellschaft sie am besten unterstützen können. Beide Gäste haben Bücher zu diesem Thema veröffentlich die ich den Lesern herzlichst empfehlen würde. Wir müssen jetzt handeln und nicht alles auf Morgen verschieben.
