Boeing 787-8 (Rendering: Boeing).
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Boeings Sommerbilanz unter Druck: Lieferzahlen hinken Airbus hinterher

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Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing hat im Juli 2025 insgesamt 48 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden ausgeliefert. Während dies eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr darstellt, liegt das Unternehmen damit deutlich hinter seinem europäischen Konkurrenten Airbus, der im selben Monat 67 Jets an seine Kunden übergeben konnte.

Die Zahlen verdeutlichen die anhaltenden operativen Schwierigkeiten von Boeing, die vor allem auf die strikten Produktionsbeschränkungen für das Kernmodell 737 Max zurückzuführen sind. Diese von der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) verhängten Quoten, die nach einem schwerwiegenden Zwischenfall im Januar 2024 eingeführt wurden, begrenzen Boeings Kapazität erheblich. Die Erholung des Unternehmens ist ein langwieriger Prozeß, der nicht nur von der Stabilisierung der Produktion, sondern auch von der Wiedergewinnung des Vertrauens der Aufsichtsbehörden und der Kunden abhängt.

Die Juli-Lieferungen: Ein Vergleich mit der Konkurrenz

Im Juli 2025 lieferte Boeing insgesamt 48 Flugzeuge aus, was einem Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vormonat Juni (60 Auslieferungen) entspricht. Dennoch war dies eine leichte Verbesserung gegenüber den 43 Jets, die das Unternehmen im Juli 2024 ausliefern konnte. Die Jahresbilanz zeigt, daß Boeing mit 328 ausgelieferten Flugzeugen weiterhin hinter dem Rivalen Airbus liegt, der im selben Zeitraum 373 Maschinen an seine Kunden übergab.

Die Aufschlüsselung der Boeing-Lieferungen im Juli zeigt das zentrale Problem auf: Von den 48 ausgelieferten Flugzeugen waren 37 Maschinen des Typs 737 Max. Diese Zahl liegt nur knapp unter der monatlichen Produktionsquote, die von der FAA festgelegt wurde. Die restlichen Lieferungen verteilen sich auf die anderen Modellreihen: acht 787 Dreamliner, zwei 777 und eine 767.

In der kürzlich veröffentlichten Bilanz für das zweite Quartal äußerte sich der Präsident und Hauptgeschäftsführer von Boeing, Kelly Ortberg, positiv, aber vorsichtig: „Unsere grundlegenden Veränderungen zur Stärkung der Sicherheit und Qualität führen zu verbesserten Ergebnissen, während wir unsere Abläufe stabilisieren und unseren Kunden qualitativ hochwertigere Flugzeuge, Produkte und Dienstleistungen liefern.“ Diese Aussagen spiegeln den Druck wider, unter dem das Unternehmen steht, um das Vertrauen der Branche zurückzugewinnen.

Das Sorgenkind 737 Max: Das Korsett der FAA-Quote

Das Schicksal von Boeing ist eng mit dem Erfolg seiner 737 Max-Reihe verknüpft, dem Rückgrat der Geschäftsflotte des Konzerns. Seit den tragischen Abstürzen zweier 737 Max-Flugzeuge von Lion Air im Jahre 2018 und Ethiopian Airlines im Jahre 2019, die zu einem weltweiten Flugverbot führten, kämpft Boeing mit der Wiederherstellung des Vertrauens. Nach jahrelanger Stilllegung und intensiven Änderungen an der Flugsteuerungssoftware, schien sich die Lage zu stabilisieren, bis es im Januar 2024 zu einem weiteren schweren Zwischenfall kam.

  • Bei einem Flug von Alaska Airlines löste sich während des Fluges ein Türpfropfen aus einer 737 Max 9.
  • Obwohl das Flugzeug sicher landen konnte, führte der Vorfall zu einer sofortigen und intensiven Untersuchung durch die FAA und weitere Luftfahrtbehörden.

Als direkte Konsequenz verhängte die FAA eine monatliche Produktionsquote, die Boeing auf die Fertigung von maximal 38 Flugzeugen des Typs 737 Max pro Monat beschränkt. Die Behörde hat sich Berichten zufolge geweigert, diese Obergrenze aufzuheben, trotz wiederholter Anfragen von Boeing, die argumentieren, daß sie die Produktion angesichts der bevorstehenden Zertifizierung der Modelle Max 7 und Max 10 erhöhen könnten. Die Tatsache, daß Boeing im Juli nur 37 Jets ausgeliefert hat – also einen weniger als die Obergrenze zuließe –, verdeutlicht, daß selbst mit den besten Absichten die internen Prozesse noch immer Schwierigkeiten bereiten und eine vollständige Normalisierung der Produktion noch in weiter Ferne liegt.

