Die taiwanesische Fluggesellschaft China Airlines plant eine signifikante Erweiterung und Modernisierung ihrer Flotte, wie aus einer jüngsten Einreichung an der Taipei Stock Exchange vom 25. Juni 2025 hervorgeht. Der Aufsichtsrat der Fluggesellschaft hat eine Transaktion im Werte von annähernd zwei Milliarden US-Dollar genehmigt, welche die Anschaffung von bis zu dreizehn zusätzlichen Flugzeugen vorsieht.
Diese umfassen fünf Maschinen des Typs Airbus A350-900 sowie acht Flugzeuge des Typs A321neo. Obwohl ein spezifisches Abkommen noch nicht endgültig geschlossen zu sein scheint, ist vorgesehen, daß zumindest fünf der A321neo-Maschinen von der Aircraft Lease Corporation (ALC) geliefert werden sollen. Diese neuesten Pläne gesellen sich zu bereits getätigten Großbestellungen und unterstreichen den dynamischen Kurs der taiwanesischen Luftfahrtunternehmen, ihre Kapazitäten angesichts einer wiedererstarkenden Reisenachfrage und des zunehmenden Wettbewerbs im asiatisch-pazifischen Raum massiv auszubauen und zu erneuern.
Die Flottenstrategie von China Airlines: Wachstum auf breiter Basis
Die jüngste Ankündigung von China Airlines reiht sich ein in eine Serie von Maßnahmen zur Flottenerneuerung und -erweiterung, welche die Fluggesellschaft in den vergangenen Monaten vorgenommen hat. Die Beschaffung von fünf Airbus A350-900 unterstreicht das Bestreben, die Langstreckenkapazitäten zu stärken und den Komfort für Reisende auf Interkontinentalflügen zu erhöhen. Die A350-Familie gilt als eine der modernsten und effizientesten Großraumflugzeuge am Markte, welche für ihre Reichweite und ihr angenehmes Kabinenerlebnis geschätzt wird. Diese Maschinen werden voraussichtlich auf wichtigen Langstreckenverbindungen zum Einsatz kommen, um die globalen Reichweite von China Airlines zu festigen und neue Destinationen zu erschließen.
Die Entscheidung für acht A321neo-Flugzeuge deutet indes auf eine Stärkung der regionalen und mittellangen Streckennetzes hin. Die A321neo, ein Schmalrumpfflugzeug der neuesten Generation, bietet eine hervorragende Treibstoffeffizienz und ist ideal für hochfrequente Routen innerhalb Asiens sowie für Verbindungen nach Australien und Neuseeland geeignet. Diese Flugzeuge sind flexibel einsetzbar und ermöglichen es China Airlines, auf die wachsende Nachfrage im regionalen Verkehr zu reagieren, ohne die Kostenstruktur über Gebühr zu belasten. Die mögliche Einbeziehung der Aircraft Lease Corporation (ALC), einem der größten Flugzeugvermieter der Welt, für einen Theil der A321neo-Beschaffung zeigt eine flexible Finanzierungsstrategie, welche die Investitionsrisiken minimieren und rasche Flottenzugänge ermöglichen kann. ALC ist bekannt dafür, Fluggesellschaften maßgeschneiderte Leasinglösungen anzubieten, was für eine schnelle Expansion von Vorteil ist.
Diese nun bekanntgewordenen Pläne sind überdies zusätzlich zu den bereits im Dezember 2024 getätigten Großbestellungen bei Airbus und Boeing zu sehen. Damals hatte China Airlines zehn Airbus A350-1000, die größte Version der A350-Familie, sowie zehn Passagierflugzeuge des Typs Boeing 777-9 in Auftrag gegeben. Letzterer Auftrag, welcher im Mai 2025 festgemacht wurde, umfasste auch vier Frachtflugzeuge des Typs Boeing 777-8F. Diese breite Diversifizierung der Bestellungen bei beiden großen Flugzeugherstellern zeigt ein strategisches Vorgehen, welches sowohl die Passagier- als auch die Frachtkapazitäten von China Airlines stärken soll. Die Luftfracht hat sich in den letzten Jahren als ein zunehmend wichtiger Geschäftsbereich erwiesen, und die 777-8F ist eine der leistungsfähigsten Frachtmaschinen auf dem Markte.
