Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing rechnet ab dem Jahr 2026 mit einer deutlichen Steigerung der Auslieferungen seiner Schlüsselmodelle 737 und 787. Diese Entwicklung soll maßgeblich zur finanziellen Erholung und zur Steigerung des Cashflows beitragen. Dies erklärte Jay Malave, Executive Vice President of Finance und Chief Financial Officer (CFO) von Boeing, während einer Präsentation auf der UBS Global Industrials & Transportation Conference am 2. Dezember 2025.
Malave bestätigte, dass der Hochlauf der 737-Produktion im Zeitplan liege und die jüngst erteilte Genehmigung zur Produktionssteigerung nun greife. Nach Jahren operativer Herausforderungen, die von Produktionsverzögerungen und intensiver behördlicher Überprüfung geprägt waren, setzt Boeing nun auf eine Stabilisierung der Fertigungssysteme, um die hohe Nachfrage am globalen Markt effizient zu bedienen und die Liquidität des Unternehmens zu stärken. Die erwartete Zunahme der Auslieferungen markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur vollständigen Wiederherstellung der operativen Leistungsfähigkeit des Unternehmens.
Geplanter Hochlauf der 737-Produktion
Die Steigerung der Auslieferungszahlen ist direkt an den Erfolg des geplanten Hochlaufs der 737-Produktion geknüpft, der laut Jay Malave planmäßig verläuft. Er betonte, dass es einige Monate dauere, bis sich eine erhöhte Produktionskadenz in tatsächlich ausgelieferten Flugzeugen niederschlage. Während der Monat November 2025 bei den Auslieferungen noch verhalten ausfallen dürfte, lägen die Produktions-Rollouts des Unternehmens exakt im Rahmen der Erwartungen.
Ein wesentlicher Faktor für diesen Optimismus ist die jüngste behördliche Freigabe. Im Oktober 2025 hatte die Federal Aviation Administration (FAA) die Beschränkung aufgehoben, die die Produktion der 737 Max auf maximal 38 Flugzeuge pro Monat limitierte. Diese regulatorische Entscheidung ermöglichte es Boeing, die Fertigungsrate schrittweise auf 42 Jets pro Monat zu erhöhen. Malave zufolge ist zu erwarten, dass diese höhere Produktionsrate ab dem ersten Quartal 2026 zu einem entsprechend gesteigerten Ausstoß an ausgelieferten Flugzeugen führen wird.
Die Strategie des Unternehmens sieht vor, dass das Produktionssystem zunächst für mindestens sechs Monate auf der aktuellen Rate stabilisiert wird, bevor über den nächsten Steigerungsschritt entschieden wird. Dieser Ansatz soll gewährleisten, dass das Team die Prozesse festigt und sich auf den Bruch zur nächsten Rate vorbereiten kann. Die Stabilisierung der Fertigungslinien ist entscheidend, da Produktionsprobleme und daraus resultierende Nachbesserungen in den vergangenen Jahren zu empfindlichen Rückschlägen und hohen Kosten geführt hatten. Die Einhaltung dieser disziplinierten Produktionsstrategie ist somit ein Schlüsselindikator für die operative Gesundheit Boeings.
Der Ausblick für die Liefermengen in 2026
Die Prognose für 2026 ist durch die erwartete Steigerung der Liefervolumina sowohl für die 737 als auch für die 787 gekennzeichnet. Malave hob hervor, dass die Zahl der Auslieferungen im kommenden Jahr deutlich zunehmen werde. Ein wichtiger Unterschied zum Jahr 2025 liegt jedoch in der Quelle der ausgelieferten Flugzeuge.
Im Jahr 2025 entstammten laut Malave rund 50 der 737-Auslieferungen aus bestehenden Lagerbeständen. Diese Flugzeuge waren vorübergehend geparkt worden, oftmals aufgrund von Produktionsverzögerungen oder als Folge der grounding-bedingten Nachbesserungen. Für 2026 erwartet Boeing, dass kaum noch oder gar keine Flugzeuge mehr aus dem Inventar stammen werden. Die steigenden Auslieferungszahlen im nächsten Jahr werden demnach fast vollständig auf neue Produktion zurückzuführen sein, was ein klares Zeichen für ein funktionierendes und hochgefahrenes Fertigungssystem ist.
Die Hochlaufstrategie der 787, die in den vergangenen Jahren von strukturellen Problemen und langen Prüfprozessen der FAA betroffen war, trägt ebenfalls zur erwarteten Steigerung bei. Nachdem die Auslieferungen der 787 teilweise über ein Jahr lang ausgesetzt waren, hat Boeing die Fertigungsstandards überarbeitet und die Produktion wieder aufgenommen. Die erwartete Zunahme der Auslieferungen sowohl der 737 als auch der 787 soll die finanzielle Wiederherstellung Boeings insgesamt unterstützen.
Herausforderungen und der Faktor 737-10
Trotz des insgesamt positiven Ausblicks dämpfte Malave die Erwartungen bezüglich eines spezifischen Modells. Er merkte an, dass die Auslieferungen der 737-10 im Jahr 2026 hinter der eigentlichen Produktion zurückbleiben könnten. Grund dafür ist die erwartete behördliche Zertifizierung, die voraussichtlich erst im späteren Jahresverlauf 2026 erfolgen wird. Die 737-10 ist die längste Variante der 737-Max-Familie und trägt einen signifikanten Anteil zum Auftragsbuch von Boeing bei. Verzögerungen bei der Zertifizierung sind ein wiederkehrendes Thema für neue Flugzeugtypen und können die Auslieferungsströme temporär beeinträchtigen, selbst wenn das Flugzeug in der Fertigung bereits weit fortgeschritten ist. Flugzeuge können erst nach finaler Zertifizierung an die Kunden übergeben werden.
Die Gesamtzahl der Auslieferungen der 737- und 787-Modelle soll jedoch trotz des erwarteten Rückgangs der Inventarflugzeuge und der möglichen Verzögerung der 737-10 insgesamt ansteigen. Die Verschiebung von der Bestandsverwertung hin zur Abnahme neuer Produktion ist ein entscheidender Schritt zur Normalisierung der Geschäftstätigkeit.
Finanzielle Auswirkungen und Cashflow-Management
Die Fokussierung auf die Steigerung der Auslieferungen ist eng mit der finanziellen Gesundung Boeings verbunden. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren erhebliche Liquiditätsabflüsse aufgrund von Entschädigungszahlungen an Kunden, Kosten für Produktionsfehler und die Aufrechterhaltung geparkter Flugzeuge verbucht. Flugzeuge stellen erst bei der Auslieferung einen erheblichen Cash-inflow für den Hersteller dar. Die erwartete Zunahme der Auslieferungen ab 2026 soll diesen Trend umkehren.
Malave unterstrich, dass der erwartete Anstieg der Auslieferungen die finanzielle Erholung Boeings unterstützen werde. Der Cashflow gilt als einer der kritischsten Kennzahlen für Investoren, da er die Fähigkeit des Unternehmens zur Schuldentilgung, zur Durchführung von Investitionen und zur Rückführung von Kapital an die Aktionäre widerspiegelt. Die Stabilisierung der 737-Max- und 787-Programme ist dabei essenziell, da diese Modelle die größten Umsätze und Margen generieren. Die operative Wiederherstellung durch ein stabiles Produktionssystem und erhöhte Auslieferungsraten ist somit die Grundlage für die finanzielle Erholung des global agierenden Flugzeugbauers. Die Einhaltung der Produktionsziele und die Minimierung weiterer Qualitätsprobleme werden daher auch in den kommenden Jahren im Fokus der Unternehmensführung und der Aufsichtsbehörden stehen.