In einem Versuch, die Qualitätskontrolle zu verbessern und die Probleme in den Griff zu bekommen, hat Boeing die Übernahme seines langjährigen Schlüsselzulieferers Spirit AeroSystems bekanntgegeben. Spirit AeroSystems ist unter anderem für die Herstellung der Rümpfe der 737 Max verantwortlich. Diese Fusion, die noch vor dem jüngsten Vorfall diskutiert wurde, zeigt, wie tiefgreifend die Probleme im Produktionsablauf des Unternehmens sind.

Mehrere Baustellen: Die Herausforderungen der 777X und die Stärke der 787

Die Herausforderungen bei Boeing beschränken sich nicht nur auf die 737 Max. Das Vorzeigeprojekt im Bereich der Großraumflugzeuge, die 777X, hat ebenfalls mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Modell, das als nächstes Flaggschiff des Herstellers geplant ist, ist Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan für die vollständige Produktion zurück. Die Zertifizierung, die aufgrund von Problemen mit den Triebwerken und der neuartigen Technologie der klappbaren Flügelspitzen immer wieder verzögert wurde, steht noch immer aus. Boeing hofft, die Zertifizierung Anfang 2026 zu erhalten und die Produktion in der Jahresmitte wieder aufnehmen zu können.

Ein Lichtblick in der schwierigen Phase für Boeing ist jedoch die Großraumflugzeugreihe 787 Dreamliner. Während die 737 Max unter strikter Aufsicht steht und die 777X weiter in der Warteschleife feststeckt, hat Boeing die Produktion des Dreamliners auf ein neues Rekordniveau hochgefahren. Laut einem Bericht der „Seattle Times“ hat sich die Produktion seit Jahresbeginn verdoppelt. Im Juli konnte Boeing acht Dreamliner ausliefern, ein Zeichen dafür, daß dieses Programm stabil und erfolgreich läuft und einen wichtigen finanziellen Ausgleich für die anderen Baustellen des Konzerns schafft.

Der globale Wettbewerb im Zeichen von Handelskonflikten und Lieferkettenproblemen

Sowohl Boeing als auch Airbus kämpfen in der Zeit nach der Coronapandemie mit anhaltenden Problemen in den globalen Lieferketten. Die Produktion von Flugzeugen ist ein komplexes Geflecht aus Tausenden von Zulieferern weltweit. Störungen in dieser Kette, wie sie durch pandemiebedingte Lockdowns und Materialknappheit ausgelöst wurden, führen zu Verzögerungen und Engpässen. So wartet Airbus Berichten zufolge auf eine große Zahl von Triebwerken für seine Flugzeuge, was ebenfalls die Auslieferungszahlen beeinflußt.

Zusätzlich zu diesen operativen Herausforderungen kommen geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheiten. Die Regierung von Präsident Donald Trump hat ihre protektionistische Handelspolitik, die auf die Verringerung der US-Handelsdefizite abzielt, wieder aufgenommen. Dies könnte sich auf die gesamte Luftfahrtbranche auswirken. Während Boeing als US-Unternehmen von dieser Politik profitieren könnte, müßte Airbus, das stark auf den Export in die Vereinigten Staaten angewiesen ist, mit möglichen Zöllen und Handelsbeschränkungen rechnen. Diese Unsicherheiten zwingen Fluggesellschaften und Hersteller dazu, ihre Beschaffungs- und Vertriebsstrategien neu zu überdenken.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Boeings Juli-Zahlen zwar eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr darstellen, aber noch weit von einer Rückkehr zur Normalität entfernt sind. Das Unternehmen steht vor der gewaltigen Aufgabe, das Vertrauen der FAA und der Öffentlichkeit wiederherzustellen, seine Qualitätssicherung zu reformieren und gleichzeitig die anhaltenden Probleme mit der 777X zu lösen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob Boeing seinen Weg der Erholung fortsetzen und den Rückstand zum Rivalen Airbus aufholen kann.

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