Boeing Logo (Foto: Sven Piper/Unsplash).
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Boeing und die Gewerkschaft IAM: Neues Vertragsangebot soll Streik in St. Louis abwenden

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Die Spannungen zwischen dem Luftfahrtgiganten Boeing und seiner Belegschaft in St. Louis haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach der überwältigenden Ablehnung eines ersten Vertragsangebots hat das Unternehmen eine modifizierte Offerte vorgelegt, die einen möglichen Streik in letzter Minute abwenden soll.

Die 3.200 Mitarbeiter, die in der Verteidigungssparte von Boeing in St. Louis Kampfflugzeuge herstellen, haben am 3. August 2025 über das revidierte Angebot abgestimmt. Das neue Angebot beinhaltet wesentliche Zugeständnisse von Boeing, insbesondere in den Bereichen Arbeitszeitgestaltung und Altersvorsorge, die auf die Kritik der Gewerkschaft reagieren.

Die Eskalation: Vom abgelehnten Angebot zum Streikaufruf

Die Verhandlungen zwischen Boeing und der Gewerkschaft IAM, Distrikt 837, die 3.200 Facharbeiter in der Rüstungsfabrik in St. Louis vertritt, dauern bereits seit Längerem an. Der bisherige Tarifvertrag war Ende Juli ausgelaufen, und die Belegschaft hatte am 27. Juli 2025 ein erstes Vertragsangebot des Unternehmens mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Gewerkschaft begründete die Ablehnung damit, daß das Angebot „den Prioritäten und Opfern der qualifizierten IAM-Gewerkschaftsmitarbeiter nicht gerecht wurde“. Die Arbeiter stellten die Herstellung von Kampfflugzeugen wie der F-15 Eagle und der F/A-18 Super Hornet sicher, zwei wichtige Modelle für die US-Luftwaffe und internationale Kunden. Die Ablehnung des Vertrages war ein klares Signal der Belegschaft, daß sie zu weitreichenden Maßnahmen bereit ist, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Als direkte Konsequenz aus der Ablehnung kündigte die Gewerkschaft an, daß bei einer erneuten Ablehnung des revidierten Angebots ein Streik in der Nacht zum 4. August 2025 beginnen würde. Ein solcher Streik hätte erhebliche Auswirkungen auf die Produktion der US-Kampfflugzeuge in der Fabrik in St. Louis und könnte auch weitreichende Folgen für die Lieferketten und die nationalen Verteidigungsfähigkeiten haben. Die drohende Arbeitsniederlegung zwang Boeing, ein verbessertes Angebot zu unterbreiten, das auf die kritischen Punkte der Gewerkschaft reagieren sollte.

Boeings zweiter Versuch: Die Details des neuen Angebots

Boeing hat sein neues Vertragsangebot am 31. Juli 2025 vorgestellt. Es enthält mehrere wichtige Änderungen, die auf die Hauptkritikpunkte der Gewerkschaft eingehen:

  • Arbeitszeitgestaltung und Überstundenregelung: Eine der größten Veränderungen ist der Rückzug von Boeings Vorschlag für einen sogenannten „Alternative Workweek Schedule“ (AWS). Dies bedeutet, daß die bestehenden Überstundenregeln unverändert beibehalten werden. Dieser Punkt war für die Mitarbeiter besonders wichtig, da die AWS-Vorschläge der Unternehmensleitung als Versuch angesehen wurden, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren, was sich negativ auf die Löhne und die Freizeit der Mitarbeiter ausgewirkt hätte.
  • Lohnerhöhungen und Altersvorsorge: Die revidierte Offerte sieht eine 20-prozentige Lohnerhöhung über die Laufzeit des Vertrages vor. Zusätzlich erhalten Mitarbeiter, die bereits das obere Ende der Gehaltsskala erreicht haben, eine jährliche Gehaltserhöhung von 50 Cent pro Stunde. Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Altersvorsorge: Der Rentenmultiplikator wird im ersten Jahr um volle zehn Dollar erhöht, anstatt wie im vorherigen Angebot in zwei getrennte Erhöhungen von je fünf Dollar im zweiten und dritten Jahr aufgeteilt zu werden. Um für den vollen Multiplikator in Frage zu kommen, müssen die Mitarbeiter jedoch nach dem 1. Januar 2026 in den Ruhestand treten.
  • Zusätzliche Boni und Leistungen: Das aktualisierte Angebot behält auch den im ersten Vorschlag enthaltenen 5.000-Dollar-Ratifizierungsbonus bei, der bei Annahme des Vertrages ausgezahlt werden würde. Die bestehenden Regelungen für Urlaub, Krankheitsurlaub und Krankenversicherung sollen ebenfalls beibehalten werden.

Dieses überarbeitete Angebot zeigt, daß Boeing die Forderungen der Gewerkschaft ernst nimmt und bereit ist, erhebliche Zugeständnisse zu machen, um einen Streik zu verhindern. Die drohenden Produktionsausfälle und die Schädigung des Rufs des Unternehmens, insbesondere in der Verteidigungsindustrie, scheinen der ausschlaggebende Grund für die Flexibilität des Unternehmens gewesen zu sein.

Die nationale Bedeutung: Verteidigungsindustrie und die Lieferkette

Die Boeing-Fabrik in St. Louis ist nicht irgendeine Produktionsstätte. Sie ist ein zentraler Bestandteil der amerikanischen Verteidigungsindustrie und produziert einige der wichtigsten Kampfflugzeuge für die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten. Die F-15 ist ein legendäres Mehrzweckkampfflugzeug, das seit Jahrzehnten in Dienst steht, während die F/A-18 Super Hornet ein entscheidendes Element der Trägerflugzeugflotten der US-Marine ist. Ein Streik an diesem Standort würde nicht nur die Produktion stoppen, sondern könnte auch die militärische Bereitschaft der USA beeinträchtigen.

Hinzu kommt, daß die Lieferketten in der Luft- und Raumfahrtindustrie extrem komplex und miteinander verflochten sind. Ein Streik in St. Louis hätte nicht nur Auswirkungen auf die dortige Produktion, sondern auch auf Hunderte von Zulieferern und Partnerunternehmen in den gesamten Vereinigten Staaten. Die wirtschaftlichen Folgen einer Arbeitsniederlegung wären somit weitreichend. Die Dringlichkeit, eine Einigung zu erzielen, ist daher nicht nur für Boeing und die Gewerkschaft von Bedeutung, sondern auch für die nationale Sicherheit und die breitere Wirtschaft.

Ein nervenaufreibendes Ringen um faire Konditionen

Das neue Vertragsangebot von Boeing ist ein direktes Resultat des entschlossenen Auftretens der Gewerkschaft IAM, Distrikt 837. Die Belegschaft hat mit der Ablehnung des ersten Angebots gezeigt, daß sie bereit ist, für ihre Prioritäten zu kämpfen. Das revidierte Angebot, das nun wichtige Zugeständnisse in den Bereichen Altersvorsorge und Arbeitszeitgestaltung beinhaltet, stellt einen klaren Schritt in Richtung einer Einigung dar.

Die Abstimmung am 3. August 2025 war daher von größter Bedeutung für beide Seiten. Eine Annahme des Vertrages würde einen Streik in letzter Minute abwenden und die Produktion in St. Louis sichern. Eine erneute Ablehnung hätte weitreichende Konsequenzen und würde die Spannungen weiter eskalieren lassen. Es ist ein klassisches Beispiel für das Ringen zwischen Kapital und Arbeit, bei dem beide Seiten versuchen, ihre Interessen durchzusetzen, ohne die Existenz des Unternehmens oder die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu gefährden.

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