Anlässlich des bevorstehenden Welt-Alzheimertages am 21. September weist die Caritas der Erzdiözese Wien auf die veränderten Rahmenbedingungen bei der Betreuung von Menschen mit Demenz hin. In Österreich leben derzeit geschätzt 170.000 Betroffene, wobei Fachleute aufgrund der demografischen Entwicklung von einem kontinuierlichen Anstieg der Fallzahlen ausgehen.
Das Projekt Café Zeitreise, das seit zwölf Jahren an rund 20 Standorten in Wien und Niederösterreich betrieben wird und bisher von mehr als 1.000 Gästen genutzt wurde, ist beim Wiener Gesundheitspreis in der Kategorie „Gesund in Grätzel & Bezirk“ auf den dritten Platz gewählt worden. Ab Januar 2027 wird die Initiative um einen festen Standort im Wien Museum ergänzt, um Betroffenen und pflegenden Angehörigen zusätzlichen Raum für sozialen Austausch zu bieten.
Die organisatorische Erweiterung des Projekts adressiert die hohe Belastung von Familienangehörigen im häuslichen Pflegealltag. In Österreich übernehmen etwa eine Million Menschen Betreuungsaufgaben im häuslichen Umfeld, häufig ohne formelle Unterstützungssysteme. Die Caritas ergänzt das Café Zeitreise daher durch Schulungsprogramme und Beratungseinrichtungen. Im vergangenen Jahr wurden über die psychosoziale Angehörigenberatung mehr als 1.500 Beratungsgespräche geführt, während die Angehörigenakademie Kurse zu Kommunikationsstrategien und Alltagsbewältigung an Standorten wie Wien, Wiener Neustadt und Gaweinstal sowie in digitalen Formaten anbot.
Sozial- und Pflegeexperten betonen, dass der schrittweise Ausbau niederschwelliger Anlaufstellen notwendig ist, um eine Überlastung des formellen Pflege- und Gesundheitssystems abzufedern. Die Einbindung von Kulturinstitutionen wie dem Wien Museum soll dabei helfen, der gesellschaftlichen Isolierung von Demenzkranken entgegenzuwirken. Allerdings fordern Branchenvertreter angesichts steigender Betreuungszahlen eine langfristige und verlässliche öffentliche Finanzierung solcher Entlastungsangebote, da ein Großteil der Arbeit nach wie vor auf dem Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter und privater Eigenleistungen beruht.
Die Personalsituation im Pflegebereich stellt die Betreiber sozialer Einrichtungen jedoch weiterhin vor strukturelle Probleme. Um zusätzliche Standorte des Treffpunkts zu etablieren, setzt die Caritas auf sogenannte Train-the-Trainer-Seminare, mit denen Freiwillige und Fachkräfte gezielt für den Aufbau neuer Gruppen ausgebildet werden. Der wirtschaftliche und organisatorische Erfolg dieser Inklusionsmodelle hängt maßgeblich davon ab, ob ausreichend ehrenamtliche Kräfte gewonnen und die laufenden Betriebskosten dauerhaft gesichert werden können.