Ein Passagierjet des Typs Embraer E-190 der staatlichen polnischen Fluggesellschaft LOT musste am Donnerstag kurz nach dem Start vom Chopin-Flughafen in Warschau umkehren. Das Flugzeug mit der Registrierung SP-LMC befand sich als Flug LO135 auf dem Weg nach Istanbul, als es während der Steigphase von einem Blitz getroffen wurde.
Der Kapitän entschied sich aus Sicherheitsgründen für eine sofortige Rückkehr zum Ausgangsflughafen, obwohl keine unmittelbaren Fehlfunktionen oder Schäden am Fluggerät erkennbar waren. Die Maschine ging in eine Warteschleife über, um Treibstoff zu verbrauchen, und landete etwa eine Stunde nach dem ersten Abheben wieder sicher in Warschau.
Unternehmenssprecher Krzysztof Moczulski bestätigte den Vorfall und betonte, dass die Entscheidung zur Umkehr eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen sei, die den geltenden Sicherheitsrichtlinien der Fluggesellschaft entspreche. Nach der Landung wurden die Passagiere sowie die Besatzung ohne gemeldete Verletzungen evakuiert und in ein Ersatzflugzeug des Typs Embraer E195 transferiert. Mit einer Verspätung von etwa einer Stunde und 45 Minuten konnte die Reise nach Istanbul fortgesetzt werden. Der betroffene Jet verblieb am Boden und wurde in die Wartungshallen überführt, wo eine mehrstündige technische Inspektion auf strukturelle Beeinträchtigungen durch den elektrischen Einschlag durchgeführt wurde.
Blitzschläge gehören in der Luftfahrt zu den bekannten Wetterphänomenen, wobei statistisch gesehen jedes Verkehrsflugzeug mindestens einmal pro Jahr getroffen wird. Moderne Flugzeuge sind nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs konstruiert, sodass die elektrische Ladung über die Außenhaut abgeleitet wird, ohne die Bordelektronik oder die Passagiere im Innenraum zu gefährden. Dennoch sind nach solchen Ereignissen gründliche Kontrollen der Ein- und Austrittspunkte des Blitzes sowie der Sensoren vorgeschrieben. Experten gehen davon aus, dass die SP-LMC bereits innerhalb eines Tages nach Abschluss der Prüfungen wieder in den regulären Flugdienst zurückkehren kann.
Der Vorfall unterstreicht die strengen Sicherheitsprotokolle im europäischen Luftraum, insbesondere bei unvorhergesehenen Wetterereignissen während der sensiblen Start- und Landephasen. Die technische Abteilung der LOT prüft im Rahmen der Inspektion insbesondere die Radarnase sowie die Tragflächenenden auf Brandspuren oder kleinste Materialveränderungen. Da der Embraer-Jet über moderne Schutzsysteme verfügt, werden keine dauerhaften Schäden an der Struktur erwartet. Der Flugbetrieb am Warschauer Chopin-Flughafen wurde durch die außerplanmäßige Landung nicht nennenswert beeinträchtigt.