Ein Flug von Tuifly Nordic auf dem Weg von Gran Canaria nach Göteborg mußte am Mittwoch zu einer außerplanmäßigen Landung in Santiago de Compostela gezwungen werden. Der Grund war das gewalttätige und unkontrollierbare Verhalten einer Passagierin an Bord.
Zeugen berichten, die Frau habe geschrien, eine Mitreisende angegriffen, indem sie ihr an den Haaren zog, und sich auch gegenüber einem Flugbegleiter aggressiv verhalten. Der Vorfall, der eine Notlandung und erhebliche Verspätungen zur Folge hatte, wirft Fragen über die Kontrollen vor dem Einsteigen und den Umgang mit schwierigen Passagieren in der Luftfahrt auf. Die Tui lobte das Vorgehen der Besatzung. Die spanischen Behörden haben ein Ermittlungsverfahren gegen die Unruhestifterin eingeleitet.
Ein Flug, der in Chaos endete: Die Ereignisse an Bord
Flug 6B234 wurde von einer Boeing 737 Max 8 (Registrierung SE-RND) durchgeführt und befand sich auf dem Weg vom Flughafen Gran Canaria (LPA) nach Göteborg (GOT). Kurz nach dem Start, als sich die Maschine bereits im spanischen Luftraum befand, eskalierte die Situation. Eine weibliche Passagierin, die nach Zeugenaussagen bereits vor dem Einsteigen einen angetrunkenen Eindruck machte, begann in der Kabine zu randalieren.
- Sie soll laut Zeugenberichten laut geschrien und damit die anderen Passagiere verängstigt haben.
- Im Verlauf des Zwischenfalls griff sie eine Mitreisende, namentlich Sawza Hussein, physisch an, indem sie ihr an den Haaren zog. Hussein beschrieb den Vorfall später als „schrecklich traumatisch“ und mußte medizinisch versorgt werden.
- Auch ein Flugbegleiter wurde Opfer des Angriffs, als die Frau sich auch ihm gegenüber gewalttätig verhielt.
Die Besatzung sah sich gezwungen, die Kontrolle über die Situation zu übernehmen. Angesichts der Bedrohung für die Sicherheit der anderen Passagiere und des Personals, traf die Crew die Entscheidung, den nächstgelegenen Flughafen anzusteuern, um eine außerplanmäige Zwischenlandung durchzuführen. Die Piloten leiteten die Umleitung nach Santiago de Compostela (SCQ) ein.
Sicherheit hat Vorrang: Die Notlandung und ihre Folgen
Die Ausweichlandung in Santiago de Compostela verlief ohne weitere Zwischenfälle. Spanische Polizeikräfte nahmen die aggressive Passagierin nach der Landung sofort in Gewahrsam. Die anderen Passagiere mußten die Nacht in einem nahegelegenen Hotel verbringen, da die Weiterreise mit dem Ersatzflugzeug erst am nächsten Morgen möglich war.
Der Vorfall ist ein eindringliches Beispiel für das strenge Sicherheitsprotokoll der Luftfahrt. Die Sicherheit von Passagieren und Crew hat stets oberste Priorität. Die Besatzung ist für solche Situationen geschult, um die Kontrolle zu behalten und die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Die Fluggesellschaft Tui lobte das professionelle und schnelle Handeln ihrer Crew, die eine weitere Eskalation an Bord verhindern konnte.
Die Passagiere wurden am nächsten Morgen mit derselben Boeing 737 Max 8 nach Göteborg gebracht. Die aggressive Passagierin war selbstverständlich nicht mehr an Bord. Der Vorfall führte zu einer Gesamtverspätung von über zwölf Stunden, was die Unannehmlichkeiten für die Betroffenen zusätzlich erhöhte.
Die Frage der Verantwortung: Wie konnte es dazu kommen?
Der Vorfall wirft die drängende Frage auf, wie eine derart offensichtlich aggressive und mutmaßlich alkoholisierte Person überhaupt an Bord eines Flugzeugs gelangen konnte. Die Fluggesellschaft Tui hat bereits angekündigt, eine interne Untersuchung einzuleiten, um dies zu klären. Die Kontrollen am Boden sind in der Verantwortung des Flughafenbetreibers, des Bodenpersonals und der Fluggesellschaft. Je nach Staat können die Personen- und Gepäckkontrollen auch unter Aufsicht der Exekutive oder durch diese durchgeführt werden. In der Europäischen Union ist dies äußerst unterschiedlich geregelt.
- Normalerweise sind Fluggesellschaften und ihr Bodenpersonal verpflichtet, offensichtlich angetrunkenen oder gewalttätig wirkenden Personen das Einsteigen zu verwehren.
- Das Luftverkehrsgesetz und internationale Bestimmungen verbieten es Passagieren, unter Alkoholeinfluß oder unter Drogen Einfluß das Flugzeug zu betreten, wenn dadurch eine Gefahr für die Sicherheit des Flugbetriebs oder die Ordnung an Bord entsteht.
Der Vorfall zeigt, daß es trotz dieser Vorschriften immer wieder zu Versäumnissen kommen kann. Eine lückenlose Aufklärung wird zeigen müssen, wo die Fehlerkette begann. Zeugenaussagen, die besagen, daß die Frau bereits vor dem Einsteigen auffällig war, sind ein wichtiger Ansatzpunkt für die Untersuchung der spanischen Behörden.
Zunehmende Probleme: Die Zunahme von „Unruly Passengers“
Solche Vorfälle sind in der Luftfahrt keine Seltenheit mehr. Der Begriff „Unruly Passengers“ (auf Deutsch: widerspenstige Passagiere) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Fluggesellschaften und internationale Luftfahrtorganisationen wie die International Air Transport Association (IATA) berichten von einer zunehmenden Zahl von Zwischenfällen, die durch unkontrolliertes Verhalten von Passagieren verursacht werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, von Alkoholeinfluß und Drogenkonsum über psychische Probleme bis hin zu einem generellen Mangel an Respekt gegenüber den Regeln und dem Personal an Bord.
Die IATA hat in der Vergangenheit Maßnahmen zur Sensibilisierung und Schulung des Personals gefordert, um mit solchen Situationen besser umgehen zu können. Ein Sprecher des Tui-Konzerns betont, dass bislang bei Tuifly Nordic so genannte „unruly PAX“ nicht vorgekommen sind. Weiters ist das skandinavische Luftfahrtunternehmen kein Mitglied der IATA.