Fraport-Zentrale (Foto: Fraport AG).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Bodenverkehrsdienste am Flughafen Frankfurt: Wisag klagt gegen das Land Hessen

Werbung

Der Flughafen Frankfurt, einer der größten und verkehrsreichsten in Europa, steht aktuell im Fokus eines juristischen Streits. Wisag, ein bedeutendes deutsches Unternehmen im Bereich Bodenverkehrsdienste, hat zum ersten Mal öffentlich Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Vergabe der Bodenabfertigung am Flughafen Frankfurt geäußert. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte die Finanzchefin des Unternehmens, Angela Stuhr, dass Wisag sich entschieden habe, gegen die Vergabeentscheidung des Landes vor dem Verwaltungsgericht vorzugehen.

Das Unternehmen, das seit Jahren am Flughafen tätig ist, möchte auch weiterhin Bodenabfertigungsdienste wie das Beladen von Flugzeugen, die Reinigung und viele weitere Aufgaben übernehmen. Diese Dienste spielen eine zentrale Rolle im reibungslosen Betrieb eines Flughafens und umfassen eine Vielzahl von Tätigkeiten, die den Flugbetrieb direkt beeinflussen. Die Entscheidung des Flughafens, diese Aufgaben an einen Mitbewerber zu vergeben, sorgt nun für einen Rechtsstreit. Betroffen ist das Segment Bodenverkehrsdienstleistungen, das der Lizenzierung unterliegt. Insbesondere Be- und Entladung sowie Reinigung sind nicht betroffen.

Der Hintergrund der Vergabeentscheidung

Das Schweizer Unternehmen Swissport hat am 1. Februar 2025 die Lizenz der Wisag am Flughafen Frankfurt übernommen. Zunächst war Swissport jedoch nur für einen Teil der Aufgaben verantwortlich und sollte bis zum 1. November 2025 die gesamte Palette der Bodenabfertigungsdienste übernehmen. Bis dahin unterstützt Wisag die Fraport noch mit ihrem eigenen Personal, insbesondere bei der Abfertigung von Langstreckenflügen. Für Wisag ist dieser Umstand ein klarer Hinweis darauf, dass es auch künftig eine Rolle am Flughafen spielen wird, insbesondere bei der Abfertigung der sogenannten „Widebody“-Flugzeuge, die auf Langstreckenflügen eingesetzt werden.

Die genaue Ursache des Rechtsstreits liegt in der Vergabe der Bodenabfertigungsdienste durch das Land Hessen nach einer Ausschreibung der entsprechenden Lizenz. Wisag stellt infrage, dass die Vergabe im Einklang mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen erfolgte. Sie argumentiert, dass die Entscheidung möglicherweise nicht rechtmäßig getroffen wurde und das Unternehmen daher zu Unrecht aus dem Wettbewerb um diese wichtigen Dienstleistungen ausgeschlossen wurde.

Das gerichtliche Verfahren

Wisag hat bereits vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen die Vergabeentscheidung eingereicht. Der Antrag auf ein Eilverfahren, um die Vergabeentscheidung vorläufig zu stoppen, wurde jedoch laut Gericht eingestellt, nachdem eine Einigung zwischen Wisag und dem Land Hessen erzielt wurde. Dennoch steht die Entscheidung in der Hauptsache noch aus. Das bedeutet, dass das Gericht in Zukunft weiterhin darüber befinden wird, ob die Vergabeentscheidung tatsächlich rechtmäßig war oder ob Wisag möglicherweise Anspruch auf die weiteren Dienstleistungen am Flughafen hat.

Perspektive für Wisag und die Mitarbeiter

Trotz des laufenden Rechtsstreits bleibt Wisag optimistisch. Angela Stuhr erklärte, dass das Unternehmen nach wie vor an seinem Personal festhalten wolle und allen Mitarbeitenden eine Perspektive biete. „Wir brauchen unsere Fachleute in jedem Fall selbst“, sagte Stuhr. In diesem Zusammenhang betonte sie, dass viele Mitarbeiter freiwillig auch an andere Flughäfen wie Düsseldorf oder München wechseln würden, um dort bei der Expansion von Wisag-Stationen mitzuwirken.

Die Entscheidung, auf den Erhalt des Personals zu setzen, scheint eine strategische Maßnahme zu sein, um die eigenen Dienstleistungen in anderen Regionen auszubauen. So verfolgt Wisag eine „ausgeprägte Wachstumsstrategie“ und setzt auf eine langfristige Perspektive für ihre Mitarbeiter, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens in Frankfurt.

Die Bedeutung der Bodenabfertigung für den Flughafen

Die Bodenabfertigung am Flughafen Frankfurt ist ein zentraler Bestandteil des täglichen Betriebs. Sie umfasst nicht nur das Beladen und Entladen von Fracht und Passagieren sowie die Reinigung der Flugzeuge. Ein effizienter Ablauf dieser Tätigkeiten ist entscheidend, um Verspätungen zu vermeiden und einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Aufgrund der enormen Anzahl an Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen sind die Anforderungen an die Bodenabfertigung besonders hoch.

Für die Flughafenbetreiber wie Fraport und die Fluggesellschaften sind diese Dienstleistungen daher von großer Bedeutung. Die Vergabe von Aufträgen für die Bodenabfertigung erfolgt dabei oftmals in einem wettbewerblichen Verfahren, wobei verschiedene Anbieter ihre Dienstleistungen zu unterschiedlichen Konditionen anbieten. Für Wisag und ähnliche Unternehmen ist es daher besonders wichtig, sich auf ihre Erfahrung und ihre qualifizierten Mitarbeiter zu stützen, um sich im Wettbewerb behaupten zu können.

Der laufende Rechtsstreit zwischen Wisag und dem Land Hessen könnte weitreichende Folgen für die Gestaltung der Bodenabfertigungsdienste am Flughafen Frankfurt haben. Sollte Wisag mit seiner Klage Erfolg haben, könnte dies nicht nur das Wettbewerbsumfeld am Flughafen verändern, sondern auch Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und die langfristige Ausrichtung des Unternehmens haben. In jedem Fall bleibt der Fall spannend, da das Ergebnis weit über die unmittelbare Frage der Vergabe von Aufträgen hinausreicht.

Die derzeitige Situation zeigt zudem, wie wichtig es für Unternehmen wie Wisag ist, ihre Position in einem wettbewerbsintensiven Umfeld zu sichern und ihre Dienstleistungen kontinuierlich anzupassen. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens bleibt Wisag jedoch ein wichtiger Akteur auf dem deutschen Flughafenmarkt, der weiterhin eine bedeutende Rolle spielen will.

Werbung

1 Comment

  • Liam , 27. Februar 2025 @ 08:12

    “Die genaue Ursache des Rechtsstreits liegt in der Vergabe der Bodenabfertigungsdienste durch den Flughafenbetreiber Fraport.”
    Die Lizenz wurde nicht von Fraport vergeben, sondern vom Land Hessen. Daher klagt Wisag gegen das Land und nicht gegen Fraport.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung