Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing hat Medienberichten zufolge zusätzliche Flächen im Bridge Point Everett 500 Building A angemietet, einem Gebäudekomplex in unmittelbarer Nähe seines Flugzeugmontagewerks am Paine Field in Everett. Das Unternehmen wird nun insgesamt 25.910 Quadratmeter in der Anlage belegen. Diese Nachricht über die Anmietung weiterer Räumlichkeiten kommt inmitten laufender Personalreduzierungen bei Boeing.
Boeing selbst hat bislang keine Angaben zur beabsichtigten Nutzung der neu angemieteten Flächen gemacht. Zuerst berichtete das unabhängige Immobilienunternehmen Kidder Mathews über die Transaktion. Der Bridge Point Everett 500 Komplex wurde 2023 fertiggestellt und besteht aus drei Lagerhallen mit einer Gesamtfläche von rund 44.410 Quadratmetern. Die Anmietung der zusätzlichen Fläche wirft Fragen auf, da sie zeitgleich mit signifikanten Stellenstreichungen bei dem Flugzeugbauer erfolgt.
Widersprüchliche Signale: Expansion und Stellenabbau in Everett
Im Oktober 2024 kündigte Boeings Vorstandsvorsitzender Kelly Ortberg Pläne an, zehn Prozent der Belegschaft des Unternehmens abzubauen. Die Werke in Everett waren davon bereits betroffen: Laut einem Bericht des Everett Herald verloren im Januar und Februar 2025 in zwei Wellen insgesamt 1.422 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Diese Entlassungen wurden mit Anpassungen an die aktuelle finanzielle Situation und einer stärker fokussierten Prioritätensetzung des Unternehmens begründet.
Der Standort Everett ist bekannt für das größte Produktionsgebäude der Welt nach Volumen, in dem ikonische Flugzeugmodelle wie die Boeing 747, 767, 777 und die 787 Dreamliner montiert wurden. Neben dem Hauptmontagewerk umfaßt das Gelände wichtige Produktionsbereiche wie Lackierereien, eine Startbahn und ein Auslieferungszentrum. Das Hauptgebäude wurde 1967 für die Produktion der Boeing 747 errichtet und erstreckt sich mittlerweile über eine Fläche von rund 398 Hektar mit einem umbauten Raum von etwa 13,4 Millionen Kubikmetern.
Unklare Nutzung der neuen Flächen inmitten von Stellenstreichungen
Einem Bericht des Everett Herald zufolge wäre für eine zukünftige Erweiterung des Geländes eine Genehmigung der Bundesbehörden erforderlich. Im Januar 2025 reichte Boeing einen Antrag auf Genehmigung zum Bau eines Konferenzraums, eines Pausenraums für Mitarbeiter, eines Datenraums und offener Büroflächen ein. Elliott Krivenko, Direktor für Marktanalysen beim Immobilienanalyseunternehmen CoStar in Seattle, äußerte gegenüber dem Everett Herald sein Unverständnis über die Notwendigkeit neuer Flächen angesichts der gleichzeitigen Entlassungen.
Die Ende 2024 angekündigte Reduzierung der Belegschaft um zehn Prozent bedeutet den Abbau von etwa 15.000 Arbeitsplätzen. Diese Entscheidung folgte auf die Ankündigung des Unternehmens, den Start seines mit Spannung erwarteten Boeing 777X Programms auf 2026 zu verschieben. Zudem sah sich Boeing mit wochenlangen Arbeitskämpfen von rund 30.000 Mechanikern konfrontiert, was die Produktion der 737 MAX Serie erheblich beeinträchtigte. Trotz dieser Herausforderungen und eines Verlusts von fast 12 Milliarden Dollar im Jahr 2024 konnte Boeing im ersten Quartal 2025 eine Umsatzsteigerung auf 19,5 Milliarden Dollar bei 130 ausgelieferten Flugzeugen verzeichnen, und die Produktion der Boeing 737 soll schrittweise auf 38 Einheiten pro Monat im Jahr 2025 gesteigert werden.