Carsten Spohr: “Berlin performt besser als jede andere Destination”

BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, Lufthansa-Chef Carsten Spohr, BER-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup und Easyjet-Chef Johan Lundgren anlässlich der BER-Eröffnung (Foto: Jan Gruber).
BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, Lufthansa-Chef Carsten Spohr, BER-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup und Easyjet-Chef Johan Lundgren anlässlich der BER-Eröffnung (Foto: Jan Gruber).

Carsten Spohr: “Berlin performt besser als jede andere Destination”

BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, Lufthansa-Chef Carsten Spohr, BER-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup und Easyjet-Chef Johan Lundgren anlässlich der BER-Eröffnung (Foto: Jan Gruber).
Werbung

Am Samstagabend ist mit der Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg ein Ereignis eingetreten, das viele für unmöglich gehalten haben. Mit langjähriger Verspätung, die von verschiedenen Skandalen geprägt war, ging das BER-Terminal 1 in Betrieb. Easyjet führte die Erstlandung durch, dicht gefolgt von Lufthansa.

Der BER-Start erfolgt in der für die Luftfahrt denkbar ungünstigsten Zeit, denn Deutschland will ab Montag einen neuen Lockdown durchführen. Johann Lundgren, Geschäftsführer von Easyjet, ist aber der Ansicht, dass sich die Bevölkerung nicht vom Reisen abhalten lassen wird und dass wieder bessere Zeiten kommen werden. Mit dem neuen Flughafen wird seiner Meinung nach Berlin eine Poleposition einnehmen. Dennoch: Der Airlinechef räumte ein, dass der gesamten Branche äußerst schwere Wochen und Monate bevorstehen werden und die Erholung einige Jahre dauern wird. 

Easyjet-CEO Johan Lundgren (Foto: Jan Gruber).

Lufthansa-Chef Carsten Spohr verwies darauf, dass die von ihm geleitete Fluggesellschaft und der Mitbewerber Easyjet die jeweilige Erstlandung auf dem BER mit Airbus A320neo durchgeführt haben. In Richtung Airportchef Engelbert Lütke Daldrup sagte er: “Wenn ihr den neuen Flughafen pünktlich eröffnet hättet, wären wir mit Flugzeugen gelandet, die rund 25 Prozent mehr Treibstoff benötigen, lauter sind und mehr Schadstoffe ausstoßen. Im letzten Jahrzehnt hat sich so viel in diese Richtung getan und die Weiterentwicklung geht in die richtige Richtung.”

Langstrecken will Spohr aber vorerst keine ab Berlin anbieten, denn unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie ist derzeit nicht absehbar wann und ob diese profitabel werden könnten. “In Berlin war das Problem der Flughafen Tegel. Dieser war nicht wirklich als Drehkreuz geeignet und konnte unserem Premium-Anspruch nicht gerecht werden. Das ist mit dem BER jetzt anders. Wenn für uns eine Profitabilität absehbar ist, dann werden wir das Feld sicher nicht dem Mitbewerb überlassen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist kurzfristig nichts absehbar und wir konzentrieren uns daher auf Frankfurt und München. Das kann sich aber ändern, doch mitten in der größten Krise der Luftfahrtgeschichte hat für uns Priorität stark durch diese Krise kommen”, so Spohr. “Klar ist, dass die Lufthansa Group nach der Krise eine kleinere sein wird. Es gibt einen Bedarf an Optimierung, doch das unterscheidet uns null von anderen Airlines. Wir wollen unsere relative Marktstärke aus der Krise heraus erhalten. Es wird eine effizientere Lufthansa, die mit modernen Flugzeugen fliegen wird, aus der Krise hervorgehen, doch diese wird kleiner sein.”

Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr (Foto: Jan Gruber).

Die letzten drei Jahre “vor Corona” waren für den Kranich außerordentlich erfolgreich, denn laut Spohr waren es “die besten drei Jahre in der Unternehmensgeschichte”. “Wir sind die Nummer Vier auf dem Weltmarkt und wollen diese Position weiter ausbauen. Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund nicht daran zu glauben, dass es uns nicht gelingt gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Es wird nicht einfach, aber wir schaffen das”, so der Kranich-Vorstandsvorsitzende.

In den letzten Tagen kamen vermehrt Gerüchte auf, dass die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Bundesrepublik Deutschland auf der Suche nach einem privaten Investor, der am BER einsteigen könnte, sind. Dies wollte Airportchef Engelbert Lütke Daldrup nicht kommentieren und verwies dazu auf die Eigentümer. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann dem Vorschlag wenig abgewinnen: “In Deutschland hat sich gezeigt, dass die Privatisierung von Flughäfen keine Erfolgsstory ist. München ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die öffentliche Hand einen Airport effizient und erfolgreich führen kann. Flughäfen sind eine wichtige Infrastruktur und auch der Staat kann ein guter Unternehmer sein, siehe München. Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind starke Eigentümer für die Region und stehen hinter dem BER”.

Die nächsten Monate und Jahre werden für den Flughafen Berlin-Brandenburg schwierig werden, räumt Daldrup ein: “Alle Partner in der Luftverkehrswirtschaft befinden sich in einer großen Krise. Wenn die Airlines keine Flüge anbieten können, dann gibt es auch am Boden nichts zu verdienen. In Berlin ist es natürlich besonders hart, denn in den letzten 15 Jahren legte das Verkehrsaufkommen jährlich im Schnitt um sechs bis acht Prozent zu. Potential nach oben ist da, doch aufgrund der Corona-Pandemie wird es einige Jahre dauern bis wir wieder die Wachstumszone erreichen werden. Wir nutzen Kurzarbeit, nehmen keine Neueinstellungen vor und haben Investitionen verschoben. In den nächsten Jahren wird es deutlich weniger Verkehr als gewohnt geben, doch ich bin zuversichtlich, dass der BER auf mittlere Sicht profitabel betrieben werden kann. Bis dahin haben wir schwierige Jahre vor uns”.

Mit Humor nahm es übrigens Carsten Spohr hin, dass die von seinem Branchenkollegen Johan Lundgren geleitete Easyjet die offizielle Erstlandung am BER vorgenommen hat. Eigentlich war ja eine Parallellandung geplant, doch aufgrund der Witterungsbedingungen mussten die beiden Airbus-Jets hintereinander landen. “Sicherheit geht vor und wir sind stolz darauf als zweite Airline am BER gelandet zu sein”, so Spohr. Flughafenchef Engelbert Daldrup ergänzte: “Das hat keinen symbolischen Charakter gehabt, sondern praktische Gründe. Die Easyjet-Maschine hatte einen längeren Rollweg und landete deswegen zuerst.”

Hinsichtlich der Performance in Zeiten von Corona sagte Carsten Spohr, dass Berlin derzeit besser läuft als alle anderen Destinationen im Streckennetz. “Der Rückgang in Berlin ist niedriger als an allen anderen Airports, die von der Lufthansa Group angeflogen werden. Derzeit liegen wir hier um 40 Prozent unter der Vorjahresleistung. Wir waren mal bei Minus 60 Prozent, aber Berlin entwickelt sich wirklich gut.”

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (Foto: Jan Gruber).

Die Frage warum Ryanair und Wizzair ab dem Terminal 5 (Ex-Schönefeld) fliegen, jedoch Easyjet ab dem neuen BER-Gebäude, beantwortete Daldrup wie folgt: “Die Aufteilung wurde lange vor der Corona-Pandemie vorgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Schönefeld und Tegel gemeinsam etwa 36 Millionen Passagiere. Es war damals klar, dass die Terminals 1 und 2 das hohe Aufkommen nicht bewältigen können. Deswegen mussten wir eine Aufteilung vornehmen, um allen Airlines optimalen Service bieten zu können. Bei normaler Verkehrsleitung der Terminals 1 und 2 können diese die Verkehrsleitung von Ryanair nicht bewältigen. Daher brauchen wir auch das Terminal 5. Wie es langfristig weitergeht, wird sich zeigen. Es macht aber bei so wenig Verkehr keinen Sinn alles auf dem Midfield aufzuteilen. Im Frühjahr werden wir dann entscheiden wann und ob die Kapazitäten des Terminals 2 benötigt werden. Wir haben in den letzten Jahren viel in Schönefeld investiert und dort die Situation massiv verbessert.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Redakteur dieses Artikels:

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

Paywalls mag niemand
– auch Aviation.Direct nicht!

Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee Kaffee einladen.

Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.

Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Verbesserungsvorschläge wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.

Ihr
Aviation.Direct-Team
Paywalls
mag niemand!

Über den Redakteur

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

Paywalls mag niemand
– auch Aviation.Direct nicht!

Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee Kaffee einladen.

Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.

Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Verbesserungsvorschläge wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.

Ihr
Aviation.Direct-Team
Paywalls
mag niemand!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Werbung