Die deutsche Fluggesellschaft Condor bereitet sich unter der Führung von Vorstands-Chef Peter Gerber auf einen Wechsel im Gesellschafterkreis vor. Der bisherige Mehrheitseigentümer, der Finanzinvestor Attestor, der im Rahmen der Neuausrichtung rund 450 Millionen Euro in die Airline investiert hat und derzeit 51 Prozent der Firmenanteile hält, strebt perspektivisch den Ausstieg an.
Gerber wirbt bei potenziellen Investoren nicht nur mit dem touristischen Passagiergeschäft, sondern zunehmend mit dem Ausbau der Unterdeckfracht. Der Manager, der zuvor langjährig als Vorstandsvorsitzender bei Lufthansa Cargo tätig war, sieht im Frachtbereich ungenutzte Ertragspotenziale für die Airline.
Als wesentliche Grundlage für den Ausbau des Beiladefrachtgeschäfts führt Condor die modernisierte Langstreckenflotte des Typs Airbus A330-900 an. Durch die Umstellung des Streckennetzes auf ganzjährige Verbindungen in Märkte mit hohem Frachtaufkommen, darunter Nordamerika und Asien, sollen die Frachträume in den Flugzeugbäuchen kontinuierlich ausgelastet werden. Das Frachtgeschäft dient der Fluggesellschaft als Stabilisator gegen die stark saisonalen Schwankungen im touristischen Passagierverkehr.
Finanziell steht der Eignerwechsel vor dem Hintergrund einer abgeschlossenen Restrukturierung. Nach dem Zusammenbruch des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook im Jahr 2019 und den anschließenden Einbrüchen während der Corona-Pandemie war die Fluggesellschaft durch staatliche Kredite und Bürgschaften von Bund und dem Land Hessen in dreistelliger Millionenhöhe abgesichert worden. Die verbliebenen Verbindlichkeiten aus dem staatlichen KfW-Kredit in Höhe von 175 Millionen Euro konnte das Unternehmen im Frühjahr 2026 vorzeitig tilgen. Der Staat ist weiterhin über eine Treuhandgesellschaft mit 49 Prozent der Anteile beteiligt, was die Verhandlungen über eine neue Eigentümerstruktur beeinflusst.
Hinsichtlich der künftigen Gesellschafterstruktur hält sich das Management Optionen offen. Neben Finanzinvestoren gelten auch Fluggesellschaften aus der Golfregion als denkbare Partner. Marktbeobachter verweisen jedoch darauf, dass der Frachtmarkt hohen zyklischen Risiken unterliegt und von starker Konkurrenz durch etablierte Frachtgesellschaften und globale Logistikkonzerne geprägt ist. Ob die Neuausrichtung im Cargo-Segment ausreicht, um langfristig tragfähige Margen und ein nachhaltiges Interesse internationaler Investoren zu sichern, wird vom Verlauf des laufenden Verkaufsprozesses abhängen.