Ein schwerwiegender Vorfall mit einem Airbus A350-1000 von Cathay Pacific hat die Luftfahrtindustrie in Alarmbereitschaft versetzt. Am 2. September 2024 brach während eines Fluges von Hongkong nach Zürich ein Triebwerksbrand am zweiten Triebwerk der Maschine aus, was eine sofortige Rückkehr des Flugzeugs nach Hongkong notwendig machte.
Der Vorfall führte zu einer flottenweiten Inspektion von 86 Flugzeugen des Typs A350-1000 und könnte nun auch zu Untersuchungen bei der A350-900-Baureihe führen. Eine vorläufige Untersuchung der Flugunfalluntersuchungsbehörde von Hongkong (AAIA) und die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) haben erste Ergebnisse veröffentlicht, die weitreichende Konsequenzen für die Sicherheit und Wartung von Flugzeugtriebwerken haben könnten.
Der Vorfall: Ein Triebwerksbrand zwingt zur Notlandung
Am 2. September 2024, nur 75 Minuten nach dem Start des Fluges CX383 von Cathay Pacific in Richtung Zürich, kehrte das Flugzeug aufgrund eines Triebwerksbrandes zurück nach Hongkong. Der Airbus A350-1000, ausgestattet mit Rolls-Royce Trent XWB-97-Triebwerken, erlitt einen Brand, der das zweite Triebwerk betraf. Laut dem vorläufigen Bericht der AAIA wurde der Brand durch einen Riss im stahlumflochtenen Treibstoffschlauch des Triebwerks verursacht. Dies führte zu einem Treibstoffaustritt, der in Kombination mit Sauerstoff und einer Zündquelle (Hitze) den Brand auslöste.
Der Bericht beschreibt detailliert, dass an mehreren Schläuchen des sekundären Kraftstoffverteilers Mängel festgestellt wurden. Fünf weitere Schläuche wiesen entweder ausgefranste Metalllitzen oder kollabierte Strukturen auf, was auf eine potenzielle Schwachstelle in der Konstruktion oder Wartung der Triebwerke hinweist. Diese Schwachstellen könnten zu erheblichen Sicherheitsrisiken führen, wenn sie nicht rechtzeitig behoben werden.
Flottenweite Inspektionen und Lufttüchtigkeitsanweisungen
Unmittelbar nach dem Vorfall leitete Cathay Pacific eine flottenweite Inspektion aller Airbus A350-900 und A350-1000 in ihrer Flotte ein. Insgesamt wurden 48 Flugzeuge der Airline auf mögliche ähnliche Probleme überprüft. Diese Maßnahme wurde durch den Druck der europäischen Luftfahrtbehörden verstärkt. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) erließ am 19. September 2024 eine aktualisierte Lufttüchtigkeitsanweisung (AD), die die Inspektion der A350-1000-Flotte vorschrieb und möglicherweise auch einige A350-900 betreffen könnte.
In der AD wurde betont, dass ein spezifischer Reinigungsprozess, der bei der Überholung von Trent XWB-Triebwerken zum Einsatz kommt, die Hauptursache für den Schaden an den Kraftstoffschläuchen sein könnte. Insbesondere die Triebwerke der Typen Trent XWB-84, XWB-75, XWB-79 und XWB-79B, die unter anderem bei der A350-900 eingesetzt werden, könnten von dem verdächtigen Reinigungsprozess betroffen sein. Dieser Prozess wurde inzwischen eingestellt, und es wurden Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass ähnliche Vorfälle in Zukunft vermieden werden.
Rolls-Royce unter Druck: Maßnahmen zur Sicherung der Trent XWB-Triebwerke
Rolls-Royce, der Hersteller der Trent XWB-Triebwerke, steht nun vor der Herausforderung, die Sicherheit seiner Triebwerke zu gewährleisten und das Vertrauen seiner Kunden zurückzugewinnen. In einer Erklärung an Aviation Week betonte Rolls-Royce, dass das Unternehmen mit der EASA zusammenarbeite, um eine kleine Anzahl von Hochdruck-Kraftstoffschläuchen in den betroffenen Triebwerken vorsorglich zu inspizieren. Die Priorisierung dieser Inspektionen richtet sich nach der Lebensdauer der Triebwerke und der Häufigkeit von Wartungsbesuchen.
