Boeing 737 Max 9 (Foto: Alaska Airlines).
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Boeing unter Druck: Chef entschuldigt sich für 737-Max-Abstürze und Produktionsfehler

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Boeing steht erneut im Rampenlicht der öffentlichen Kritik und Verantwortung. Bei einer emotional geladenen Anhörung im US-Senat hat Boeing-Chef Dave Calhoun sich bei den Hinterbliebenen der Absturzopfer der 737-MAX-Flugzeuge entschuldigt.

Die beiden verheerenden Unfälle, die 2018 und 2019 insgesamt 346 Menschenleben forderten, wurden durch fehlerhafte Assistenzsoftware ausgelöst. Calhoun gestand zudem einen Produktionsfehler ein, der zu einem Beinahe-Unglück bei Alaska Airlines führte. Diese Entwicklungen werfen erneut Fragen zur Sicherheitskultur und den internen Abläufen bei Boeing auf.

Die Tragödien von Lion Air und Ethiopian Airlines

Die Abstürze von Lion Air Flug 610 im Oktober 2018 und Ethiopian Airlines Flug 302 im März 2019 lösten weltweit Entsetzen aus und führten zu einer umfassenden Überprüfung des Flugzeugtyps 737 MAX. Beide Unglücke wurden durch die Fehlfunktion der sogenannten MCAS-Software (Maneuvering Characteristics Augmentation System) verursacht. Diese Software war entwickelt worden, um das Flugzeug in bestimmten Situationen zu stabilisieren, griff jedoch in beiden Fällen fehlerhaft ein und brachte die Maschinen zum Absturz.

Calhoun betonte vor dem Senat: „MCAS und Boeing sind verantwortlich für diese Abstürze.“ Die Entschuldigung gegenüber den anwesenden Hinterbliebenen war ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und der betroffenen Familien wiederherzustellen. „Ich entschuldige mich für das Leid, das wir zugefügt haben“, sagte Calhoun und versprach, dass Boeing künftig noch stärker auf Sicherheit setzen werde.

Nach dem zweiten Absturz wurde der Betrieb der 737 MAX weltweit für fast zwei Jahre eingestellt. Boeing arbeitete intensiv an technischen Modifikationen und schulte Piloten neu, um die Sicherheitslücken zu schließen. Die Wiederzulassung der 737 MAX erfolgte unter strenger Aufsicht der US-Luftfahrtbehörde FAA und anderer internationaler Regulierungsbehörden.

Beinahe-Unglück bei Alaska Airlines

Doch die Sicherheitsprobleme sind noch nicht vollständig überwunden. Im Januar 2024 ereignete sich ein weiterer Vorfall mit einer Boeing 737-9 MAX der Alaska Airlines. Kurz nach dem Start löste sich ein Rumpfteil, was die NTSB (National Transportation Safety Board) auf fehlende Befestigungsbolzen zurückführte. Calhoun bestätigte, dass es sich hierbei um einen Produktionsfehler handelte, der aber isoliert geblieben sei.

Dieser Vorfall brachte Boeing erneut in die Schlagzeilen und rief das Thema Qualitätskontrolle wieder ins Bewusstsein. Boeing konnte den Ermittlern keine vollständige Dokumentation der Arbeiten an dem betroffenen Flugzeugteil liefern, was die Bedenken über interne Kontrollmechanismen weiter verstärkte.

Die Anhörung im Senat war nicht die erste Konfrontation Boeings mit Kritikern und Whistleblowern. Ein früherer Boeing-Mitarbeiter hatte vor dem Ausschuss ausgesagt und Produktionsfehler beim Modell 787 Dreamliner angeprangert. Boeing wies diese Vorwürfe zurück. Berichte, dass Whistleblower in der Vergangenheit verfolgt wurden, bezeichnete Calhoun als „herzzerreißend“ und betonte, dass dies vor seiner Zeit geschehen sei.

Zukünftige Herausforderungen und Führungswechsel

Calhoun, der seit Anfang 2020 die Geschicke des Unternehmens leitet, wird seinen Posten zum Jahresende verlassen. Ein Nachfolger ist bisher nicht bekannt. Die Nachfolgeregelung und die zukünftige Ausrichtung Boeings stehen daher unter intensiver Beobachtung.

Die Entschuldigung von Dave Calhoun vor dem US-Senat und die Anerkennung der Fehler bei der Produktion und Software der 737 MAX sind wichtige Schritte, um das Vertrauen in Boeing wiederherzustellen. Dennoch bleiben viele Fragen zur Sicherheitskultur und den internen Prozessen des Unternehmens offen. Boeing muss weiterhin intensiv daran arbeiten, die hohen Sicherheitsstandards zu gewährleisten und das Vertrauen von Kunden, Regulierungsbehörden und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen.

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