Herausforderungen durch Lieferverzögerungen: Die Boeing 787-Problematik
Die ambitionierten Flottenpläne von China Airlines sind jedoch nicht ohne Herausforderungen. Ein wesentlicher Aspekt, der die jüngsten Akquisitionsentscheidungen beeinflußt hat, sind die Verzögerungen bei der Auslieferung von Flugzeugen des Typs Boeing 787. China Airlines hatte bereits auf der Paris Air Show im Jahre 2023 eine bedeutende Bestellung für die Boeing 787-Familie aufgegeben, welche achtzehn B787-9 und sechs B787-10 Flugzeuge umfaßte. Die Auslieferungen dieser sogenannten „Dreamliner“ haben sich jedoch verzögert, ein Problem, mit dem Boeing seit einiger Zeit zu kämpfen hat und welches viele Fluggesellschaften weltweit betrifft. Produktionsprobleme, Qualitätssicherungsprüfungen und Zertifizierungsprozesse haben zu anhaltenden Schwierigkeiten beim Hersteller geführt.
Als Reaktion auf diese Verzögerungen beabsichtigt China Airlines, einige ihrer bestehenden Flugzeuge länger in Betrieb zu halten als ursprünglich geplant. Diese Strategie der Lebenszeitverlängerung älterer Maschinen ist eine gängige Praxis in der Luftfahrt, um Kapazitätslücken zu schließen, die durch verspätete Neubauten entstehen. Dies gewährleistet, daß die Fluggesellschaft ihre Flugpläne aufrechterhalten und die wachsende Reisenachfrage bedienen kann, ohne auf die Auslieferung der neuen Flugzeuge warten zu müssen. Es unterstreicht jedoch auch die Abhängigkeit der Fluggesellschaften von den Herstellern und die Notwendigkeit flexibler Flottenstrategien in einem unsicheren globalen Marktumfeld. Die Boeing 787 ist ein wichtiges Flugzeug für viele Fluggesellschaften weltweit, und die anhaltenden Schwierigkeiten bei ihrer Auslieferung haben weitreichende Auswirkungen auf die Branche.
Taiwans Luftfahrt im Aufwind: Ein harter Wettbewerb unter den Carriern
Die jüngsten Ankündigungen von China Airlines finden inmitten einer allgemeinen Tendenz der großen taiwanesischen Fluggesellschaften statt, ihre Flotten zu erneuern und zu erweitern. Dies ist ein klares Zeichen für das Vertrauen in die Erholung und das zukünftige Wachstum des Luftverkehrs, insbesondere im strategisch wichtigen asiatisch-pazifischen Raum. Nach den Herausforderungen der vergangenen Jahre, welche die gesamte globale Luftfahrtbranche betrafen, erleben die Fluggesellschaften in Asien nun eine starke Nachfrageerholung, insbesondere auf internationalen Routen.
China Airlines‘ Hauptkonkurrentin auf dem heimischen Markte, EVA Air, hat ebenfalls kräftig investirt. Im März 2025 platzierte EVA Air einen festen Auftrag für sechs Langstreckenflugzeuge des Typs Airbus A350-1000 und drei Schmalrumpfflugzeuge des Typs A321neo. Dies zeigt, daß auch EVA Air sowohl ihre internationalen als auch ihre regionalen Kapazitäten stärken will, um auf die wachsende Nachfrage zu reagieren und ihre Marktposition zu behaupten.
Ein weiterer wichtiger Akteur im taiwanesischen Luftverkehr ist Starlux Airlines. Die relativ junge Fluggesellschaft, welche sich auf den Ausbau ihres Langstreckennetzes von Taipeh (TPE) konzentrirt, hat ebenfalls eine bedeutende Bestellung aufgegeben. Während der Paris Air Show 2025 ordirte Starlux Airlines zehn Airbus A350-1000 Maschinen. Diese Investition signalisiert Starlux‘ Ambition, sich als Premium-Anbieter auf dem internationalen Markte zu etablieren und die Konkurrenz zu den etablierten Carriern wie China Airlines und EVA Air zu verschärfen. Die A350-1000, als Langstreckenflugzeug, ist ideal für die Expansion auf lukrative interkontinentale Routen, was die strategische Ausrichtung von Starlux unterstreicht.
Der intensive Wettbewerb zwischen diesen drei großen taiwanesischen Fluggesellschaften – China Airlines, EVA Air und Starlux Airlines – wird voraussichtlich zu einer weiteren Verbesserung der Serviceleistungen und der Konnektivität für Reisende führen. Die konsolidierten Flottenbestellungen zeigen eine optimistische Zukunftserwartung und das Bestreben, Taipeh als einen wichtigen Luftverkehrsknotenpunkt in Asien weiter auszubauen. Taiwan, mit seiner zentralen Lage im Pazifik, ist ein natürlicher Brückenkopf für Reisen zwischen Ost und West, und die taiwanesischen Fluggesellschaften sind bestrebt, diese geographische Position optimal zu nutzen. Die Flottenmodernisierung ist somit nicht nur eine Reaktion auf die Nachfrage, sondern auch eine strategische Investition in die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der taiwanesischen Luftfahrt.