Der Luftfahrtgigant Boeing hat den im April 2025 angekündigten Verkauf wesentlicher Teile seines Geschäftsbereichs Digital Aviation Solutions an die Private-Equity-Gesellschaft Thoma Bravo erfolgreich abgeschlossen. Die Transaktion, die ein Volumen von 10,55 Milliarden US-Dollar in bar umfasst, wurde nach Erhalt aller behördlichen Genehmigungen am 3. November 2025 finalisiert. Zu den veräußerten Unternehmen gehören branchenbekannte Namen wie Jeppesen, ForeFlight, AerData und OzRunways.
Diese digitalen Einheiten werden unter dem Dach des neuen, unabhängigen Unternehmens Jeppesen ForeFlight weitergeführt, das seinen Hauptsitz in Denver und San Francisco haben wird. Die neue Gesellschaft wird von Brad Surak geleitet, der zuvor Leiter der Digital Aviation Solutions bei Boeing war. Für Boeing markiert der Verkauf einen entscheidenden Schritt in der strategischen Konzentration auf das Kerngeschäft der Flugzeugherstellung und der zugehörigen Wartungs- und Diagnosedienste. Das Unternehmen verspricht sich von der Veräußerung eine Stärkung der Bilanz und eine Entschuldung, was zur Wiederherstellung des angestrebten Investment-Grade-Ratings beitragen soll.
Neuausrichtung auf das Kerngeschäft
Der Verkauf der Digital Aviation Solutions ist eine der größten Desinvestitionen von Boeing in den letzten Jahren und spiegelt die klare Absicht des Managements wider, die Unternehmensstruktur zu vereinfachen und sich auf die profitabelsten und strategisch wichtigsten Bereiche zu fokussieren. Der Erlös aus dem Verkauf dient primär der Verbesserung der finanziellen Situation des Konzerns.
Kelly Ortberg, President und Chief Executive Officer von Boeing, betonte bereits bei der Ankündigung im April, dass die Transaktion eine „wichtige Komponente der Strategie“ sei, die auf die Konzentration auf das Kerngeschäft und die Priorisierung der Kreditwürdigkeit abzielt. Durch die Stärkung der Bilanz soll die finanzielle Widerstandsfähigkeit des Unternehmens erhöht werden, was nach turbulenten Jahren infolge verschiedener Krisen als oberstes Ziel gilt.
Boeing wird allerdings digitale Dienstleistungen beibehalten, die direkt mit der Flottenwartung, der Diagnose und der Reparatur für zivile und militärische Kunden verbunden sind. Diese operativen Einheiten verbleiben unter der Leitung von Chris Raymond innerhalb des Geschäftsbereichs Boeing Global Services. Raymond bekräftigte, dass dieser Schritt es allen Teilen des digitalen Portfolios ermögliche, sich auf ihre jeweiligen Stärken zu konzentrieren, und unterstrich das unerschütterliche Engagement von Boeing, die Bedürfnisse der Kunden hinsichtlich der Flottenbetreuung weiterhin zu erfüllen.
Jeppesen ForeFlight: Die Geburt eines Software-Schwergewichts
Die neu gegründete Jeppesen ForeFlight vereint die historische Stärke Jeppesens im Bereich aeronautischer Daten und Navigation mit der modernen Technologie von ForeFlight für mobile und webbasierte Flugplanung. Jeppesen, mit einer Geschichte von über 90 Jahren, gilt als Goldstandard für Navigationsdaten und Kartenmaterial in der Luftfahrt, während ForeFlight in den letzten Jahren eine führende Rolle bei mobilen Cockpit-Lösungen eingenommen hat.
Der neue Geschäftsführer Brad Surak hob hervor, dass diese Kombination die „vereinteste und intuitivste Plattform in der Luftfahrt“ schaffen werde. Die Rückkehr zur Unabhängigkeit und die Partnerschaft mit Thoma Bravo soll es dem Unternehmen ermöglichen, „schneller zu handeln, größer zu denken und innovativer zu sein“. Das neue Unternehmen wird weiterhin die kommerzielle Luftfahrt, die Geschäftsfliegerei, das Militär und die allgemeine Luftfahrt weltweit bedienen.
Thoma Bravo: Ein Private-Equity-Gigant setzt auf Software
Der Käufer, Thoma Bravo, ist eine führende Private-Equity-Firma, die sich auf Investitionen in Software- und Technologieunternehmen spezialisiert hat und Vermögenswerte von über 181 Milliarden US-Dollar verwaltet. Die Übernahme der Digital Aviation Solutions markiert eine strategische Wette auf das Wachstumspotenzial von Luftfahrt-Software und Datenanalyse.
Holden Spaht, Managing Partner bei Thoma Bravo, äußerte sich begeistert über den Abschluss der Transaktion und die Unterstützung von Jeppesen ForeFlight als eigenständiges Unternehmen mit „signifikanten Wachstumschancen“. Das Private-Equity-Unternehmen plant, die Fähigkeiten der neuen Firma durch gezielte Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI), integrierte Operations-Tools und potenzielle strategische Akquisitionen zu erweitern. Scott Crabill, ebenfalls Managing Partner bei Thoma Bravo, bezeichnete Jeppesen ForeFlight als ein „Weltklasse-Vertikal-Software- und Datengeschäft“, das eine kritische Rolle in der Luftfahrt spielt. Ziel ist es, die Innovation voranzutreiben und die nächste Phase des globalen Wachstums zu beschleunigen.
Die Übernahme von Teilen der Boeing-Software durch einen Technologie-Investmentfonds unterstreicht den wachsenden Wert von Daten und Software im Luftfahrtökosystem. Diese spezialisierte Management-Struktur soll die notwendige Agilität und den Fokus bieten, um in einem sich schnell entwickelnden Technologiemarkt erfolgreich zu sein.
Personalübergang und finanzielle Auswirkungen
Der Verkauf betrifft einen Großteil der rund 3.900 Mitarbeiter, die dem Geschäftsbereich Digital Aviation Solutions angehörten. Beide Unternehmen haben eng zusammengearbeitet, um einen nahtlosen Übergang für die Mitarbeiter und die weltweite Kundenbasis zu gewährleisten. Die Mitarbeiter, die nun zu Jeppesen ForeFlight wechseln, profitieren von den Wachstumsaussichten eines technologieorientierten, unabhängigen Unternehmens, das von einem finanzstarken Private-Equity-Partner unterstützt wird.
Die finanziellen Auswirkungen des abgeschlossenen Verkaufs, insbesondere auf die Bilanz und die Reduzierung der Schulden, wird Boeing im Detail im Rahmen der nächsten Quartalsberichterstattung darlegen. Die Transaktion gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zur finanziellen Konsolidierung und zur strategischen Schärfung des Unternehmensprofils von Boeing als fokussierter Hersteller von Flugzeugen und Anbieter von Kernwartungsdienstleistungen. Die strategische Trennung von einem großen Software- und Datensegment ermöglicht es Boeing, die Ressourcen dort zu konzentrieren, wo das Unternehmen seine größten Wettbewerbsvorteile sieht: in der Entwicklung und Fertigung von Flugzeugen.