David Neeleman, der Geschäftsführer der amerikanischen Fluggesellschaft Breeze Airways, hat die Auswirkungen der jüngsten Handelstarife auf die Beschaffung seiner Airbus A220-300-Flotte heruntergespielt.
Obwohl er einräumte, daß die Fertigung dieser Flugzeuge in Kanada derzeit aggregierte Mehrkosten mit sich bringe, sei dies eine Folge des andauernden Handelskonflikts, den die Regierung der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern führe. In einem Gespräch mit dem Wirtschaftsdienst Bloomberg betonte Neeleman, daß die neuen Flugzeuge, die aus der Airbus-Montagelinie in Montréal-Mirabel in Kanada stammen, tatsächlich höheren Zöllen unterlägen. Dennoch sieht er das Geschäftsmodell von Breeze Airways, das auf dem Einsatz des A220 basiert, nicht grundsätzlich gefährdet und blickt mit Optimismus auf eine bevorstehende Profitabilität des Unternehmens.
Der Handelskrieg und seine Komplexität für die Luftfahrtindustrie
Der Ursprung der aktuellen Zollproblematik bei den A220-Flugzeugen, die ursprünglich als Bombardier CSeries entwickelt wurden, liegt in einem komplexen Handelsstreit. Dieser begann, als der amerikanische Flugzeughersteller Boeing Vorwürfe gegen Bombardier erhob, die CSeries werde durch staatliche Subventionen in Kanada ungerechtfertigt begünstigt und zu Dumpingpreisen auf dem US-Markt angeboten. Dies führte zu einer Untersuchung durch das Handelsministerium der Vereinigten Staaten und der International Trade Commission (ITC), die im Jahr 2017 hohe Zölle auf die CSeries-Flugzeuge empfahl. Um diese Zölle zu umgehen und den Zugang zum wichtigen amerikanischen Markt zu sichern, erwarb Airbus im Jahr 2018 eine Mehrheitsbeteiligung am CSeries-Programm von Bombardier und benannte das Flugzeug in A220 um. Ein wesentlicher Schritt war die Eröffnung einer zweiten Montagelinie für den A220 in Mobile, Alabama, in den Vereinigten Staaten, um die Flugzeuge für den US-Markt lokal zu produzieren und damit die Importzölle zu vermeiden.
Trotz dieser strategischen Maßnahme durch Airbus sind die Auswirkungen der amerikanischen Handelspolitik weiterhin spürbar. Neeleman erklärte hierzu, daß Montréal noch immer unter das United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) falle, den Nachfolger des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta). Im Rahmen dieses Abkommens würden derzeit Teile, die in den Flugzeugen verbaut sind, wie beispielsweise die Flügel, mit Zöllen belegt. Dies verdeutlicht die vielschichtige Natur internationaler Handelsbeziehungen, bei denen selbst innerhalb von Freihandelszonen spezifische Komponenten von Zöllen betroffen sein können, was die Kosten für Endprodukte erhöht. Neeleman betonte jedoch die Anstrengungen von Airbus, bei der US-Regierung Einfluß zu nehmen, nicht zuletzt durch die Montagelinie in Mobile, Alabama. Dort beschäftigt Airbus derzeit 2.000 Mitarbeiter und plant, die Belegschaft auf 3.000 zu erhöhen. Diese Investition in die amerikanische Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen dienen als wichtiges Argument im Dialog mit der Politik.
Der Breeze-Chef wies zudem auf die überragende Bedeutung der Luftfahrtindustrie für die Vereinigten Staaten als Exportnation hin. Er erklärte: „Was an dieser ganzen Zolllage wirklich wichtig ist, ist, daß die Vereinigten Staaten ein riesiger Exporteur im Luftfahrtbereich sind. Wir haben ein Verhältnis von sechs zu eins. Wir haben Produkte im Wert von 124 Milliarden US-Dollar exportiert und nur 20 Milliarden US-Dollar importiert.“ Er fügte hinzu, das Schlimmste, was man tun könne, sei, die Luftfahrtindustrie zu gefährden, wenn ein derart großer Überschuß bestehe. Dies unterstreicht die Sorge, daß protektionistische Maßnahmen, obwohl sie bestimmte heimische Industrien schützen sollen, ungewollte Kollateralschäden in anderen, exportstarken Sektoren verursachen könnten.
