Der Bad Homburger Reiseveranstalter Ameropa und der in Chur ansässige Anbieter Manu Touristik haben eine Vertriebskooperation für das Reisesegment Schweiz vereinbart. Durch die Zusammenarbeit wird das bestehende Portfolio an Rund- und Bahnreisen um feste Standortreisen erweitert.
Gleichzeitig erhält Manu Touristik über die Anbindung an die gängigen Computerreservierungssysteme direkten Zugang zum deutschen Reisebüromarkt. Die Vereinbarung zielt darauf ab, die jeweiligen betrieblichen Stärken beider Unternehmen im Segment der Alpenreisen zu bündeln und unterschiedliche Nachfrageprofile im Markt abzudecken.
Segmentierung des Schweizer Zielmarktes
Für den Spezialreiseveranstalter Ameropa stellt die Schweiz seit Jahren den bedeutendsten Auslandsmarkt dar. Das bisherige Angebot des Unternehmens konzentrierte sich im Wesentlichen auf Streckenreisen mit dem Schienenverkehr, Rundreisen sowie Kombinationsangebote aus Bahnanreise und Hotelübernachtungen. Mit der Einbindung der Produkte von Manu Touristik reagiert das Unternehmen auf eine differenzierte Nachfragestruktur bei Urlaubern, die eine feste Unterkunft bevorzugen, gleichzeitig jedoch Tagesausflüge in die umliegenden Regionen unternehmen möchten.
Der Kooperationspartner Manu Touristik, geführt von Geschäftsführer Ekkehard Beller, hat sich auf achttägige Standortreisen in ausgewählten Schweizer Regionen spezialisiert. Das Betriebskonzept sieht vor, dass Gäste während der gesamten Reisedauer in einem Vertragshotel verbleiben. Von diesem festen Ausgangspunkt aus werden detailliert ausgearbeitete Tagesprogramme absolviert, die im Regelfall die Nutzung der örtlichen öffentlichen Verkehrsmittel wie Bahnen, Busse und Schiffe beinhalten. Dieses Modell richtet sich an Kunden, die organisierte Ausflugsprogramme in Anspruch nehmen wollen, auf den täglichen Hotelwechsel klassischer Rundreisen jedoch verzichten möchten.
Vertriebliche Einbindung und Buchungswege
Ein wesentlicher Aspekt der Vereinbarung betrifft die Erweiterung der Vertriebswege. Während Manu Touristik seine Produkte in der Vergangenheit überwiegend im Direktvertrieb an Endkunden vermarktete, werden die Angebote durch die Partnerschaft in die Vertriebsinfrastruktur von Ameropa integriert. Die Standortreisen sind dadurch über gängige Reservierungssysteme wie Start Amadeus, Bistro oder Sabre sowie über die Online-Plattformen von Ameropa für den stationären Reisevertrieb verfügbar.
Für den deutschen Reisebüromarkt bedeutet dieser Schritt die Verfügbarkeit von zusätzlich strukturierten Schweiz-Produkten. Reisevermittler erhalten bei der Buchung der Angebote über die Ameropa-Schnittstellen eine vertraglich festgelegte Vertriebsprovision im zweistelligen Prozentbereich. Für Manu Touristik erschließt sich durch die Kooperation der flächendeckende Zugang zu mehreren tausend Reisebüros in Deutschland, ohne dass dafür ein eigener, kostenintensiver Agenturbetreuungssystem aufgebaut werden muss.
Wirtschaftliches Umfeld und Marktdynamik
Der Schweizer Tourismusmarkt verzeichnet im Segment der internationalen Herkunftsmärkte eine stetige Nachfrage aus Deutschland, das traditionell zu den wichtigsten Quellmärkten für die Schweizer Hotellerie und die Transportunternehmen zählt. Allerdings stellen das hohe Preisniveau in der Schweiz sowie Währungsschwankungen zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken die Reiseveranstalter vor betriebswirtschaftliche Herausforderungen. Paketierte Reiseangebote, die Unterkünfte, Bahntickets und Ausflugskarten bündeln, dienen Reiseveranstaltern dazu, kalkulierbare Endverbraucherpreise am Markt zu platzieren.
Die Bündelung der Angebote von Ameropa und Manu Touristik spiegelt zudem einen Trend zur Konsolidierung von Nischenangeboten im europäischen Reiseveranstaltermarkt wider. Durch die Verzahnung von Strecken- und Standortreisen versuchen die Marktteilnehmer, die Auslastung bei Partnerhotels und Transportunternehmen zu stabilisieren sowie Synergien in der Vermarktung und Administration zu nutzen. Der tatsächliche Erfolg der Kooperation wird sich an den Buchungszahlen der kommenden Saison sowie der Akzeptanz des stationären Reisevertriebs messen lassen.