Boeing 737 Max (Foto: Jan Gruber).
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Boeing plant schrittweise Erhöhung der 737 Max Produktion

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Der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing bereitet sich darauf vor, die Produktionsrate für sein meistverkauftes Schmalrumpfflugzeug, die 737 Max Familie, schrittweise anzuheben. Berichten zufolge plant das Unternehmen, die derzeit von der Aufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) festgelegte Obergrenze von 38 auf 42 Jets pro Monat bereits ab Oktober 2025 zu erhöhen.

Diese geplante Beschleunigung der Fertigung ist ein zentraler Bestandteil von Boeings Bemühungen, seine finanzielle Situation zu verbessern und Schulden abzubauen. Die Umsetzung der Pläne ist jedoch strikt an die Zustimmung der FAA gebunden, die sicherstellen muss, dass der Hersteller die höhere Produktion in seinen Werken im Raum Seattle aufrechterhalten kann, ohne die Qualität und Sicherheit zu beeinträchtigen. Nach einer Übergangsphase von etwa sechs Monaten bei der Rate von 42 Einheiten pro Monat plant Boeing weitere Steigerungen, die bis Ende des Jahres 2026 zu einer Produktionsrate von rund 53 Jets monatlich führen könnten.

Produktionsanstieg zur finanziellen Entlastung

Die Erhöhung der Produktionszahlen ist für Boeing von entscheidender Bedeutung, um die angespannte Liquiditätslage zu entspannen, die unter anderem durch die Folgen des Startverbots der 737 Max und die jüngsten Qualitätsprobleme entstanden ist. Unternehmensvertreter haben mehrfach angedeutet, dass sich der Cashflow des Herstellers mit der Beschleunigung der 737-Produktion spürbar verbessern wird. Die Fertigung von Verkehrsflugzeugen erfordert erhebliche Vorauszahlungen, und die endgültige Begleichung der Kaufpreise durch die Kunden erfolgt meist erst bei der Auslieferung. Eine höhere Auslieferungsrate führt somit direkt zu einem erhöhten Mittelzufluss, der für die Schuldentilgung und die allgemeine finanzielle Stabilität des Unternehmens unerlässlich ist.

Der Plan sieht vor, die Rate von 42 Jets pro Monat für etwa sechs Monate beizubehalten. Diese bewusste Übergangsphase soll sicherstellen, dass sowohl die Mechaniker in den Montagewerken als auch die globalen Zulieferer nicht überfordert werden und die Produktionssteigerung, die einer zusätzlichen Boeing 737 Max pro Woche entspricht, qualitativ einwandfrei bewältigt werden kann. Anschließend sind Berichten zufolge weitere Steigerungen für April 2026 und Ende 2026 vorgesehen, um die geplante Rate von 53 Flugzeugen pro Monat zu erreichen.

Die zentrale Rolle der FAA-Aufsicht

Der entscheidende Engpass bei diesen ambitionierten Plänen ist die Genehmigung der FAA. Die US-Aufsichtsbehörde hatte die Produktionsrate von Boeing auf die aktuelle Obergrenze von 38 Jets pro Monat festgesetzt. Diese Begrenzung wurde als direkte Reaktion auf den schweren Vorfall vom 5. Januar 2024 verhängt, bei dem während eines Fluges einer Alaska Airlines 737 Max 9 kurz nach dem Start ein Kabinen-Türverschluss herausgerissen wurde.

Die FAA hat seit dem Vorfall ihre Präsenz und Aufsicht in Boeings Produktionsstätten massiv verstärkt. Ein FAA-Sprecher betonte, dass Sicherheit alle Entscheidungen der Behörde leitet. Die FAA werde die Produktionsprozesse von Boeing weiterhin überwachen und eng mit dem Unternehmen zusammenarbeiten, um zu beurteilen, ob eine sichere Erhöhung der Produktion möglich ist. Die Behörde muss die Gewissheit erlangen, dass Boeing seine Produktionsprozesse nachhaltig verbessert hat und eine höhere Auslastung nicht auf Kosten der Fertigungsqualität geht.

Ein wichtiges Signal in Bezug auf das Vertrauen der FAA in Boeing war die jüngste teilweise Wiederherstellung der Zertifizierungsbefugnis für die Ausstellung von Lufttüchtigkeitszeugnissen für die 737 Max und die 787 Dreamliner. Dies bedeutet, dass Boeing nun wieder in Absprache mit der FAA neue Flugzeuge zertifizieren darf, während die Bundesinspektoren weiterhin in den Werken präsent bleiben. Diese eingeschränkte Rückübertragung von Befugnissen deutet darauf hin, dass die FAA eine schrittweise Normalisierung des Verhältnisses anstrebt, jedoch die endgültige Kontrolle über die Produktion weiterhin engmaschig beibehalten wird.

Marktposition und die Zukunft der 737 Max

Trotz der jüngsten Qualitätsprobleme und der damit verbundenen behördlichen Auflagen bleibt die Boeing 737 Max ein tragender Pfeiler des globalen Luftverkehrs und der kommerziellen Strategie von Boeing. Das Unternehmen verfügt über einen gigantischen Auftragsbestand für das Modell, dessen Abarbeitung essenziell für die Erfüllung der Kundenanforderungen und die Rückkehr zu einer stabilen Marktführerschaft ist. Die Wettbewerbssituation mit dem europäischen Rivalen Airbus, der seine Produktion ebenfalls intensiviert, erhöht den Druck auf Boeing, die Fertigung so schnell wie möglich zu steigern.

Die Diskussion um die Zukunft der 737 Max wurde kürzlich durch Berichte des Wall Street Journal am 30. September 2025 befeuert, wonach Boeing mit der Entwicklung eines Nachfolgemodells für die 737 Max begonnen habe. Das Unternehmen wies diese Berichte umgehend als irreführend zurück. Dennoch ist klar, dass Flugzeughersteller stets langfristige Entwicklungen im Auge haben müssen. Die 737-Baureihe, deren Ursprünge bis in die 1960er Jahre zurückreichen, ist im Vergleich zu den modernen Konkurrenzmodellen von Airbus, wie der A320neo-Familie, in einigen Bereichen als älter anzusehen. Eine Produktionssteigerung der Max ist jedoch kurz- und mittelfristig der einzige Weg, die Marktposition zu sichern und die Kunden zu bedienen. Die schrittweise Erhöhung der Produktionsrate ist somit ein Balanceakt zwischen dem ökonomischen Zwang zur Beschleunigung und der behördlichen Verpflichtung zur Qualitätssicherung. Der Erfolg von Boeings Plänen wird maßgeblich davon abhängen, ob das Unternehmen in der Lage ist, die von der FAA geforderte Qualitätskonsistenz bei der erhöhten Ausbringungsmenge nachzuweisen und dauerhaft aufrechtzuerhalten.

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