Das Salzburger Bergdorf Filzmoos bereitet sich im September und Oktober 2026 auf die Durchführung einer Reihe von regionalen Kultur- und Brauchtumsveranstaltungen im Rahmen des Salzburger Bauernherbstes vor. Das Programm umfasst traditionelle Elemente wie den jährlichen Almabtrieb, Hoftage, musikalische Darbietungen sowie kirchliche Feste.
Diese Veranstaltungen spiegeln die enge Verzahnung von alpiner Landwirtschaft, regionaler Gastronomie und dem lokalen Tourismussektor wider. Vor dem Hintergrund des 250-jährigen Bestehens der Unterhofalm dienen die anstehenden Wochen als Beispiel dafür, wie althergebrachte landwirtschaftliche Abläufe und dörfliche Traditionen in ein modernes, touristisch genutztes Veranstaltungskonzept integriert werden.
Bedeutung des Almabtriebs für die regionale Viehwirtschaft
Der am 14. September 2026 vorgesehene Almabtrieb markiert das formelle Ende der Weidesaison auf den höher gelegenen Almflächen. Während der Sommersaison verbleiben die Rinderherden auf den Berghängen, wo die Tiere die alpinen Futterflächen nutzen. Der Rücktrieb des Viehs ins Tal stellt historisch eine betriebliche Notwendigkeit dar, um das Überwintern der Tiere in den Talställen vor dem Einbruch der kälteren Witterung zu sichern. Das Schmücken der Rinder mit aufwendig gefertigten Kränzen und Glocken erfolgt traditionsgemäß dann, wenn der Almsommer ohne nennenswerte Unfälle für Mensch und Tier verlaufen ist.
In Filzmoos zieht der Abtrieb durch das Ortszentrum und zieht neben der einheimischen Bevölkerung auch eine erhebliche Zahl von Feriengästen an. Der Anlass verdeutlicht die wirtschaftliche Rolle der Almwirtschaft, die nicht nur der Milch- und Fleischerzeugung dient, sondern auch zur Pflege und Erhaltung der alpinen Kulturlandschaft beiträgt. Ohne die Beweidung durch die Nutztiere würden viele Hangflächen verbuschen, was wiederum die Erosionsgefahr vergrößern und den Charakter der Landschaft verändern würde. Der Festtag verbindet somit betriebswirtschaftliche Abläufe der Landwirte mit kulturellen Repräsentationsformen im öffentlichen Raum.
Regionale Vernetzung durch die Bauernhofroas
Ein weiteres Element im Veranstaltungskalender ist die sogenannte Bauernhofroas, bei der ausgewählte Landwirtschaftsbetriebe ihre Hoftore für Besucher öffnen. Im Gemeindegebiet von Filzmoos gewähren am 10. September 2026 der Kirchgasshof und am 17. September 2026 der Gsenghof Einblicke in ihre betrieblichen Abläufe. Dieses Format verknüpft mehrere Gemeinden in der Region am Rossbrand, darunter Altenmarkt, Eben, Forstau, Radstadt und Filzmoos, zu einer gemeinsamen Initiative.
Ziel dieser Tage des offenen Hofes ist es, den Besuchern die Erzeugung regionaler Lebensmittel und die Arbeitsweisen in der Gebirgslandwirtschaft näherzubringen. Neben Verkostungen lokaler Erzeugnisse steht der direkte Austausch zwischen Konsumenten und Erzeugern im Vordergrund. Für die Landwirte bietet sich dabei die Gelegenheit, die Eigenvermarktung von Käse, Fleisch und Fleischerzeugnissen zu stärken und das Bewusstsein für die Wertschöpfung in der kleinstrukturierten Alpenlandwirtschaft zu fördern.
Kulturelle und kirchliche Festtage im Dorfzentrum
Neben den rein landwirtschaftlich geprägten Programmpunkten umfasst die Veranstaltungsreihe auch dörfliche und religiöse Feste. Am 12. September 2026 dient der Dorfplatz als Veranstaltungsort für das Salzburger Bauernherbstfest, bei dem regionales Handwerk und traditionelle Musikkapellen im Mittelpunkt stehen. Am darauffolgenden Tag, dem 13. September 2026, wird in der örtlichen Wallfahrtskirche und auf dem Dorfplatz das Erntedankfest begangen.
Das Erntedankfest stellt innerhalb des Kirchenjahres eine etablierte Tradition dar, bei der der Dank für die Erträge der Feld- und Almarbeit im Mittelpunkt steht. Das Mitführen von gestalteten Erntekränzen und die Gestaltung der Gottesdienste unterstreichen die historische Verankerung des Glaubens im bäuerlichen Alltag. Durch die Zusammenlegung mit weltlichen Musik- und Kulinarikangeboten wird das Fest zu einem zentralen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft und Besucher aus den umliegenden Regionen.
Jubiläum der Unterhofalm und ergänzende Kulturinitiativen
Einen historischen Akzent setzt das 250-jährige Bestehen der Unterhofalm am Fuße der Hofalmen. Aus diesem Anlass findet am 19. September 2026 ein Pferde- und Reiterfest auf dem Almgelände statt. Die Unterhofalm zählt zu den ältesten durchgehend bewirtschafteten Almhütten der Region und dokumentiert die jahrhundertelange Tradition des Almwesens in den Salzburger Kalkalpen. Das Jubiläum hebt die historische Entwicklung von einer reinen Schutz- und Wirtschaftshütte zu einem heute auch gastgewerblich genutzten Anlaufpunkt hervor.
Das Herbstprogramm wird zudem durch Veranstaltungen ergänzt, die über den rein traditionellen Rahmen hinausgehen. Vom 6. bis 26. September 2026 findet das internationale Bergkunst-Festival Mountain-Art Project 26 statt. Zudem bilden die Dachstein Dialoge 26 vom 18. bis 24. September 2026 in Filzmoos und Ramsau ein Forum für gesellschaftliche Fragestellungen. Den musikalischen Abschluss der Reihe bildet am 4. Oktober 2026 eine Aufführung von Stubenmusik auf der Krahlehenhütte auf der Sulzenalm.
Wirtschaftliche Faktoren des Salzburger Bauernherbstes
Der Salzburger Bauernherbst hat sich seit seiner Einführung vor mehreren Jahrzehnten zu einem maßgeblichen Wirtschaftsfaktor für die Nebensaison im Salzburger Land entwickelt. Für Orte wie Filzmoos bietet das Programm die Möglichkeit, die Belegungszahlen in den Beherbergungsbetrieben im September und Oktober zu stabilisieren. Peter Donabauer von Filzmoos Tourismus verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das Angebot auf der Verbindung von Alltagsbrauchtum, Landwirtschaft und Gastfreundschaft basiert.
Aus kritischer Perspektive erfordert das Konzept eine permanente Balance zwischen der Wahrung authentischer Traditionen und den kommerziellen Anforderungen des modernen Tourismusmarktes. Während die Darbietungen für Besucher einen Einblick in die alpine Kultur bieten, müssen die Betriebe den Mehraufwand der Veranstaltungen parallel zur täglichen landwirtschaftlichen Arbeit bewältigen. Die Bündelung von Erntedank, Almabtrieb und Handwerksschauen zeigt jedoch, dass die Pflege historischer Bräuche in Filzmoos weiterhin als ein tragendes Element der regionalen Identität und der lokalen Ökonomie genutzt wird.