Terminal 2 am Flughafen München (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Chaotische Zustände am Münchner Flughafen: Über 750 Passagiere verpassen ihren Flug

Werbung

Am Münchner Flughafen kam es am Donnerstag zu einem massiven Stau an den Sicherheitskontrollen des Terminals 2, der dazu führte, dass rund 750 Passagiere ihre Flüge verpassten. Bilder von endlosen Warteschlangen und frustrierten Reisenden machten schnell die Runde in den sozialen Medien, was den Vorfall in der breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Besonders tragisch: Es war der Tag der Deutschen Einheit, ein Feiertag, an dem viele Menschen unterwegs waren, um ihre freien Tage zu nutzen.

Der Münchner Flughafen, einer der größten und wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkte Europas, sah sich plötzlich mit einer Krise konfrontiert, die nicht nur die betroffenen Passagiere, sondern auch das Management und die Sicherheitsbehörden unter Druck setzte. Bei einer anschließenden Pressekonferenz sprach Flughafenchef Jost Lammers von einem „sehr ungewöhnlichen Anreiseverhalten der Passagiere“, das für die chaotischen Zustände verantwortlich gemacht wurde.

Frühzeitige Anreise: Ursache oder Symptom?

Laut Lammers waren viele der Reisenden bereits sechs Stunden oder sogar früher vor ihrem geplanten Abflug am Flughafen erschienen. Diese frühe Anreise hätte das Aufkommen an den Sicherheitskontrollen massiv verstärkt und zu den langen Wartezeiten geführt. Dabei war dieses Verhalten in der Vergangenheit nicht üblich. Die Frage, warum die Passagiere plötzlich so viel früher als gewohnt erschienen, blieb jedoch unbeantwortet. Lammers gab zu, dass dies das „Zentrum unserer Analysen“ sei, und räumte ein, dass man diese Situation so bisher nicht erlebt habe.

Es wird spekuliert, dass eine Kombination aus Feiertagsverkehr, gestiegenem Sicherheitsbewusstsein der Passagiere und möglicherweise unklaren Informationen zu den empfohlenen Ankunftszeiten die ungewöhnlich frühe Anreise vieler Fluggäste verursacht haben könnte. Einige Passagiere gaben an, aufgrund von Berichten über lange Wartezeiten aus der Vergangenheit bewusst früher erschienen zu sein, um sicherzustellen, dass sie ihren Flug nicht verpassen.

Überlastete Sicherheitskontrollen und Maßnahmen zur Entlastung

Die Sicherheitskontrollen, die von der Firma SGM im Auftrag der Regierung von Oberbayern durchgeführt werden, konnten den plötzlichen Ansturm nicht effizient bewältigen. Matthias Dohse, operativer Geschäftsführer von SGM, versicherte, dass alle Kontrollspuren in Betrieb waren, darunter acht moderne CT-Spuren und neun konventionelle Spuren. Trotz dieser Kapazitäten kam es zu stundenlangen Verzögerungen.

Um die Situation kurzfristig zu entschärfen, wurden einige Passagiere der Lufthansa-Tochter Discover Airlines seit Freitag über das Terminal 1 geleitet, um dort die Sicherheitskontrollen zu durchlaufen. Zudem plant der Flughafen, in Spitzenzeiten Fluggäste per Shuttlebus vom Terminal 2 zu den Sicherheitskontrollen im Terminal 1 zu bringen. Diese Maßnahme soll die Last auf das Terminal 2 verringern und eine schnellere Abfertigung ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der Appell des Flughafens an die Passagiere, nicht mehr als drei Stunden vor ihrem Abflug am Flughafen zu erscheinen. Diese Bitte zielt darauf ab, das Aufkommen an den Sicherheitskontrollen zu entzerren und unnötige Überlastungen zu verhindern. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Maßnahmen in den kommenden Wochen auswirken werden, insbesondere angesichts der bevorstehenden Herbstferien und des Weihnachtsreiseverkehrs.

Zukunftsplanung: Kapazitätserweiterung im Sommer 2025

Der Vorfall am Terminal 2 verdeutlicht die Notwendigkeit, die Kapazitäten der Sicherheitskontrollen weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang kündigte Dohse an, dass im kommenden Sommerflugplan eine Kapazitätssteigerung von etwa 30 Prozent geplant ist. Dies soll durch den Einsatz weiterer CT-Scanner erreicht werden, die in den kommenden Monaten installiert werden. Diese modernen Scanner ermöglichen eine schnellere und effizientere Abwicklung, da das Handgepäck detaillierter und ohne den umständlichen Prozess des Auspackens gescannt werden kann.

Verantwortung und Entschuldigung

Flughafenchef Jost Lammers entschuldigte sich bei den betroffenen Passagieren für die „langen Schlangen und erheblichen Zeitverzögerungen“. Er betonte, dass man die Situation sehr ernst nehme und intensiv daran arbeite, solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Gleichzeitig betonte er, dass alle Kontrollstellen betriebsbereit gewesen seien und dass es sich um eine Ausnahmesituation gehandelt habe.

Trotz der umfassenden Maßnahmen bleibt die Frage offen, ob das „ungewöhnliche Anreiseverhalten“ der Passagiere allein verantwortlich für die chaotischen Zustände war oder ob es strukturelle Mängel gibt, die ebenfalls angegangen werden müssen. Flughäfen weltweit stehen vor der Herausforderung, sich auf veränderte Passagierströme und Sicherheitsanforderungen einzustellen, insbesondere in Zeiten steigenden Reiseaufkommens.

Der Vorfall am Terminal 2 des Münchner Flughafens zeigt, wie schnell das System eines internationalen Flughafens durch unvorhersehbare Entwicklungen an seine Grenzen stoßen kann. Die Maßnahmen zur kurzfristigen Entlastung sind ein erster Schritt, doch mittelfristig müssen weitere Investitionen in die Infrastruktur und die Optimierung der Passagierströme erfolgen. Nur so kann der Flughafen München, der als eines der wichtigsten Drehkreuze Europas gilt, seine Position als leistungsstarker und effizienter Flughafen halten und ausbauen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung