Comac C919 (Foto: Weimeng).
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COMAC-Jet feiert Debüt auf der Dubai Airshow

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Das von China entwickelte zweistrahlige Passagierflugzeug C919 steht vor seinem ersten wichtigen Auftritt außerhalb Asiens und wird auf der Dubai Airshow vom 17. bis 20. November 2021 im Nahen Osten debütieren. Der chinesische Flugzeughersteller COMAC (Commercial Aircraft Corporation of China) hat sein C919-Demonstrationsflugzeug bereits zum Al Maktoum International Airport (DWC) in Dubai entsandt, um auf der globalen Bühne um Aufmerksamkeit zu werben.

Der Auftritt in Dubai gilt als strategisch wichtig, da COMAC trotz moderater Verkaufszahlen im Inland bisher keine nennenswerten Großaufträge von bedeutenden ausländischen Fluggesellschaften sichern konnte. Angesichts der anhaltenden Lieferschwierigkeiten und Produktionsverzögerungen bei den etablierten westlichen Herstellern Airbus und Boeing sieht COMAC im C919 eine Chance, diese Marktengpässe auszunutzen und sich als dritte Kraft im globalen Schmalrumpfsegment zu positionieren. Die Dubai Airshow, die über 1.500 Aussteller und mehr als 148.000 Besucher erwartet, dient dabei als entscheidendes Schaufenster.

Strategischer Vorstoß in den Nahen Osten

Die Ankunft des C919 in Dubai am 10. November 2025, nach einem technischen Zwischenstopp in Dhaka, Bangladesch, markiert den Beginn der internationalen Ambitionen des chinesischen Flugzeugbauers. Branchenanalysten betrachten die Teilnahme an der Dubai Airshow als einen notwendigen Schritt zur Erschließung neuer Märkte.

Qi Qi, ein leitender unabhängiger Zivilluftfahrtanalyst, erklärte in einer Stellungnahme gegenüber dem $People’s Daily Online$, dass die Expansion in Überseemärkte der nächste Meilenstein für den C919 sei. Er sieht die größten Potenziale für erste kommerzielle internationale Flüge in Partnerländern und Regionen, die an Chinas „Gürtel und Straße“-Initiative (Belt and Road Initiative) teilnehmen. Insbesondere Fluggesellschaften in Südostasien und im Nahen Osten gelten als potenziell stärkste Abnehmer des C919. „Deshalb legt COMAC großen Wert auf die Dubai Airshow 2025“, so Qi. Der Nahe Osten dient hierbei nicht nur als wachsender Luftverkehrsmarkt, sondern auch als wichtiger Knotenpunkt für den Transitverkehr zwischen Europa, Afrika und Asien.

Der C919 im Inlandseinsatz

Im Heimatmarkt hat der C919 seine operative Reife unter Beweis gestellt. Per 12. November 2025 hat COMAC insgesamt 19 Flugzeuge an drei chinesische Fluggesellschaften ausgeliefert: China Eastern Airlines, Air China und China Southern Airlines. Diese Flotte bedient derzeit 15 Routen und verbindet 10 Städte innerhalb Chinas.

Seit der Aufnahme des regulären Passagierbetriebs im Mai 2023 hat das Modell eine wichtige Rolle im nationalen Luftverkehr eingenommen. Laut COMAC haben die 19 in Betrieb befindlichen Jets in den zwei Jahren mehr als zwei Millionen Passagierflüge absolviert.

  • China Eastern Airlines fungiert als weltweiter Erstbetreiber des C919 und betreibt neun Flugzeuge. Diese Flotte hat mehr als 6.240 kommerzielle Flüge auf acht Routen durchgeführt und dabei über 850.000 Passagiere befördert.
  • Air China setzt ihre vier C919-Maschinen auf vier Routen ein, darunter Verbindungen von Peking nach Shanghai, Hangzhou, Chengdu und Wuhan.
  • China Southern Airlines bedient ebenfalls vier Routen ab Guangzhou nach Shanghai, Chengdu, Hangzhou und Haikou mit sechs C919-Einheiten.

Die jüngste betriebliche Erweiterung war der Jungfernflug des Typs auf einer kommerziellen internationalen Route. Am 7. November 2025 absolvierte eine von Air China betriebene C919 den ersten kommerziellen Flug von Peking nach Hongkong und wurde bei der Landung auf dem Hong Kong International Airport (HKG) mit einer Wasserfontänen-Zeremonie begrüßt. Dieser Flug war ein symbolischer Schritt, der die Fähigkeit des Flugzeugs für den grenzüberschreitenden Verkehr demonstrieren soll.

Technologische Positionierung im globalen Markt

Der C919 ist das erste kommerzielle Flugzeug, das von China unabhängig nach internationalen Lufttüchtigkeitsstandards entwickelt wurde und eigene geistige Eigentumsrechte besitzt. Das Flugzeug wurde konzipiert, um direkt mit den dominierenden Schmalrumpfflugzeugfamilien, der Airbus A320 und der Boeing 737, zu konkurrieren.

Obwohl der C919 in seiner Konzeption möglicherweise nicht so innovativ ist wie neuere Modelle wie der Airbus A220, bietet er entscheidende Wettbewerbsvorteile, die COMAC im Ausland betonen will. Zum einen ist der C919 Berichten zufolge signifikant günstiger in der Anschaffung als seine westlichen Pendants. Zum anderen verwendet er Triebwerke der gleichen Generation – die CFM LEAP-Triebwerke – die auch in frühen Versionen des Airbus A320neo und der Boeing 737 Max 8 zum Einsatz kommen. Die Verfügbarkeit derselben Triebwerkstechnologie mindert das Risiko von Erstkunden und bietet eine vergleichbare Treibstoffeffizienz.

Bis heute hat der C919 insgesamt mehr als 1.000 Bestellungen aus dem In- und Ausland erhalten, wobei die Mehrheit der Festaufträge von staatlich kontrollierten chinesischen Leasinggesellschaften und Fluggesellschaften stammt. Die internationale Präsenz des C919 soll diesen Auftragsbestand diversifizieren.

Die Hauptstrategie von COMAC liegt darin, die seit Jahren bestehende Marktbeherrschung von Boeing und Airbus zu durchbrechen. Angesichts der hohen Auftragsbücher bei den beiden Marktführern und der damit verbundenen Lieferverzögerungen, die sich bis weit in die 2030er Jahre ziehen, bietet COMAC eine potenzielle Alternative für Fluggesellschaften, die dringend moderne Schmalrumpfflugzeuge benötigen, um der anhaltend steigenden globalen Reisenachfrage gerecht zu werden. Der Auftritt in Dubai ist somit weniger ein direkter Verkaufsversuch an die großen Golf-Airlines, sondern vielmehr eine Möglichkeit, kleineren, wachstumsstarken Carriern in Asien, Afrika und dem Nahen Osten eine technisch ausgereifte Alternative zu präsentieren.

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