Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic könnte ihren lang erwarteten Börsengang bis ins Jahr 2026 verschieben, da die Wahrscheinlichkeit einer Börsennotierung im Jahr 2025 laut dem aktuellen Quartalsbericht des Unternehmens „erheblich gesunken“ ist. Die Airline plant, ihr Budget sorgfältig zu verwalten, um die Liquidität bis zum voraussichtlichen Börsengang im Jahr 2026 zu sichern.
Im Bericht schloss die Fluggesellschaft die Möglichkeit nicht aus, zusätzliche Mittel von der lettischen Regierung, dem derzeitigen Mehrheitsaktionär, zu beantragen, sollte sich das wirtschaftliche Klima verschlechtern. „Sollten sich die Marktbedingungen im Vergleich zum ersten Quartal nicht verbessern, oder sollten die Treibstoffpreise deutlich steigen oder sich die Triebwerksengpässe verschärfen, könnten sich die finanzielle Leistungsfähigkeit und die Liquidität der Fluggesellschaft verschlechtern“, warnte Air Baltic.
Die lettische Ministerpräsidentin Evika Siliņa hatte eine staatliche Intervention aufgrund der Vorschriften der Europäischen Kommission zu staatlichen Beihilfen ausgeschlossen. Sie wandte sich bezüglich potenzieller Investitionen an die Regierungen Litauens und Estlands, jedoch mit begrenztem Erfolg.
Ein Viertel der Flotte am Boden
Im ersten Quartal 2025 standen durchschnittlich dreizehn Flugzeuge des Typs Airbus A220-300 von Air Baltic aufgrund von Problemen mit den Pratt & Whitney PW1000-Triebwerken am Boden. Diese Zahl war im Jahresvergleich um zehn gestiegen und entsprach dem Niveau des vierten Quartals 2024. Das Unternehmen geht davon aus, daß die Triebwerksprobleme im Jahr 2025 und 2026 anhalten werden.
Um das Problem der stillgelegten Flugzeuge zu mindern, schloss Air Baltic ein Wet-Lease-Abkommen mit Carpatair über zwei Airbus A319-100 und einen Airbus A320-200 ab. In einem Interview erklärte der Interims-Vorstandsvorsitzende und Chief Operating Officer von Air Baltic, Pauls Cālītis, daß diese drei Flugzeuge während der Sommersaison 2025 weiterhin im Netzwerk von Carpatair betrieben werden. Er merkte an, daß Air Baltic die Flugzeuge als Notfallmaßnahme aufgrund der A220-Triebwerksprobleme im Wet-Lease übernommen habe. Die Fluggesellschaft erwartet, daß im Sommer durchschnittlich acht A220 gleichzeitig am Boden stehen werden, plant aber keine zusätzliche ACMI-Kapazität für diesen Sommer.
Air Baltic betreibt derzeit insgesamt fünfzig eigene A220-300 und erwartet die Lieferung von 40 weiteren Flugzeugen dieses Typs.
Zunehmende Abhängigkeit von ACMI-Out-Verträgen
Die ACMI-Out-Verträge von Air Baltic tragen weiterhin erheblich zum Umsatz der Fluggesellschaft bei. Die lettische Fluggesellschaft gab bekannt, daß bis zu sieben A220-300 an Fluggesellschaften der Lufthansa Group im Wet-Lease vergeben wurden. Im ersten Quartal wurden durchschnittlich 6,2 Flugzeuge verleast, gegenüber 5,2 im gleichen Zeitraum des Jahres 2024.
Im Rahmen des bestehenden ACMI-Abkommens mit der Lufthansa Group wird Air Baltic bis zu neunzehn A220-300 an Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines bereitstellen. Um die ACMI- und Eigenbetriebsabläufe besser zu gestalten, hat Air Baltic Crew-Basen in München, Zürich, Wien und Brüssel National eröffnet. Die Einnahmen des Unternehmens aus Flugzeugleasing stiegen im ersten Quartal im Jahresvergleich von 10 auf 13 Prozent des Gesamtumsatzes.