Der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing steht bei seinem neuen Großraumflugzeug des Typs 777X vor weiteren zeitlichen Verschiebungen.
Wie Boeing-Chef Kelly Ortberg auf einer Finanzkonferenz mitteilte, könnten sich wesentliche Testreihen bis in das Jahr 2027 hineinziehen. Ursache hierfür sind ausstehende Zulassungen für die Triebwerke des Typs GE9X vom Hersteller GE Aerospace, bei denen in der Vergangenheit Dichtungsprobleme aufgetreten waren. Der Hersteller liegt bei dem Programm bereits rund sieben Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück, strebt jedoch weiterhin Erstauslieferungen für das Jahr 2027 an.
Die erneuten Verzögerungen treffen direkte Erstkunden wie die Deutsche Lufthansa AG, die fest mit dem Einsatz der Boeing 777-9 rechnet. Die Airline plant die Indienststellung der ersten Maschinen für den Sommer 2027 auf ihren Langstreckenrouten. Um Ausfälle im Streckennetz abzufangen, hält der deutsche Luftfahrtkonzern ältere Flugzeuge des Typs Airbus A340-300 länger in der aktiven Flotte. Ähnlich wie der Großkunde Emirates verlangt Lufthansa die Übergabe von Maschinen, die vollständig dem finalen Serienstandard entsprechen, was kurzfristige Behelfslösungen bei der Übernahme ausschließt.
Neben dem 777X-Programm kämpft Boeing weiterhin mit betrieblichen Engpässen bei seinen etablierten Baureihen. Finanzchef Jay Malave dämpfte die Erwartungen an den freien Barmittelfluss für das laufende Geschäftsjahr, da die Auslieferungszahlen der Modelle 737 Max und 787 hinter den Zielvorgaben zurückbleiben. Grund dafür sind unter anderem Fertigungsprobleme bei der internen Tragflächenproduktion. Zudem steht die Zulassung der größten Variante 737 Max 10 durch die Luftfahrtbehörden weiterhin aus, obwohl die Testflüge inzwischen abgeschlossen sind.
Branchenanalysten betrachten die anhaltenden Produktions- und Zulassungsprobleme als erhebliches Risiko für die wirtschaftliche Erholung des US-Konzerns. Das Verfehlen von Auslieferungszielen belastet nicht nur die eigene Bilanzen und den Aktienkurs, sondern zwingt auch internationale Fluggesellschaften zu kostspieligen Anpassungen ihrer Flottenstrategien. Durch die verzögerte Bereitstellung neuer Kapazitäten geraten Fluggesellschaften gegenüber dem europäischen Konkurrenten Airbus unter Druck, der in mehreren Marktsegmenten signifikante Marktanteile hält.