Die Volksrepublik China führt am zweiten Tag in Folge das großangelegte Militärmanöver „Mission Gerechtigkeit 2025“ in den Gewässern und im Luftraum rund um Taiwan durch. Wie das Ostkommando der Volksbefreiungsarmee mitteilte, konzentrieren sich die Übungen auf simulierte Angriffe gegen Seeziele sowie auf komplexe Luftabwehr- und U-Boot-Abwehr-Operationen.
Zum Einsatz kommt ein massives Aufgebot an Zerstörern, Fregatten sowie strategischen Bombern und Kampfflugzeugen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Taipeh wurden innerhalb von 24 Stunden bereits 130 Einsätze chinesischer Flugzeuge und Drohnen registriert, was den zweithöchsten jemals gemessenen Wert darstellt. Parallel dazu kreuzen zahlreiche Kriegsschiffe und staatliche Behördenschiffe in den sieben ausgewiesenen Sperrgebieten, die die Insel nahezu vollständig umschließen.
Die kurzfristig angesetzte Militäroperation hat massive Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr in einer der meistbefahrenen Regionen der Welt. Die taiwanesische Zivilluftfahrtbehörde CAA berichtete, dass sich die Manövergebiete mit 15 von 18 Standardflugrouten innerhalb der Fluginformationsregion (FIR) Taipeh überschneiden. Betroffen sind demnach mindestens 857 Flüge, was zu weitreichenden Verspätungen und Umleitungen im internationalen Reise- und Frachtverkehr führt. Lediglich drei Luftstraßen in Richtung Japan bleiben nach aktuellem Stand offen. Die CAA verurteilte das Vorgehen Pekings als schwerwiegenden Verstoß gegen internationale Normen der zivilen Luftfahrt, da die Vorwarnzeit von nur 24 Stunden keine geordnete Umplanung des globalen Flugplans ermöglichte.
Politische Beobachter werten die Übungen als direkte Machtdemonstration gegenüber der demokratisch gewählten Regierung in Taipeh und als Reaktion auf die jüngste Zusage der USA über umfangreiche Waffenlieferungen an Taiwan. Peking bezeichnete das Manöver offiziell als „ernste Warnung“ gegen separatistische Tendenzen. Die Spannungen strahlen zudem auf die gesamte Region aus, insbesondere auf Japan, das seine eigene Sicherheit eng mit der Stabilität in der Straße von Taiwan verknüpft sieht. Experten weisen darauf hin, dass die Durchführung von Schießübungen mit scharfer Munition in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Handelswegen das Risiko für ungewollte Eskalationen erhöht und die logistischen Ketten im asiatisch-pazifischen Raum erheblich stört.
Die Volksrepublik China beharrt auf ihrem Anspruch, Taiwan als integralen Bestandteil ihres Staatsgebiets zu betrachten, und schließt die Anwendung militärischer Gewalt zur Erreichung dieses Ziels nicht aus. Seit 2022 haben sich Frequenz und Intensität solcher Manöver stetig erhöht, wobei die aktuelle Operation durch die hohe Zahl an Drohneneinsätzen und die Koordination verschiedener Teilstreitkräfte eine neue Qualität erreicht. Während Taiwan seine Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt hat, beobachten internationale Sicherheitsbehörden die Bewegungen der chinesischen Flotte genau. Die wirtschaftlichen Folgen der Luftraum- und Seewegblockaden sind bereits jetzt durch Verzögerungen bei Zuliefererketten im Hochtechnologiesektor spürbar.