"Funky Falafel" und Getränk (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Condor-City-Business-Class mit viel Luft nach oben

Werbung

Die Fluggesellschaft Condor, einst explizit als Ferienflieger positioniert, befindet sich momentan in einer Transformationsphase, die auch eigene Zubringerflüge nach Frankfurt am Main beinhaltet. Die so genannten „City-Flüge“ haben im Tarifsystem eine Sonderstellung. Angeboten wird auch eine „C“ – Aviation.Direct hat die Kurzstrecken-Business-Class der deutschen Airline genauer unter die Lupe genommen.

Bis zum Jahr 2025 hatte Condor keine eigenen Feeder-Flüge zum Drehkreuz Frankfurt am Main, denn aus historischen Gründen nutzte man hierfür Dienstleistungen der einstigen Konzernmutter Lufthansa. Allerdings hat der Kranich den entsprechenden Vertrag, in dem Sonderkonditionen für die einst verscherbelte Tochtergesellschaft festgehalten sind, gekündigt. Nach langem juristischen Tauziehen sieht es ganz danach aus als würde Condor diese Sonderkonditionen dauerhaft verlieren. Lufthansa hat kein Interesse daran die Flüge der ehemaligen Tochter zu feedern, denn mit Discover Airlines hat man einen direkten Konkurrenten, der im gleichen Marktsegment tätig ist, aufgebaut.

Condor ist daher mehr oder weniger gezwungen die Zubringerflüge in Eigenregie zu organisieren. Daher bietet man aus verschiedenen europäischen Städten, darunter Wien, aber auch innerdeutsch Feeder nach Frankfurt an. An Bord dieser Flüge, die hinsichtlich der inkludierten Leistungen eine Sonderstellung haben, bietet man sowohl Economy- als auch Business-Class an.

Zur Route Wien-Frankfurt ist noch erwähnenswert, dass es auf dieser seit vielen Jahren überhaupt keinen echten Wettbewerb gab. Die Lufthansa Group war als Monopolist aktiv, so dass Point-to-Point das Preisniveau hoch war. Condor ist im Jahr 2025 zunächst mit einem täglichen Umlauf eingestiegen und hat erst mit Beginn der Winterflugplanperiode 2025/26 auf drei Rotationen pro Tag aufgestockt. Es ist sehr offensichtlich, dass man nicht nur darauf aus ist die eigenen Langstreckenflüge zu feedern, sondern auch Point-to-Point-Passagiere gewinnen will. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass es erhebliche Abweichungen hinsichtlich der inkludierten Leistungen gegenüber klassischen Ferienzielen gibt. Das Management der deutschen Airline erklärte anlässlich der Ausflottung der Boeing 757-300, dass Wien-Frankfurt die momentan stärkste Strecke im neuen City-Streckennetz sein soll. Preislich ist man tendenziell unter der Lufthansa Group positioniert, jedoch nicht zwangsläufig. Wer auf dieser Route Point-to-Point fliegen möchte, sollte daher die Preise stets vergleichen.

Wie üblich in Europa: Freier Nebensitz statt echter C-Sessel

Die Business-Class, die auf den Condor-City-Flügen angeboten wird, kann nicht mit speziellen Sitzen auftrumpfen. In Europa bieten nur sehr wenige Airlines echte C-Sitze auf der Kurzstrecke an. Auf anderen Kontinenten ist das selbstverständlich, in Europa meint man mit einem freien Nebensitz das Auslangen zu finden. Mit anderen Worten: Die Sessel in der Condor-Business-Class unterscheiden sich nicht von jenen in der Economy-Class. Lediglich der Mittelsitz, auf dem ein Polster, das bei Bedarf verwendet werden kann, gelegt wird, bleibt frei.

Diese Vorgehensweise hat aber auch einen anderen Vorteil für die Airline: Je nach Nachfrage kann man die Business-Class vergrößern oder verkleinern. Laut Condor hält man im Regelfall die ersten sechs Reihen für die „C“ vor. Auch betont eine Sprecherin, dass die Rückenlehnen in diesem Bereich verstellbar sein sollen. Auf dem Testflug von Frankfurt nach Wien war dies jedoch weder in der ersten noch in der zweiten Reihe der Fall. Sei es drauf, ist ja nur ein kurzer Flug.

Passagiere in der Condor-Business-Class profitieren davon, dass man gegenüber der Economy-Klasse erheblich mehr inkludiertes Aufgabegepäck hat und auch deutlich mehr Handgepäck mitnehmen darf. Da sich die Bedingungen theoretisch jederzeit ändern können, wird empfohlen vor der Buchung die inkludierten Leistungen auf der Condor-Homepage durchzulesen. Jedenfalls bietet die deutsche Airline ihren C-Passagieren auch Lounge-Zugang, Priority-Boarding, Security-Fastlane und wo verfügbar auch eigene Check-in-Schalter. In Frankfurt am Main kann man mit der Condor-Business-Class-Bordkarte die Lufthansa Business-Class-Lounges ohne Aufpreis nutzen.

„Funky Falafel“ ohne Alternative

An Bord wird durchaus spürbar, dass das C-Produkt der deutschen Fluggesellschaft gut gemeint ist, aber nicht so ganz ausgereift ist. Zum Beispiel bietet man auf kurzen Flügen kein Begrüßungsgetränk an und warmes Essen gibt es auch nicht. Auf dem Testflug bestand beim belegten Brötchen auch keine Wahlmöglichkeit, sondern die Flugbegleiterin stellte ein „Funky Falafel“, die in „Plastikfolie aus pflanzlichen Quellen“ verpackt war hin. Getränke sind all You Can Drink sowohl alkoholisch als auch alkoholfrei inkludiert. Die Kabinencrew hat eigentlich bei jedem Vorbeigehen aktiv gefragt, ob es noch was sein darf. Eine Art Speisekarte gab es nicht, so dass gefragt werden musste was überhaupt an Bord ist.

