Die größte Angestelltengewerkschaft beim US-Flugzeugbauer Boeing, die Society of Professional Engineering Employees in Aerospace (SPEEA), hat einem nachgebesserten Tarifvertrag zugestimmt und damit einen drohenden Arbeitskampf abgewendet.
An der Abstimmung beteiligten sich rund 17.000 Vertretene aus den beiden eigenständigen Einheiten der Gewerkschaft. In der Einheit der Ingenieure und Wissenschaftler votierten rund 68 Prozent für die Annahme, während die Vertretung der technischen Fachkräfte mit über 53 Prozent der Stimmen zustimmte. Der neue Vierjahresvertrag sichert den Beschäftigten ab Oktober eine garantierte Lohnerhöhung von zehn Prozent sowie nachfolgende jährliche Festanpassungen von vier Prozent plus leistungsabhängige Boni.
Das Ergebnis der Urabstimmung bringt für die Konzernführung maßgebliche Erleichterung, da die bisherigen Vereinbarungen am 6. Oktober auslaufen und bereits ab dem 7. Oktober Streikmaßnahmen möglich gewesen wären. Ein Arbeitskampf hätte die laufenden Zulassungsverfahren für die seit Längerem verzögerten Flugzeugmuster 737 MAX 10 und 777X schwer belastet. Da die bei der SPEEA organisierten Ingenieure und Techniker Schlüsselpositionen bei der Zertifizierung, der Qualitätskontrolle und der Produktionsbetreuung besetzen, hätte eine Arbeitsniederlegung die angestrebte Erhöhung der Auslieferungsraten direkt blockiert.
Vorausgegangen war eine monatelange Tarifauseinandersetzung, in deren Verlauf die Gewerkschaftsmitglieder im August ein erstes Angebot des Managements mit großer Mehrheit abgelehnt und vorsorglich ein Streikmandat erteilt hatten. Das Verhandlungsteam der SPEEA betonte nach der Annahme, dass der erzielte Kompromiss ein wichtiger Schritt sei, um den Einfluss der Fachkräfte im Unternehmen zu stärken und das in den vergangenen Jahren geschwächte Vertrauen zwischen Belegschaft und Führung schrittweise wiederaufzubauen. Auch die Boeing-Manningseite äußerte sich zufrieden und verwies auf die Notwendigkeit, Verlässlichkeit gegenüber den Fluggesellschaften wiederherzustellen.