Breeze Airways‘ Geschäftsmodell und die Rolle des A220-Flugzeugs
Breeze Airways wurde im Jahre 2020 von David Neeleman gegründet, einem erfahrenen Unternehmer in der Luftfahrtbranche, der bereits für die Gründung oder Mitbegründung erfolgreicher Fluggesellschaften wie Morris Air, WestJet, JetBlue Airways und Azul Brazilian Airlines verantwortlich war. Neelemans Geschäftsmodell für Breeze Airways konzentriert sich auf die Bedienung von bisher unterversorgten oder gänzlich unbedienten Strecken in den Vereinigten Staaten. Anstatt etablierte Hauptrouten zwischen Großstädten anzufliegen, konzentriert sich Breeze darauf, Direktverbindungen zwischen kleineren und mittleren Städten anzubieten, die oft keine Nonstop-Flüge hatten. Dies reduziert die Notwendigkeit von Umsteigeverbindungen über große Drehkreuze und spart den Reisenden Zeit und Unannehmlichkeiten.
Für dieses spezifische Geschäftsmodell ist die A220-Flugzeugfamilie von entscheidender Bedeutung. Der A220, insbesondere die A220-300-Variante, zeichnet sich durch seine Treibstoffeffizienz, seine Reichweite und seinen Komfort aus. Obwohl er ein relativ kleines Flugzeug ist (Breeze-Konfigurationen umfassen typischerweise zwischen 126 und 137 Sitze), bietet er eine geräumige Kabine mit breiteren Sitzen und größeren Fenstern als vergleichbare Regionaljets. Dies ermöglicht es Breeze Airways, ein hochwertiges Flugerlebnis anzubieten, das den Reisenden Komfort verspricht, während die Betriebskosten aufgrund der Effizienz des Flugzeugs niedrig gehalten werden können. Neeleman hob hervor, daß Breeze Airways mit dem A220 im Durchschnitt dieselben Einnahmen erzielen könne wie der bekannte Billigflug-Konkurrent Spirit Airlines, dies jedoch mit 100 Sitzen weniger pro Abflug. Dies deutet auf eine höhere Ertragsrate pro Sitzplatz hin, die entweder durch höhere Durchschnittspreise auf den einzigartigen Strecken oder durch eine effektivere Auslastung der kleineren Kapazität erreicht wird.
Laut ch-aviation fleets data betreibt Breeze Airways derzeit siebenunddreißig A220-300-Flugzeuge. Ergänzt wird die Flotte durch zehn Embraer E190 und drei E195, wobei letztere Typen in Kürze ausgemustert werden sollen. Dies unterstreicht die klare Strategie von Breeze, sich zukünftig auf eine reine A220-Flotte zu konzentrieren. Die Fluggesellschaft hat noch Bestellungen für fünfundfünfzig weitere A220-300 ausstehen, was das Vertrauen in dieses Flugzeugmuster und die langfristigen Expansionspläne des Unternehmens verdeutlicht. Die Standardisierung der Flotte auf ein einziges Muster vereinfacht zudem die Wartung, die Ersatzteilhaltung und die Schulung des Personals, was zu weiteren Kosteneinsparungen und einer erhöhten operationellen Effizienz führt.
Wirtschaftliche Entwicklung und Ausblick auf Profitabilität
Breeze Airways erwartet, im zweiten Quartal des laufenden Jahres profitabel zu werden. Dies wäre ein bedeutender Meilenstein für die noch junge Fluggesellschaft, die in einem hart umkämpften Markt agiert. Obwohl die Profitabilität noch höher ausfallen könnte, räumt Neeleman eine gewisse „softness“ im US-Markt ein, insbesondere im transkontinentalen Segment. Diese Marktbedingungen könnten auf eine erhöhte Wettbewerbsintensität, eine allgemeine Abkühlung der Konsumlaune oder eine Verlagerung der Reisetrends zurückzuführen sein.
Erfreulicherweise werden die aktuellen Marktbedingungen jedoch nicht durch explodierende Kraftstoffpreise verschärft. Kraftstoffkosten stellen einen der größten Posten in den Betriebskosten einer Fluggesellschaft dar. Stabilere oder gar sinkende Kraftstoffpreise entlasten die Bilanzen der Airlines erheblich und können einen wesentlichen Beitrag zur Profitabilität leisten. Neeleman kommentierte dazu: „Es gibt eine kleine ‚softness‘, aber sie wird nicht durch Kraftstoff ausgeglichen. Wir sind also in wirklich guter Verfassung.“ Diese Aussage deutet darauf hin, daß die inneren Stärken des Geschäftsmodells und die Effizienz der A220-Flotte es Breeze Airways ermöglichen, auch in einem leicht gedämpften Marktumfeld erfolgreich zu operieren und Gewinne zu erzielen. Die Fähigkeit, die Betriebskosten zu kontrollieren und gleichzeitig eine hohe Ertragsrate pro Sitzplatz zu erzielen, ist entscheidend für den langfristigen Erfolg in der Luftfahrtbranche.