Die Trent XWB-Triebwerke sind eine der modernsten und effizientesten Triebwerksreihen für Langstreckenflugzeuge wie die Airbus A350-Serie. Die Tatsache, dass sie potenziell durch einen Reinigungsprozess beschädigt wurden, wirft jedoch Fragen zur langfristigen Zuverlässigkeit dieser Technologie auf. Rolls-Royce hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Triebwerke zu überprüfen, die seit der Erstzulassung mehr als 18.500 Triebwerksflugstunden absolviert haben oder bereits zwei oder mehr Werkstattbesuche hinter sich haben. Auch Triebwerke, die 2.300 Triebwerkszyklen erreicht haben, unterliegen diesen Prüfungen.
Sicherheitsbedenken und die Bedeutung von Wartung
Der Vorfall mit dem Cathay Pacific Airbus A350-1000 hat einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig die regelmäßige und sorgfältige Wartung von Flugzeugtriebwerken ist. Moderne Triebwerke sind komplexe Maschinen, die unter extremen Bedingungen arbeiten. Jede Schwachstelle, sei es in der Konstruktion oder in der Wartung, kann zu katastrophalen Konsequenzen führen. Besonders bei Langstreckenflugzeugen, die auf hohe Zuverlässigkeit und Effizienz angewiesen sind, spielt die Wartung eine entscheidende Rolle.
Triebwerkshersteller wie Rolls-Royce investieren beträchtliche Ressourcen in die Entwicklung und Wartung ihrer Produkte. Dennoch zeigt der aktuelle Vorfall, dass auch kleine Fehler in der Wartung oder im Fertigungsprozess weitreichende Folgen haben können. Die Luftfahrtbehörden weltweit stehen in der Verantwortung, solche Vorfälle genau zu untersuchen und sicherzustellen, dass sie nicht erneut auftreten.
Folgen für andere Betreiber und Airbus?
Der Triebwerksbrand hat nicht nur Cathay Pacific, sondern auch andere Fluggesellschaften gezwungen, ihre A350-Flotten zu überprüfen. Die A350-Serie von Airbus gilt als eines der fortschrittlichsten Langstreckenflugzeuge auf dem Markt, und viele Fluggesellschaften setzen auf dieses Modell, um internationale Strecken effizient und umweltfreundlich zu bedienen. Der Vorfall könnte jedoch das Vertrauen in die Trent XWB-Triebwerke kurzfristig beeinträchtigen.
Da immer mehr Fluggesellschaften ihre Flotten mit modernen Flugzeugen wie der A350 ausstatten, ist die Sicherstellung der langfristigen Zuverlässigkeit dieser Maschinen von entscheidender Bedeutung. Der Markt für Langstreckenflugzeuge ist stark umkämpft, und Fluggesellschaften sind auf zuverlässige Partner wie Rolls-Royce angewiesen, um ihren Betrieb reibungslos aufrechtzuerhalten.
Eine Lehre für die Luftfahrtbranche?
Der Triebwerksbrand bei Cathay Pacific ist ein ernster Vorfall, der zeigt, wie wichtig präventive Wartung und schnelle Reaktionsmaßnahmen in der Luftfahrt sind. Die von der EASA erlassenen Lufttüchtigkeitsanweisungen und die Maßnahmen von Rolls-Royce zur Inspektion der betroffenen Triebwerke sind Schritte in die richtige Richtung, um die Sicherheit zu gewährleisten und das Vertrauen der Fluggesellschaften und Passagiere zu bewahren.
Es bleibt abzuwarten, wie die endgültigen Ergebnisse der laufenden Untersuchung aussehen werden und welche zusätzlichen Maßnahmen zur Vermeidung zukünftiger Vorfälle getroffen werden. Klar ist jedoch, dass die Luftfahrtindustrie ständig wachsam bleiben muss, um die Sicherheit ihrer Fluggäste und Besatzungsmitglieder zu gewährleisten.