Boeing 787-8 (Rendering: Boeing).
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Boeing schließt „Schattenfabrik“ in Everett und konzentriert sich auf den Produktionshochlauf der 787 in Charleston

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Im April 2025 machte Boeing eine bedeutende Entscheidung im Zusammenhang mit der Produktion des Langstreckenflugzeugs 787 Dreamliner. Nach jahrelangen Qualitätsproblemen und einer Verlagerung der Endmontage in das Werk in Charleston, South Carolina, hat der Flugzeugbauer nun das Stammwerk in Everett, Washington, endgültig aus dem Produktionsprozess der 787 entfernt. Die sogenannten „Schattenfabrik“-Aktivitäten, bei denen in Everett noch weiterhin Nacharbeiten und Qualitätsprüfungen an der 787 durchgeführt wurden, gehören nun der Vergangenheit an. Boeing konzentriert sich nun vollständig auf die Endmontage und den Produktionshochlauf im Werk Charleston, was einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Unternehmens darstellt.

Bereits seit 2021 wird die Endmontage der Boeing 787 ausschließlich im Werk in Charleston durchgeführt. Der Standort in South Carolina hatte die Produktion nach und nach übernommen, während in Everett noch weiterhin Personal und Anlagen für Qualitätsprüfungen und Korrekturarbeiten an der 787 vorgehalten wurden. Diese Übergangsphase, die von vielen als „Schattenfabrik“ bezeichnet wurde, war notwendig, um die Fertigungslinien in Charleston zu stabilisieren und zu optimieren, nachdem die 787-Produktion aufgrund von Qualitätsproblemen ins Stocken geraten war.

Boeing-CEO Kelly Ortberg bestätigte nun, dass das Unternehmen die letzten 787-Montagen in Everett abgeschlossen hat. „Mit der Überprüfung der letzten 787 in Everett sind wir nun in der Lage, die Schattenfabrik zu schließen und die darin gebundenen Mitarbeiter und Anlagen neuen Aufgaben zuzuweisen“, sagte Ortberg in einer Erklärung nach der Vorlage der Quartalsbilanz des Unternehmens. Dies bedeutet, dass Boeing nun auch die letzte Brücke zwischen der alten Produktionsstätte in Everett und dem neuen Hauptproduktionsstandort in Charleston abgebaut hat.

Qualitätsprobleme und ihre Folgen

Die Entscheidung zur Verlagerung der 787-Produktion nach Charleston war nicht ohne Grund. Das Flugzeugprogramm der 787 war in den letzten Jahren von wiederholten Qualitätsproblemen geplagt. Montagefehler in verschiedenen Bereichen des Flugzeugs, insbesondere an der CFK-Hecksektion, den Druckschotten und den Dekompressionspaneelen, führten zu wiederholten Verzögerungen. Auch die Cockpitfenster wiesen Mängel auf, die umfangreiche Nacharbeiten erforderten.

Eine Untersuchung von Boeing und externen Stellen deckte zudem Fehler bei den zentralen Lieferanten auf. In der Vergangenheit mussten bereits fertig montierte 787-Flugzeuge vor der Auslieferung einer behördlich beaufsichtigten Nachbearbeitung unterzogen werden, was den Produktionsfluss erheblich beeinträchtigte. Dies führte dazu, dass sich die Auslieferung von Dreamlinern bei Boeing in einzelnen Phasen staute. Bis zu 100 Flugzeuge lagen teilweise monatelang auf dem Werksgelände in Everett, was das Unternehmen zusätzlich belastete.

In den letzten Monaten sind jedoch Fortschritte in der Qualitätssicherung zu verzeichnen. Aus verschiedenen Quellen, darunter auch Kundenkreise, wird berichtet, dass Boeing mittlerweile in der Lage ist, die Produktionsprobleme in den Griff zu bekommen. Das Unternehmen hat die Qualitätssicherung erheblich verbessert und die Zahl der Nacharbeiten, die an fertigen Flugzeugen durchgeführt werden müssen, deutlich reduziert.

Der behutsame Produktionsausbau

Die Probleme mit der 787-Produktion hatten ihren Ursprung vor allem im zu schnellen Produktionshochlauf, den Boeing vor der Krise anstrebte. Noch vor der Pandemie hatte Boeing die Produktionsrate der 787 auf bis zu 14 Flugzeuge pro Monat hochgeschraubt, was sich als problematisch herausstellte. Die Überforderung der Produktionslinien führte zu den massiven Qualitätsmängeln, die das Programm belasteten.

Seitdem hat das Unternehmen den Produktionsausbau langsamer angegangen. Derzeit werden in Charleston nur etwa fünf 787-Flugzeuge pro Monat produziert. Boeing-Chef Ortberg erklärte jedoch, dass das Unternehmen fest entschlossen sei, die Produktion in diesem Jahr auf eine Rate von sieben Maschinen pro Monat zu erhöhen, vorausgesetzt, die Kennzahlen des Produktionssystems ermöglichen dies. Ein vorsichtiger Produktionshochlauf soll sicherstellen, dass die Qualität des Endprodukts nicht erneut unter den Anforderungen der Produktionsgeschwindigkeit leidet.

Für das laufende Jahr erwartet Boeing rund 80 Auslieferungen des Dreamliners. Dies markiert einen wichtigen Meilenstein für das Unternehmen, das nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre wieder zu einer stabileren Produktion und Auslieferung zurückkehren möchte. Der Dreamliner bleibt ein Schlüsselprodukt für Boeing, insbesondere im Bereich der Langstreckenflüge, und soll in den kommenden Jahren einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Erholung des Unternehmens leisten.

Ausblick: Boeing auf dem Weg der Erholung

Die endgültige Verlagerung der Produktion der 787 nach Charleston stellt einen weiteren Schritt auf dem Weg von Boeing zurück zu einem stabilen Produktionsprozess dar. Während die Probleme der Vergangenheit nicht einfach zu überwinden waren, scheint das Unternehmen nun besser gerüstet, um die hohen Anforderungen an die Qualität der 787 zu erfüllen. Der behutsame Produktionsausbau und die konsolidierten Fertigungskapazitäten in Charleston könnten es Boeing ermöglichen, die Nachfrage nach dem Dreamliner in den kommenden Jahren zu decken und gleichzeitig die Produktionskosten zu optimieren.

In einer Branche, die von ständigen Innovationen und Wettbewerb geprägt ist, könnte der erfolgreiche Neustart des 787-Programms für Boeing einen entscheidenden Vorteil bringen. Der Dreamliner gilt als eines der technologisch fortschrittlichsten Flugzeuge seiner Klasse und könnte langfristig eine wichtige Rolle für das Unternehmen spielen, insbesondere wenn die Airline-Branche nach den schwierigen Pandemiejahren wieder in den Aufschwung übergeht.

Die Schließung der „Schattenfabrik“ in Everett und der Fokus auf die Produktion in Charleston sind ein symbolisches Zeichen für den Neuanfang bei Boeing. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob das Unternehmen diese Phase als Gelegenheit nutzen kann, um die 787-Produktion in eine stabile und erfolgreiche Zukunft zu führen.

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1 Comment

  • matekochkoch , 26. Juli 2025 @ 12:38

    War es nicht ausgerechnet das Werk in Charleston, dass die großen Qualitätsprobleme hatte. Der Grund der Verlagerung ist wohl eher der höhere Anteil an gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern in Everett.

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