Die „Funky Falafel“ war geschmacklich eher fad. Auch machte das Produkt von der gesamten Aufmachung her den Eindruck, dass es sich um aufgetaute TK-Ware handelte. Dies wird von Condor in einer Stellungnahme dementiert. Man betont, dass es sich um frische Produkte handeln würde. Eine Süßigkeit und eine Schachtel mit zwei Pralinen wurde im weiteren Verlauf gereicht.

„Funky Falafel“ (Foto: Jan Gruber).

Eine Sprecherin der Condor erklärte auf Nachfrage: „An Bord unserer City-Flüge erwartet Gäste eine Zwei-Klassen-Konfiguration mit Business Class und Economy Class. Als Verpflegung werden in der Business Class Getränke sowie ein frisches hochwertiges Sandwich gereicht, bei dem Gäste in der Regel zwischen zwei Varianten wählen können. Darüber hinaus erhalten Gäste Pralinen und ab einer Flugzeit von mehr als 1:30h auch ein Willkommensgetränk sowie die Möglichkeit ein warmes Gericht unserer Taste the World-Edition vorzubestellen. An Bord aller Condor-Flugzeuge sind die Rückenlehnen der ersten sechs Reihen in der Business Class verstellbar, somit steht den Gästen dort ein Recline zur Verfügung“.

Jedenfalls wurde auf dem Testflug keine Alternative zur „Funky Falafel“ angeboten, was in der Business-Class selbst in der Servicewüste Europa dann doch ein wenig ungewöhnlich ist. Hingegen, dass kein warmes Essen auf dem kurzen Flug von Frankfurt nach Wien gereicht wurde, entwickelt sich zunehmend zum Branchenstandard bei zahlreichen in Europa tätigen Airlines – auf der Kurzstrecke eben.

Fazit: Da ist noch viel Luft nach oben

Auf den ersten Blick bietet die Condor-Business-Class eigentlich ein solides Produkt an. Die inkludierten Leistungen wie Lounge-Zutritt, Gepäckmenge und so weiter sind mit dem Hauptkonkurrenten Lufthansa Group absolut vergleichbar. Punktuell hat Condor sogar die Nase ein kleines bisschen vorne. Für Vielflieger dürfte aber eine Art K.O.-Kriterium sein, dass man nur in bestimmten Meilenprogrammen von Partnern der Airline sammeln kann, jedoch bei Condor selbst oder Miles&More nicht. Da C-Flüge normalerweise mehr Meilen generieren als jene in der Economy-Class könnte es beim einen oder anderen Reisenden ein Entscheidungsfaktor zu Ungunsten von Condor sein. Es ist aber davon auszugehen, dass die deutsche Airline im Laufe der Transformation vom Ferienflieger zum Hybrid-Netzwerkcarrier möglicherweise noch ein Vielfliegerprogramm auflegen könnte. Gerüchteweise könnte man irgendwann einer Allianz wie Skyteam oder Oneworld beitreten. Spätestens dann könnte man schon ein Programm auflegen.

Die Schwäche der Condor-Business-Class zeigt sich an Bord, denn als Passagier spürt man schon, dass man an Bord eines „Ferienfliegers in Transformation“ ist. Durch die Crew erfolgte keinerlei persönliche Ansprache bzw. Begrüßung der C-Reisenden, wie sie sonst zumeist üblich ist. Die Getränkeauswahl ist schon in Ordnung, es gibt so ziemlich alles, auf das man Gusto haben könnte. Dagegen war das Angebot an Speisen nicht gerade umfangreich und vielleicht ist Condor ganz gut beraten, wenn man darüber nachdenkt, ob man den C-Passagieren nicht doch mehr Auswahl bzw. zumindest ein kleines warmes Gericht anbietet. Mit Meilensammeln kann man jedenfalls nicht punkten und somit wäre es eigentlich logisch, wenn man über gegenüber der Konkurrenz deutlich besserem Service punkten würde. Genau das ist aber (noch) nicht der Fall.

Es lässt sich also das „Gesamtfazit“ ziehen, dass die Condor-Business-Class auf der Kurzstrecke ein bisschen nachjustiert werden sollte, um den Passagieren ein besseres Gefühl, dass sie für den gegenüber der Economy höheren Ticketpreis auch an Bord sich als C-Passagiere fühlen bzw. dies erleben können. Es ist also noch Luft nach oben und das Condor-City-Netz befindet sich erst im Aufbau. Wer weiß was noch so alles kommt, der Carrier ist bekannt dafür, dass man die gesamte Branche überrascht oder aber einfach neue Ideen mal ausprobiert und bei Erfolg (streckennetzweit) einführt. Dass es auf der Wien-Frankfurt-Strecke eine Alternative zur Lufthansa Group gibt, ist hinsichtlich des Preisniveaus für Point-to-Point-Flüge grundsätzlich begrüßenswert. Der Umstand, dass der Umstieg auf andere Condor-Flüge, beispielsweise auf der Langstrecke möglich ist, erweitert die Reisemöglichkeiten ab Wien und anderen Airports, auf denen Condor die Feeder-Flüge anbietet.

Getränk im Glas (Foto: Jan Gruber).
Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung