Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific steht vor einer ungewissen Zukunft hinsichtlich ihrer bestellten Boeing 777X-Flotte. Das Unternehmen, das insgesamt 21 Maschinen des Typs 777-9 geordert hat, sieht sich mit erheblichen Verzögerungen bei der Auslieferung konfrontiert. Laut Alex McGowan, dem Chief Operating Officer der Cathay Pacific Group, fehlt es derzeit an Klarheit über den Zeitplan, was die langfristige Flottenplanung des Unternehmens erschwert.
Boeing kämpft weiterhin mit der Zertifizierung seines 777X-Programms durch die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA). Ursprünglich war geplant, die ersten Maschinen bereits 2020 auszuliefern. Doch die Entwicklung des Modells, insbesondere aufgrund regulatorischer Herausforderungen und technischer Probleme, hat sich immer wieder verzögert. Cathay Pacific hatte ihre Bestellung bereits 2013 getätigt und rechnete damals mit einer Auslieferung zwischen 2021 und 2024. Diese Prognose wurde jedoch mehrfach nach hinten verschoben.
Noch im August 2024 hatte Cathay Pacific angegeben, die ersten zwei Boeing 777-9 würden 2025 eintreffen, während die restlichen 19 in den darauffolgenden Jahren geliefert würden. Nun rechnet die Fluggesellschaft nicht mehr mit der ersten Maschine vor 2027. McGowan betonte, dass das Unternehmen in engem Austausch mit Boeing stehe, aber die Unsicherheiten in der Lieferkette weiterhin ein Problem darstellten.
Expansion und Flottenstrategie
Trotz der Unsicherheiten bei der 777X setzt Cathay Pacific ihre Expansion fort. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Unternehmensgruppe, zu der auch HK Express, Air Hong Kong und Cathay Cargo gehören, einen Nettogewinn von 9,89 Milliarden Hongkong-Dollar (etwa 1,27 Milliarden US-Dollar). Diese solide Finanzlage erlaubt es der Airline, ihre Flotte weiter auszubauen und ihre Marktstellung zu festigen.
Neben den Boeing-Bestellungen hat Cathay Pacific auch umfangreiche Aufträge bei Airbus platziert. So erwartet die Fluggesellschaft elf A320/A321-200N, dreißig A330-900N sowie sechs Frachtmaschinen des Typs A350F. Die Tochtergesellschaft HK Express wird bis 2027 insgesamt dreizehn weitere Airbus-Mittelstreckenjets erhalten, darunter A320-200N und A321-200N.
Interesse an Comac
Neben Boeing und Airbus richtet Cathay Pacific ihren Blick auch nach China. Ein hochrangiges Team der Airline, angeführt von CEO Ronald Lam, besuchte Ende 2024 den chinesischen Flugzeugbauer Comac (Commercial Aircraft Corporation of China). Die Gespräche drehten sich um die Möglichkeiten, zukünftig Flugzeuge aus chinesischer Produktion in die Flotte aufzunehmen.
Alex McGowan lobte die Fortschritte von Comac und zeigte Interesse an einer größeren Version des C919, einem Mittelstreckenflugzeug, das mit der Airbus A320 und der Boeing 737 konkurriert. Cathay Pacific sieht in einer gestreckten Variante des C919 eine mögliche Ergänzung zur eigenen Flotte. Darüber hinaus zeigte sich das Unternehmen neugierig auf den C929, ein geplantes Langstreckenflugzeug, das als mögliche Alternative für zukünftige Widebody-Bedürfnisse betrachtet wird.
McGowan betonte, dass Cathay Pacific gerne ihre Expertise mit Comac teilen würde, um die Entwicklung chinesischer Flugzeugmodelle weiter voranzutreiben. Der chinesische Hersteller hat ambitionierte Pläne, auf dem internationalen Markt Fuß zu fassen, und Cathay Pacific könnte in Zukunft ein potenzieller Abnehmer sein.
Herausforderungen für Boeing
Die Verzögerungen beim 777X-Programm stellen nicht nur für Cathay Pacific, sondern auch für Boeing ein erhebliches Problem dar. Neben regulatorischen Hürden und technischen Modifikationen leidet der US-Flugzeugbauer unter Lieferkettenproblemen und Produktionsrückständen. Mehrere Fluggesellschaften, darunter Lufthansa und Emirates, haben bereits öffentlich ihre Frustration über die Verzögerungen geäußert.
Für Cathay Pacific bedeutet dies eine ungewisse Flottenstrategie. Die Boeing 777-9 war als Ersatz für ältere Langstreckenmodelle eingeplant, insbesondere für die betagte Boeing 777-300ER. Die Verzögerungen zwingen die Airline nun dazu, alternative Lösungen in Betracht zu ziehen, sei es durch den längeren Betrieb bestehender Modelle oder durch die Bestellung zusätzlicher Airbus-Langstreckenjets.
Cathay Pacific steht vor bedeutenden strategischen Entscheidungen. Die Verzögerungen der Boeing 777X erschweren die langfristige Flottenplanung und könnten dazu führen, dass sich die Airline verstärkt Airbus oder sogar dem chinesischen Hersteller Comac zuwendet. Während die Airline weiterhin optimistisch bleibt und eng mit Boeing zusammenarbeitet, sind die kommenden Jahre entscheidend für die Zukunft der Flottenstrategie von Cathay Pacific.