Boeing 737 Max (Foto: Jan Gruber).
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Boeing stabilisiert Flugzeugauslieferungen und übertrifft Vorjahresleistung

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Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing hat im Oktober 2025 insgesamt 53 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert. Diese Zahl liegt leicht unter den 55 Auslieferungen im Vormonat September, signalisiert jedoch eine deutliche Erholung der Produktionskapazitäten im Jahresvergleich. Im Gegensatz dazu meldete der europäische Hauptkonkurrent Airbus im selben Monat 78 Auslieferungen und festigte damit seine Führungsposition im monatlichen Lieferwettbewerb.

Die Zahlen für Oktober zeigen, dass Boeing seine Produktion nach turbulenten Jahren, die von einem Streik, einer umfassenden Sicherheitskrise und globalen Lieferkettenproblemen geprägt waren, stabilisieren konnte. Die Mehrheit der ausgelieferten Flugzeuge im Oktober entfiel auf die Schlüsselbaureihe 737 Max, deren Produktion kürzlich durch die Aufhebung einer behördlichen Obergrenze gesteigert werden durfte. Trotz der geringeren monatlichen Auslieferungszahlen im Vergleich zu Airbus führt Boeing das Jahresrennen um die Nettoaufträge.

Aufschwung nach dem Streik und Produktionsfokus

Die 53 ausgelieferten Flugzeuge im Oktober 2025 stellen eine signifikante Steigerung gegenüber dem Vorjahresmonat dar. Im Oktober 2024 hatte Boeing lediglich 14 Flugzeuge ausliefern können. Dieser drastische Rückgang war hauptsächlich auf einen siebenwöchigen Streik der Fabrikarbeiter an der US-Westküste zurückzuführen, der die Montagebänder stark beeinträchtigte.

Bis zum Ende des Oktobers 2025 konnte Boeing in diesem Jahr bereits 493 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden übergeben. Damit hat der Hersteller die Gesamtzahl der Auslieferungen des gesamten Jahres 2024 (348 Flugzeuge) bereits deutlich übertroffen, was auf eine starke Erholung der Produktionslinien und die Bewältigung früherer logistischer Engpässe hindeutet.

Die Auslieferungen im Oktober waren in erster Linie vom Kurz- und Mittelstreckenflugzeug 737 Max dominiert, von dem 39 Exemplare an Kunden gingen. Das Portfolio umfasste ferner drei 787-10 und vier 787-9, zwei Frachtflugzeuge vom Typ 777F, zwei 767-300F Frachter sowie zwei militärische Tankflugzeuge (767-2C) und ein weiteres militärisches Spezialflugzeug (737-800A). Die Konzentration auf die 737 Max ist entscheidend, da dieses Modell das Rückgrat der Auftragsbücher bildet und die größte Einnahmequelle darstellt.

Regulatorischer Fortschritt bei der 737 Max

Ein wichtiger Meilenstein für die Produktionsgeschwindigkeit von Boeing wurde im Oktober 2025 erreicht, als die Federal Aviation Administration (FAA) die zuvor auferlegte Obergrenze für die Produktion der 737 Max aufhob. Diese Beschränkung, die zuvor auf 38 Flugzeuge pro Monat festgelegt war, war im Zuge verschärfter Qualitätskontrollen nach den Sicherheitsproblemen der vergangenen Jahre verhängt worden. Die Aufhebung erlaubt es dem Hersteller nun, die Produktion schrittweise auf 42 Jets pro Monat zu erhöhen.

Dieser regulatorische Schritt ist von erheblicher Bedeutung für die Fähigkeit Boeings, den massiven Auftragsbestand von aktuell 6.534 unbefüllten Bestellungen abzuarbeiten, von denen 4.777 auf die 737-Familie entfallen. Die Steigerung der Produktionsrate ist essenziell, um die finanziellen Ziele des Unternehmens zu erreichen und die Wartezeiten für Fluggesellschaften zu verkürzen. Analysten erwarten, dass Boeing die Produktionsrate weiter steigern muss, um mit der aggressiven Fertigung von Airbus konkurrieren zu können, welche die Produktion der A320-Familie ebenfalls kontinuierlich hochfährt.

Auftragsbilanz: Boeing liegt im Jahresverlauf vorn

Obwohl der Oktober 2025 für Boeing im Hinblick auf neue Bestellungen relativ ruhig verlief – es wurden lediglich Aufträge für 15 Flugzeuge (sieben 787-9, sechs 737 Max und zwei weitere 737 Max) verbucht –, weist die Gesamtbilanz des Jahres 2025 eine robuste Nachfrage aus. Bis Ende Oktober erreichte die Gesamtzahl der Bruttobestellungen für Verkehrsflugzeuge bei Boeing 836.

Im direkten Vergleich dazu verzeichnete Airbus im Oktober 2025 112 neue Bestellungen – ein deutlicher Unterschied zum amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem liegt Airbus mit 722 Bruttobestellungen im Jahresverlauf 2025 leicht hinter Boeing zurück. Dieses Bild verdeutlicht die volatile Natur der Großaufträge in der Luftfahrtindustrie; große Bestellungen können die monatliche Bilanz schnell zugunsten eines Herstellers verschieben.

Airbus dominiert die Auslieferungen und setzt Meilensteine

Die anhaltend stärkere monatliche Auslieferungsleistung von Airbus im Vergleich zu Boeing spiegelt die aktuellen Herausforderungen in der Boeing-Produktion und die stabilere Lieferkette des europäischen Herstellers wider. Airbus konnte die Lücke, die durch die zeitweiligen Probleme bei Boeing entstanden ist, konsequent nutzen und seine Position als weltweit größter Flugzeughersteller nach Auslieferungen festigen.

Ein bedeutender historischer Meilenstein wurde im Oktober 2025 erreicht, als die Airbus A320-Familie die Boeing 737 in Bezug auf die insgesamt ausgelieferten Flugzeuge als meistverkauften Verkehrsjet aller Zeiten überholte. Dieser Meilenstein wurde mit der Auslieferung eines A320neo an die saudi-arabische Fluggesellschaft flynas erreicht. Dieses Ereignis markiert das erste Mal in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt, dass die A320-Serie die 737-Serie in der Gesamtanzahl der ausgelieferten Exemplare einer einzelnen Jetliner-Familie übertroffen hat. Die 737, die seit ihrer Einführung in den 1960er Jahren die Branche dominierte, muss nun die Vorherrschaft an das jüngere europäische Konkurrenzmodell abtreten. Dieser Erfolg von Airbus unterstreicht die tiefgreifenden Verschiebungen im globalen Flugzeugbau und die technologische Relevanz der A320neo-Familie.

Der Wettbewerb zwischen Boeing und Airbus bleibt in Bezug auf Aufträge und Auslieferungen intensiv. Während Boeing einen wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Produktionskapazitäten unternimmt und im Auftragsbuch des Jahres führt, muss das Unternehmen weiterhin hart arbeiten, um die Auslieferungsraten signifikant zu steigern und langfristig mit der stabilen und hohen Fertigungsrate von Airbus mithalten zu können. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Boeing die angekündigte Steigerung der 737-Max-Produktion erfolgreich umsetzen und damit den Abstand zu seinem europäischen Rivalen verringern kann.

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